Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Sein Katholikentag – Ben Becker

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Freitag, 18. Mai 2012 Felix, Burkhard
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Sein Katholikentag


Rausch mit Becker und Bibel

Ich hatte es Ihnen ja versprochen. Versprochen, vom Highlight des gestrigen Abends zu erzählen: Ben Becker liest im Osnabrücker Schlossgarten aus der Bibel vor. Ich muss zwar gleich weiter in die Kirchenmeile, aber das will ich Ihnen nicht vorenthalten. Denn eines vorweg: Diese Bibelstunden waren einfach nur Wahnsinn. Deshalb versuche ich es Ihnen so zu erzählen, wie ich es erlebt habe. Und das Erleben beginnt mit Stille. Mit einer tiefen, angespannten Stille. Allein sie ist schon beeindruckend. Dann das Hinfiebern auf den ersten Ton des Orchesters. Die Spannung, wann sich Trommeln und Geigen endlich auflösen und eine Stimme durchdringen würde: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ Und dann der Schauder, als es passiert. Einfach irre.

Ich wusste, dass Ben Becker eine unfassbare Stimme hat. Dass sie so unfassbar ist, hätte ich nicht gedacht. So rau, so tief und doch in manchen Passagen mit einer unendlichen Verletzlichkeit. Die Enttäuschung Gottes, als er sich durch Adam und Eva betrogen sieht, war mir nie so nahe. Ich kann den Schmerz Gottes, als er vom Mord Kains an seinem Bruder Abel erfährt, beinahe fühlen. Ben Beckers Stimme zittert, sie scheint zu brechen. Dazu eine Musik, die durch Streicher, Harfe und Klanginstrumente wie das Metallophon das Wunder der Schöpfung in Töne packt. Die Hiobs Verzweiflung in die Abendluft schreit, so dass ich betroffen nach vorne starre. Das ist Bibelerleben am ganzen Körper. Und eines möchte ich auch nicht vergessen: Der Schlossplatz mit seinen hohen Bäumen, dem Gras und dem malerischen Ausblick auf Schloss und Katharinenkirche ist die ideales Kulisse. Die Sonne geht gerade unter und taucht die Baumwipfel in ein eigentümliches Licht. Während Becker die Bibel vorliest, nein sie zelebriert, sinkt das Licht immer weiter. Die Stimme von der Bühne wirkt dadurch noch mächtiger, scheint am Ende wirklich alles zu erfüllen. Sie scheint die Menschen völlig in ihren Bann zu schlagen, mich eingeschlossen.

Als ich schließlich gehe, fühlt sich mein Kopf noch dumpf an. Beckers Stimme grollt in meinen Ohren, die Bilder der riesigen Videoleinwand hinter dem Orchester flirren durch meinen Kopf. Den Weg zwischen den Bäumen, an den Ständen vorbei zur Stadthalle gehe ich wie in Trance. Es ist wie in ein Rausch. Ein Rausch mit Becker und Bibel.


Das Beste aus der katholischen Erlebniswelt