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Interessant, dass ausgerechnet unsere beiden Supermächte den heiligen Nikolaus als eine Art Nationalheiligen verehren: Die Russen sagen „Väterchen Frost“ zu ihm, die Amis „Santa Claus“. Auf deutsch: der Weihnachtsmann. Damit ist das Durcheinander dann komplett.
Der Reihe nach: Eigentlich ist am 6. Dezember Gedenktag des Bischofs Nikolaus. Die Quellenlage ist dürftig, aber er soll Mädchen vor der Zwangsprostitution bewahrt haben, indem er ihnen heimlich genug Geld gab, um sich verheiraten zu können. Ein Nachklang der damaligen Rettungsaktion sind die Geschenke, die Nikolaus noch heute bringt.
Wilde Klausen berauschen sich an Alkohol und Gewalt
Dieser gute Niklausbrauch war stets in Gefahr. In manchen allemannischen Orten sind mittlerweile „Wilde Klausen“ unterwegs und berauschen sich an Alkohol und Gewalt. Ein ziemliches Missverständnis. Es soll mit uralten Bräuchen zu tun haben, ist aber wohl eher ein Zeichen dafür, dass es auch vor drei- bis fünfhundert Jahren schon Menschen gegeben hat, die vom Heiligen Nikolaus nichts begriffen hatten.
Irgendwie ist Nikolaus dann nach hinten gerutscht, in die Weihnachtszeit. Den Strenggläubigen passte die Feierei am 6. Dezember aus moralischen Gründen nicht. Das war, als es noch Advent gab und das eine Fastenzeit war. Und die Ungläubigen aller Länder vereinigten sich im Geiste, um das Christentum zu hübschem Brauchtum herabzustufen. Heraus kam eben der „Weihnachtsmann“ oder das Väterchen Frost oder Santa Claus, der am Nordpol wohnt. Das ist gerade mal rund hundert Jahre her. Auch wenn Russen, Amerikaner und Ungläubige behaupten, es sei immer schon so gewesen.
Weihnachtsmänner sind Reklamekasper
Gläubige wissen: Weihnachtsmänner sind Reklamekasper. Gläubige glauben ans Christkind. Das verändert die Welt, nachweislich seit 2000 Jahren. Gläubige setzen sich deshalb für Kinder ein, damit die gut leben können. Wer ans Christkind glaubt, wie der Nikolaus beispielsweise, ist dann aufs richtige Datum gar nicht mehr angewiesen. Für Kinder da zu sein ist am 6. Dezember genauso richtig wie an Weihnachten.
Joachim Rogosch