Marktmacht Kirche
Jesus hat seine Anhänger „wie Schafe unter die Wölfe“ gesandt. Das heißt aber nicht, dass sie sich alles gefallen lassen sollen. „Seid klug wie die Schlangen“, hat der Meister deshalb hinterhergeschickt. Gesagt, getan. Im Südwesten des Landes sind Katholiken und Protestanten, Badener und Württemberger über ihren Schatten gesprungen und haben sich zusammengetan für ein cleveres Geschäft. Sie treten geballt als eigene Marktmacht auf kaufen Energie für ihre zahllosen Einrichtungen direkt und ohne Zwischenhändler an den entsprechenden Börsen. Das spart Geld. Geld, das für anderes frei wird.
Mit Jahresbeginn bietet die „KSE Gesellschaft zur Energieversorgung der kirchlichen und sozialen Einrichtungen mbH“ vorerst günstiges Gas für die Heizungen von Kindergärten, Kirchen oder Krankenhäusern. Andere Energieträger wie Strom sollen folgen.
Beim Energieverbrauch geht es eben auch um Schöpfungsspiritualität
Das ist bislang vor allem ein kluges Geschäftsmodell, das Millionen einspart. Aber es steckt noch mehr drin. Von energiepolitischen Vorreitern wie der Benediktinerabtei Münsterschwarzach in Franken kann die KSE lernen, wie eine Institution Tradition und Moderne im Begriff Nachhaltigkeit verbindet: 1100 Jahre hatte das Kloster aus regenerativen Energien wie Holz gelebt. 50 Jahre währte die Abhängigkeit vom Öl. Jetzt leben die Mönche wieder von Sonne, Wind und Wald, in technisch top aufbereiteter Form. Am Ende geht es beim Energieverbrauch eben nicht nur um Preisnachlässe, sondern auch um Schöpfungsspiritualität.
Marktmacht kann nicht nur an der Strombörse von Nutzen sein
Noch etwas könnte vom Energieversorgermodell auf die Verantwortlichen in katholischen Diözesen und evangelischen Landeskirchen abfärben. Die Erkenntnis: Gemeinsam sind wir stark. Marktmacht kann nicht nur an der Strombörse von Nutzen sein, sondern auch auf dem Markt der Meinungen.
Das ist weit hergeholt? Kluge Beobachter haben schon vor Jahrzehnten behauptet, dass Ökumene dann verwirklicht sein wird, wenn die Kirchen ihre Kassen zusammenschmeißen. Fürs Geldsparen haben sich die schwäbischen Christen nun schon zusammengetan. Nächste Schritte können folgen.
Joachim Rogosch