Märchen-Musik und Party-Patres
Seit zwanzig Stunden bin ich jetzt in Osnabrück. Das reicht, um zu erkennen: Osnabrück ist eine schöne Stadt. Beschaulich, bodenständig, irgendwie bezaubernd – aber nicht beeindruckend. Und so erlebe ich auch die erste Messe hier. Die Bühne, eingerahmt vom Turm der Katharinenkirche und dem Schlossgebäude. Der Platz, gesäumt von prächtigen Bäumen und schattigen Waldwegen. Die märchenhafte Musik, von mehreren Chören und dem Bläserensemble Complessi di Ottoni. All das ist bezaubernd – beeindruckend ist es nicht. Die Messe im Schlossgarten reißt mich nicht mit, trifft mich nicht. Es ist ein unbeschwerter Genuss, aber keine tiefe Entdeckung. Vielleicht ist es das Ambiente. Das wirkt so locker, so unbeschwert, dass ich mir eher wie auf einer Sommerwiese zwischen Bäumen, als in einem Gottesdienst vor viel Kirchenprominenz vorkomme. Dazu passen die Jugendlichen, die an den Seiten im Schatten liegen und ungestört herumalbern. Oder die Priester, die sich Hüte aus Zeitungspapier gebastelt haben. Alles ist sympathisch, alles ist nett – prägend ist es nicht.
Das mag auch daran liegen, dass ich mir eine ganze andere Fronleichnamsprozession ausgemalt habe. Mit Blumenteppichen und bunten Mandalas. „Hier im Norden?“, lacht mich ein älterer Herr aus. „Sie kommen wohl nicht aus der Gegend?“ Nein, komme ich nicht. Und deshalb mag der Zug, der sich gegen zwölf Uhr mittags mit dem Allerheiligsten, den Ministranten und den Vereinen in Bewegung setzt, ein buntes Schauspiel sein. In langer Erinnerung bleibt er mir trotzdem nicht.
Die Prozession endet gegen kurz nach zwölf Uhr am Mittag vor der Kirche St. Johann. Ich habe kurz Zeit, es geht erst um halb zwei weiter für mich. Ich gehe durch die Kirchenmeile, sehe bei den Ständen der Ordensgemeinschaften vorbei und laufe langsam zurück zur Stadthalle.
Teil 2: Erst jaulen, dann jubeln
Teil 3: Simon trifft Promi-Pater