Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Margot Käßmann an der Spitze der EKD

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Samstag, 4. Februar 2012 Veronika
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glaubenslust – Der Tag


Neue Ära im ökumenischen Dialog?

Mit Margot Käßmann steht erstmals eine Frau an der Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Ein Hindernis auf dem in letzter Zeit ohnehin recht holprigen Weg der Ökumene? Wie gut ist Käßmann für den Dialog mit der katholischen Kirche gerüstet? Was ist von ihr zu erwarten? Für glaubenslust.de kommentiert Wolfgang Thönissen*, päpstlicher Berater im Rat zur Förderung der Einheit der Christen

Gratulation auch von katholischer Seite. Neben dem Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, haben der Münchner Erzbischof Reinhard Marx und der Vorsitzende der Ökumenekommission, der Regensburger Bischof Gerhard-Ludwig Müller, Margot Käßmann, der evangelischen Landesbischöfin von Hannover, zur Wahl als Ratsvorsitzender gratuliert. In einer überaus schnellen und am Ende überzeugenden Wahl setzte sich die Landesbischöfin gegen innerkirchliche Konkurrenten durch. Eine Überraschung ist ihre Wahl nicht, da sie schon lange als Favoritin für dieses Amt gehandelt wurde, obwohl sie für sich selbst keine Werbung machte, ja sich eher zurückhielt.

Foto: ddp
Margot Käßmanns Wahl war keine Überraschung. Und für den Dialog mit den Katholiken ist sie gut vorbereitet (Foto: ddp)

Aus ihrer neuen Position heraus wird es Frau Käßmann mehr als bisher mit der katholischen Kirche zu tun haben. Von Hannover aus war sie eher einen anderen Blick gewöhnt, weil Katholiken dort in der Diaspora sind. Die gesamtdeutsche Perspektive ist ihr aber nicht unbekannt.

Schon als Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentags hat sie intensive Kontakte zu Katholiken gehabt, da hier die Zusammenarbeit mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken traditionellerweise gut läuft. Ökumenische Erfahrungen hat Frau Käßmann in vielen Jahren ihrer Zugehörigkeit zum Zentralausschuss des Ökumenischen Rates der Kirchen sammeln können, den sie allerdings aus Protest über das Verhalten der orthodoxen Kirchen verließ.

Bischöfe finden wärmere Worte als für ihren Vorgänger

Wenn man so auf den ökumenischen Aspekt ihrer zukünftigen Tätigkeit blickt, ist Frau Käßmann für das Amt der EKD-Ratsvorsitzenden besonders gut vorbereitet. Anders als ihr Vorgänger Wolfgang Huber wird sie wohl stärker die geistliche Dimension dieses Miteinanders entfalten können, nicht die akademisch-professorale. Sie gilt als eine überzeugte Christin und kann das auch gut nach außen in der Öffentlichkeit vertreten. Margot Käßmann sei ein gutes Gelingen zu wünschen, führte deshalb der Münchener Erzbischof Marx aus, der neben dem bayerischen Landesbischof Johannes Friedrich Gastgeber des Ökumenischen Kirchentages 2010 in München ist. Er freue sich „auf ein gutes Miteinander in herzlicher, ökumenischer Verbundenheit“.

Das sind wohl klingende Worte, die ihrem Vorgänger in letzter Zeit nicht mehr entgegengebracht wurden, nachdem ein der katholischen Kirche gegenüber äußerst kritisches Papier aus der EKD-Zentrale an die Öffentlichkeit gelangt war. Huber ließ in seiner Amtszeit nichts unversucht, das protestantische Profil in der Ökumene und manchmal wohl auch gegen die Ökumene zu stärken.

Was sich Katholiken von Käßmann wünschen

Was die Ökumene in Deutschland heute braucht, ist ein verbindliches, offenes, aber nicht unkritisches Miteinander. Denn Christen stehen in einer pluralen Gesellschaft vor vielfältigen Herausforderungen, wie Erzbischof Zollitsch betonte. Hier kann an die Tradition erinnert werden, zu Fragen der Gesellschaft gemeinsam Stellung zu beziehen. In den neunziger Jahren haben die Deutsche Bischofskonferenz und die EKD eine Reihe gemeinsamer Texte herausgegeben, u.a. zu Fragen der Wirtschaft, der Migration, zu Fragen des Lebensanfangs und -endes. Die katholische Kirche wird sich von Frau Käßmann wünschen, dass man sich nunmehr wieder verstärkt den Zukunftsfragen dieser Welt zuwendet und gemeinsam Position bezieht.

Margot Käßmann ist die erste Frau, die den Ratsvorsitz einnimmt. Für die katholische Kirche in Deutschland ist dies eine neue Erfahrung. Als geschiedene Mutter von vier Töchtern wird sie wohl andere Themenschwerpunkte in Gespräch und Begegnung einbringen, als dies bisher der Fall gewesen war. Die überaus freundliche Begrüßung durch katholische Bischöfe lässt nicht darauf schließen, dass das ökumenische Gespräch mit ihr schwieriger werden könnte.

 

Prof. Dr. Wolfgang Thönissen ist Leitender Direktor des Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik in Paderborn. Im Mai 2008 ernannte Benedikt XVI. ihn zum Berater (Konsultor) des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen in Rom 




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Die Kommentare der Liborius-User:


von Martina Pflock

am Samstag, 31. Oktober 2009

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