Wie reagiert die Kirche?
Durchweg wird eine lückenlose Aufklärung versprochen, Vertreter der beschuldigten Einrichtungen entschuldigen sich betroffen bei den Opfern. "Wenn der Täter ein Priester ist, wiegt dieses Vergehen besonders schwer. Es steht im Widerspruch zum geistlichen Amt, weil dann der Priester die besondere Nähe ausnutzt, die Menschen mit einem Seelsorger verbindet", heißt es im Vier-Punkte-Plan der Bischöfe zum Thema Missbauch. Darin hält die Deutsche Bischofskonferenz folgende Schritte fest, um den Kampf gegen Missbrauch zu verschärfen:
Erstmals wird in der katholischen Kirche eine zentrale Anlaufstelle für Missbrauchsfälle eingerichtet: Bundesweiter Ansprechpartner für alle «Fragen im Zusammenhang des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger im kirchlichen Bereich» ist ab sofort der Trierer Bischof Stephan Ackermann. Dabei soll auch eine Info-Hotline eingerichtet werden. Ansprechpartner gibt es bisher bereits in den Bistümern, ggf. soll ihre Arbeit mit mehr Personal unterstützt werden.
Die bisherigen Leitlinien zum Umgang mit sexuellem Missbrauch (2002) sollen mit Hilfe von externen Beratern überarbeitet und mehr Gewicht als bisher auf Prävention gelegt werden.
Nach den Bischöfen kündigten auch die Orden an, die Richtlinien für den Umgang mit sexuellem Missbrauch zu überarbeiten.
Kardinal Karl Lehmann trat den Vorwürfen entgegen, die katholische Kirche vertusche die Missbrauchsfälle. Die Behauptung, dass die Kirche keinen überzeugenden Willen zur Aufklärung zeige, sei "barer Unsinn", so Lehmann.
Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick sprach sich für Entschädigungszahlungen der Missbrauchstäter an die Opfer aus.
Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx warnte vor einem Generalverdacht gegen Mitarbeiter in kirchlichen Bildungs- und Erziehungseinrichtungen gewarnt. Gleichzeitig betonte er, die Kirche sei an umfassender Aufklärung interessiert. Jetzt sei nicht die Stunde, andere zu beschuldigen, betonte Marx außerdem.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Zollitsch, ist zu Gesprächen mit Papst Benedikt XVI. nach Rom gereist. In dem Gespräch ging es auch um die Missbrauchsfälle. Kurz darauf geriet Zollitsch selbst unter Beschuss: Angeblich soll er einen Fall vertuscht haben, was er aber in einer Stellungnahme abstritt.
Eine Entschuldigung kam vom früheren Münchner Erzbischof, Kardinal Friedrich Wetter, der Fehler im Umgang mit einem Priester einräumte, der Kinder sexuell missbraucht haben soll.
Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat nach eigenen Worten noch nie so eine schwere Zeit in der Kirche erlebt. "Von innen und außen ist über unsere Kirche - und das sind wir ja alle - eine schwere Bedrängnis hereingebrochen", so Meisner.
Der deutsche Kurienkardinal Walter Kaspar sieht die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche weithin verspielt. Es werde einige Zeit dauern, bis sie die Kirche wieder zurückgewonnen habe, so Kaspar.
Abtprimas Notker Wolf sieht in dem Missbrauchsskandal einen sehr großen Imageschaden für Klosterschulen. Spätestens jetzt werde allen bewusst, "dass es sich bei diesen Missbrauchsfällen nicht einfach um eine schwere Sünde gegen das sechste Gebot handelt, sondern junge Menschen für ihr Leben traumatisiert werden", so Wolf.
Der Rottenburg-Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst ließ in einem Gottesdienst ein bewegendes Schuldbekenntnis verlesen
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat die Anstrengungen der katholischen Kirche um Aufarbeitung der Missbrauchsskandale gewürdigt. Es handele sich um ein "allgemeines gesellschaftliches Problem", sagte der Ratsvorsitzende der EKD, Präses Nikolaus Schneider. Er sehe das Bemühen der katholischen Kirche "in großer geschwisterlicher Verbundenheit".
Auch der Ökumenische Kirchentag im Mai in München will sich dem Thema "Sexueller Missbrauch in der Kirche" widmen. Auch der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für Missbrauchsfälle, Bischof Ackermann, hat sein Kommen zugesagt.
Kirchenführer in aller Welt nahmen außerdem Papst Benedikt XVI. vor Vertuschungsvorwürfen in Schutz.