Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Tag 3, 2. Teil

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Freitag, 18. Mai 2012 Felix, Burkhard
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Sein Katholikentag

 

Gospel, Gysi und Gedränge

Einige Meter weiter werden ebenfalls Gitarren gezupft, Geige und Flöte geben den Takt vor. Eine Frau schlägt dazu ein Tamburin. Sie trägt ein langes geblümtes Kleid, das vielleicht in den 50ern, wahrscheinlich aber eher nie modern war. Das interessiert sie allerdings wenig – sie gehört zu den „Zwölf Stämmen“, eine Gemeinschaft bibeltreuer Christen, die als fundamentalistisch gilt. Ihre „Brüder“ und „Schwestern“ tanzen auf dem Pflaster einen eigentümlichen Reigen, andere verteilen Broschüren. Andreas erklärt dabei: „Wir wollen vierundzwanzig Stunden am Tag Gottesdienst halten“ – die Osnabrücker verfolgen es mit Interesse.

Ich bleibe noch kurz, blicke auf die Männer mit Vollbart und die kleinen Mädchen, die ebenfalls alle nur lange Kleider tragen. Dann drehe ich ab und folge der Menge Richtung Ursulaschule. Davor allerdings biege ich links ab – und komme fortan nur noch mühsam voran.

Ich schiebe mich durch das Gedränge auf einer Brücke – und beginne Trommeln zu hören. Die Schilder am Baum weisen auf „Jugendzentrum“ und „Domschule“ hin. Es ist gerade zwölf Uhr, ich schlage im Programmheft nach und finde endlich: „African Gospel“ steht da. Das Suchen hätte ich mir sparen können, einige Schritte weiter und eine Treppe nach oben sehe ich die Bühne mit den Trommelnden vor mir. Wobei: Eigentlich sehe ich zuerst nur Kinder, Jugendliche und auch einige Erwachsene, die die Hände über dem Kopf zusammenklatschen und von einem Bein auf das andere hüpfen. Die Bühne liegt gut fünf Meter unter mir, am Abhang sitzen weitere Zuschauer. Ein Pärchen schläft aneinander gelehnt – unglaublich bei der Lautstärke. Denn die Gospelsänger, der Chor „Kinduku“ aus Köln, gibt es jetzt richtig Gas. Bei „Rivers of Babylon“ tobt die Menge, egal in welchem Alter die Zuhörer sind. Annabell (19) liebt die Rhythmen, möchte so etwas öfters in der Kirche hören und hält das Konzert für das Beste bisher am Katholikentag. Gabi ist mehr als fünfundzwanzig Jahre älter, tanzt aber genauso mit. „Ich liebe einfach diese Art zu feiern“, ruft sie und dreht sich auch schon wieder zur Bühne um. Zeit für mich, das Jugendzentrum zu verlassen.

Ganz ohne Termin bin ich allerdings heute auch nicht: Um zwei Uhr mittags kommt es in der Verfügungshalle der Universität zu einem rhetorischen Showdown: Gregor Gysi gegen Jesuitenpater Hans Langendörfer. Der Fraktionsvorsitzende der Links-Partei im Bundestag trifft den Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, der Politiker den Ordensmann. Atheist gegen Katholik, Linker gegen Konservativen.

Teil 1: Heil Hubertus und Tanz Tamburin

Teil 3: Atheist gegen Katholik, Linker gegen Konservativen


Das Beste aus der katholischen Erlebniswelt