Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Männer unser

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Freitag, 18. Mai 2012 Felix, Burkhard
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glaubenslust – Der Tag


Männer unser

Liebe Frauen,

verzeihen Sie bitte diese vertrauliche Anrede, die zugegebenermaßen der „Post von Wagner“-Kolumne des hochgeschätzten Bild-Kollegen Franz-Josef Wagner entliehen ist. Aber es scheint die angebrachte Einleitung für einen männlichen Einwurf an einem solchen für den weiblichen Teil der Menschheit wichtigen Ereignis. Die Rede ist vom Weltgebetstag der Frauen, der manchen Männern Anlass zum Grübeln gibt. Nicht wegen der Tatsache, dass beim diesjährigen WGT, so die offizielle Abkürzung, Papua-Neuguinea im Mittelpunkt steht. Übrigens sehr verdienstvoll, zumal der WGT mit Kollekten Projekte von papua-neuguineischen Frauen unterstützt. Aber habt Ihr schon einmal darüber nachgedacht, auch uns Männern etwas Unterstützung zukommen zu lassen?

Wie, dafür gibt es keinen Grund? Männer dominieren nach wie vor in den Führungspositionen; Frauen verdienen im Schnitt rund 20 Prozent weniger, kriegen weniger Weihnachts- und Urlaubsgeld oder Gewinnbeteiligung und müssen zudem noch neben dem Haushalt die Kindererziehung stemmen; und wenn irgendwo in der Welt irgendein Mist verzapft oder angerichtet wird, kommt das auch meist von Männern. Mag ja alles sein, aber das sind doch nur noch die letzten männlichen Enklaven in einer ansonsten verweiblichten Gesellschaft. Denn seien wir doch mal realistisch: Die einstige Krone der Schöpfung hat bereits so viele Zacken verloren, dass es einem angst und bange werden kann. Gehen Sie doch mal an eine Schule oder in ein Krankenhaus. Frauen dominieren die Gesundheitsberufe und den Sozialbereich. Und an den Grundschulen findet man kaum noch etwas Maskulines, abgesehen vom Hausmeister. Selbst die Schulbücher sind verweiblicht, die Jungen an den Pennen sehen oft kein Land mehr gegen die Mädchen, brechen die Schule öfter ab und haben schlechtere Job-Perspektiven.

Auch in der Politik macht sich der Niedergang immer mehr bemerkbar. Angie wollen wir hier mal außen vor lassen. Besseres Beispiel ist Spanien, wo erstmals in der Geschichte des Landes mehr Frauen im Regierungskabinett sind als Männer, darunter ein weiblicher Verteidigungsminister. Und im Sport, da macht Ihr uns sogar in unserem geheiligten Männerbiotop den Rang streitig: Noch 1970 durften Frauen in Deutschland keinen Fußball spielen. Inzwischen sagt Fifa-Präsident Sepp Blatter: „Die Zukunft des Fußballs ist weiblich“, spielt die deutschen Frauennationalmannschaft erfolgreicher als die Männerelf, und bei der WM 2006 tauchten massenhaft Mädchen und Frauen mit geschwenkten Fahnen und Tops vor öffentlichen Videoleinwänden auf. Bleibt scheinbar nur noch die katholische Kirche als letztes Männerparadies, das sich verzweifelt mit  einem antifeministischem Schutzwall, bestehend aus Zölibat und Frauen-Ordinationsverbot, vor der weiblichen Infiltration schützt.

Aber wie lange noch?, frage ich mich, wo doch inzwischen unsere größte Kathedrale und der Welt mächtigstes gotisches Gotteshaus, der Kölner Dom, von Deutschlands einziger Dombaumeisterin auf Vordermann gebracht wird. Ein Novum in der 800-jährigen Geschichte des Doms. Wird es uns also eines Tages ergehen wie den Tüpfelhyänen in Afrika, oder den Lemuren auf Madagaskar? Bei ersteren ist selbst das höchstrangige Männchen dem niedrigrangigsten Weibchen sozial unterworfen und wird von der Beute verscheucht. Und bei den Lemuren herrscht ebenfalls das volle Matriarchat.

Also liebe Frauen, wenn ihr an diesem Freitag in über 170 Ländern den WGT und damit die größte ökumenische Basisinitiative der Welt feiert: Denkt nicht nur an eure Kolleginnen in Papua-Neuguinea, sammelt auch für uns ein paar Kröten oder widmet uns wenigstens ein Gebet. Wir können’s vielleicht bitter nötig brauchen in den nächsten Jahren. Nicht dass es uns eines Tages so geht wie den Tüpfelhyänen und den Lemuren ...

Klaus Späne




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