Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Sein Katholikentag – 23. Mai

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Freitag, 18. Mai 2012 Felix, Burkhard
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Sein Katholikentag


Atheist gegen Katholik, Linker gegen Konservativen

Gregor Gysi gilt als einer der begnadetsten Redner unserer Zeit. Als rhetorische Urgewalt – kein Wunder, dass der Saal schon weit vor zwei Uhr völlig überfüllt ist. Viele finden keinen Platz, die anderen freuen sich schon auf die Diskussion mit dem Titel „Nun sag, wie hast du´s mit der Religion? Schule vor der Gretchenfrage: Ethik oder Religionsunterricht?“ Anlass ist die Situation in Berlin, wo konfessioneller Religionsunterricht als Pflichtfach abgeschafft, und dafür ein verbindlicher Ethikunterricht eingesetzt wurde.

Remis gegen rhetorische Urgewalt

Gysi wiederum ist Abgeordneter der Linken, die als Koalitionspartner der SPD maßgeblich an dieser Veränderung beteiligt war. Und deshalb warten alle auf Gysi. Er huscht dann fast unbemerkt herein, nimmt auf dem Podium Platz. Er sitzt Pater Langendörfer direkt gegenüber, zwischen den beiden lächelt Elisabeth Heister-Neumann aus ihrem Ledersessel. Die niedersächsische Kultusministerin entpuppt sich zwar danach mehr als nur schmückendes Beiwerk, die Musik allerdings machen die beiden Gegenspieler. Gysi erntet den ersten Lacher, als er meint: „Ich weiß, dass ich hier nicht gerade in einer linken Basisgruppe bin.“ Und deshalb kritisiert er, dass im Religionsunterricht Kinder zu einer Haltung erzogen werden und fordert die bloße Vermittlung von Wissen. Gleich darauf will er doch die Vermittlung einer Haltung, Toleranz nämlich – die Argumentation bleibt schwammig. Das Publikum allerdings sieht gnädig darüber hinweg, man will ihn ja auch nur sprechen hören.

Gysi polemisiert, Langedörfer kontert

Auch Pater Langendörfer braucht ein wenig, bis er ins Gespräch findet. Dann allerdings lehnt er Gysis Forderung nach einer „neutralen“ Wissensvermittlung ab und verlangt stattdessen überzeugte Religionslehrer. Dazwischen stellt Elisabeth Heister-Neumann klar, dass sie „Beliebigkeit für gefährlich“ halte und schwärmt von der Authentizität der Maria Laach-Mönche. Am Ende aber bleiben weniger sie oder die Impulse weiterer Gesprächspartner hängen. Sondern nur das Duell Gysi – Langendörfer. Für mich etwas überraschend endet es unentschieden. Gysi polemisiert, dass die Kirche bisher keine bleibende Sinnvermittlung geschafft habe, und lacht bei der Abschlussfrage, wie er denn den Religionsunterricht in 25 Jahren sehe: „Dann bin ich in einem Alter, in dem man weise ist. Vielleicht freut sich dann auch mein Gegenüber, wenn wir über den Unterricht reden.“ Langendörfer lacht auch und kontert eiskalt: „Natürlich freue ich mich. Weil wir dann über einen festen Religionsunterricht in Berlin sprechen.“ Ein guter Abschluss eines interessanten Aufeinandertreffens – und für mich die Bestätigung, dass bei allem Treibenlassen auch ein geplanter Termin begeistern kann.

Übrigens: Ganz zu Ende ist der Tag für mich heute noch nicht. Im Schlossgarten läuft gerade ein Konzert. Später werden dort die Hip Hop-Stars von Culcha Candela auftreten. Ich weiß nicht, ob ich noch mitrocke. Wenn, dann werde ich morgen davon erzählen. Und wenn nicht? Dann starte ich morgen früh mit der Laudes. Sie dürfen gespannt sein.

 

Teil 1: Heil Hubertus und Tanz Tamburin

Teil 2: Gospel, Gysi und Gedränge


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