Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Linzer Worte

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Freitag, 18. Mai 2012 Felix, Burkhard
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glaubenslust – Der Tag


Linzer Worte

In der Kirche sind Rebellionen nicht vorgesehen. Die Gläubigen in Österreich kümmert das nicht, sie machen genau das – und zeigen dadurch, was Kirche eigentlich sein soll.

Zum Hintergrund: Die Alpenrepublik soll einen neuen Weihbischof bekommen. Das ist schön, eigentlich. Schön allerdings ist nicht, dass dieser neue Weihbischof Gerhard Maria Wagner ein völlig verqueres Bild von Gott hat. Ein Bild, in dem Gott Homosexuelle hasst, Bordelle und Abtreibungskliniken durch einen Wirbelsturm vernichtet und einem giftigen-geifernden Greis ähnelt.

Dieses Bild verbreitet er in unfassbarer Penetranz und Selbstsicherheit. Trotzdem soll Wagner zum Weihbischof von Linz ernannt werden – gegen den Willen vieler österreichischer Katholiken. Die haben nun beschlossen, sich zu wehren. Sie widersetzen sich dem Beschluss der Kurie und versagen dem hoffentlich nicht-neuen Weihbischof die Zustimmung. In einem offenen Brief lehnen die Dechanten Wagner ab. Sie schreiben wörtlich: „Als Dechanten in unserer Diözese Linz nehmen wir wahr, dass viele Christinnen und Christen der Ernennung von Dr. Gerhard Wagner zum Weihbischof zustimmen, dass aber auch sehr viele empört, enttäuscht und verletzt sind. Im intensiven Gespräch der Dechanten stellte sich klar die fehlende Akzeptanz von Dr. Gerhard Wagner für das Bischofsamt heraus. Daher können wir aus Sorge um die Glaubwürdigkeit der Kirche und der Einheit unserer Diözese die Zustimmung zur Weihe von Dr. Gerhard Wagner nicht geben.“
Das ist für die Verhältnisse der hierarchisch strukturierten Kirche fast eine Rebellion.

Eine mutige und nötige Rebellion

Das Rebellion ist so mutig wie nötig. Die Linzer zeigen damit, dass das Bild von der Herde und dem Hirten nur bedingt stimmt. Denn die Herde soll gerade keine verblödet blökende Ansammlung von Ja-Sagern sein. Sie soll eben keine, wie es Nietzsche einmal sagte, Schmeichel-Bäckerei betreiben. Die Gemeinschaft der Gläubigen hat das Recht und die Pflicht, ihren Hirten zu prüfen. Das „Drum prüfe, wer sich bindet“ gilt auch für diese Beziehung. Der Hirte soll leiten, den Weg weisen – aber dafür muss er geeignet sein, muss vor allem auch er sein Weg geeignet sein. Und offensichtlich ist der Weg des Gerhard Maria Wagner nicht der Weg der Linzer Gläubigen.

Der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser hat das sehr richtig erkannt: „Wenn das Vertrauen in die Ortskirche fehlt, beginnt auch das Vertrauen in die zentrale Autorität der Universalkirche zu schwinden.“

Die Linzer Katholiken haben kein Vertrauen in Gerhard Maria Wagner. Viel deutlicher als mit diesem Protest konnten sie das nicht zeigen. Sie haben damit bewiesen, dass die katholische Kirche durchaus keine Ansammlung von autoritätshörigen Kopfnickern ist. Der Vatikan muss nun entscheiden, was ihm dieser Protest wert ist. Und was für eine Kirche er will: Die Kirche des Gerhard Maria Wagner oder eine freie, tolerante und vor allem kollegiale Kirche. Beides zusammen passt nicht.

Simon Biallowons




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Die Kommentare der Liborius-User:


von david-ho zehnter@gmx.de

am Samstag, 14. Februar 2009

Ein ausgezeichneter Kommentar.
Vergleiche dazu die Hetze in kreuz-net

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