Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Missbrauch FAQ

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Der Tag

Ursula Raue, Missbrauchsbeauftragte der Jesuiten und Erzbischof Robert Zollitsch vor der Presse

Wie begann der Missbrauchsskandal?

Mitte Januar 2010: Der Leiter des Berliner Canisius-Kollegs, Pater Klaus Mertes, informiert in Briefen rund 500 Schüler der «potenziell betroffenen» Abiturjahrgänge 1975 bis 1983 über mögliche Missbrauchsfälle. Er entschuldigt sich für «ein Wegschauen» im Lehrerkollegium und im Orden und ruft Betroffene auf, sich zu melden.




 

 

Welche Orden/Einrichtungen stehen unter Verdacht?

Jesuiten: Bis Ende Februar haben sich rund 150 Opfer gemeldet (lesen Sie hierzu den Bericht "Es sind Wunden, die nicht heilen"), die Zahl ist aber inzwischen gestiegen. Eine neue Zwischenbilanz vom 24. März die Missbrauchsfälle im Kolleg Sankt Blasien betreffend brachten zuletzt neue schreckliche Details ans Tageslicht. Auch am Bonner Aloisiuskolleg sollen sechs Jesuitenpatres Schüler zwischen 1946 und 2005 sexuell missbraucht haben.

Foto: ddp-news
Das Klosterinternat im oberbayerischen Ettal

Benediktiner/Kloster Ettal: Nach dem Abt des Kloster Ettals, Barnabas Bögle, der einen Verdacht im Jahr 2005 nicht weitergeleitet und damit gegen die Meldepflicht verstoßen hatte, trat auch der Prior der oberbayerischen Benediktinerabtei und Schulleiter des dortigen Gymnasiums, Pater Maurus Kraß (50), von beiden Ämtern zurück. Das Kloster setzte einen Sonderermittler für den Skandal ein.

Vor Ort hat bereits die Staatsanwaltschaft ermittelt; es gab auch Untersuchungen wegen Kinderpornografie. Dabei wurde bekannt, dass ein Computer beschlagnahmt wurde. Ein Pater hatte sich selbst bei der Staatsanwaltschaft angezeigt und gestanden, dass er kinderpornografisches Material aus dem Internet heruntergeladen sowie Fotos von Schülern mit nacktem Oberkörper auf eine Internetseite für Homosexuelle gestellt hatte.

Wie nach der Razzia im Kloster Ettal bekannt wurde, gab es in dem Internat nicht nur sexuellen Missbrauch, sondern auch jahrelange extreme Gewalt gegenüber Schülern. Lesen Sie hierzu auch den Erfahrungsbericht eines ehemaligen Ettaler Internatsschülers.

Die Benediktiner wollen Geschädigten helfen (wie, lesen Sie hier) und baten zudem den Vatikan um Hilfe. Sie schickten ein Visitationsgesuch an Papst Benedikt XVI. Bisher gibt es noch keine offizielle Antwort.

Benediktiner/Metten: Auch in der niederbayerischen Benediktinerabteil Metten soll es zwischen 1970 und 1980 zu sexuellen Übergriffen durch einen Ordensmann gekommen sein. Außerdem ist von "übermäßiger Gewalt" die Rede, die ein weiterer Benediktiner innerhalb desselben Zeitraums verübt haben soll.

Foto: Daniel Biskup
Auch bei den Regensburger Domspatzen haben sich die Verdachtsfälle bestätigt

Regensburger Domspatzen: Immer mehr Fälle sind in den vergangenen Wochen bekannt geworden, es handelt sich um Übergriffe aus den 50er- und 60er-Jahren.

Der frühere Domkapellmeister, Georg Ratzinger, bedauerte die Missbrauchsfälle bei den Domspatzen. Ihm sei das Ausmaß der "brachialen Gewalt" nicht bekannt gewesen, so Ratzinger.

Foto: Erzabtei St. Ottilien
Die Erzabtei St. Ottilien

Missionsbenediktiner/Sankt Ottilien: Beschuldigt wird ein in den 1960-er Jahren als Erzieher und Lehrer tätiges Ordensmitglied, das seit 1969 nicht mehr dem Orden angehört. Weiter sieht sich das Kloster mit einem anonymen Vorwurf sexuellen Missbrauchs in den 60er- und 70er-Jahren gegen einen Mitbruder konfrontiert.

Franziskanerminoriten: Auch hier wurde offenbar die Meldepflicht verletzt, konkret geht es um angebliche Übergriffe eines heute 76-jährigen Paters. Mindestens ein Fall soll in der Zeit um 2000 und 2001 geschehen sein, der Pater wehrt sich aber vehement gegen die Vorwürfe. Inzwischen hat die deutsche Provinz der Franziskaner-Minoriten einen Missbrauchsbeauftragten benannt.

Foto: ddp
Das Bekanntwerden der Missbrauchsfälle am Berliner Canisius-Kolleg hatten den Stein ins Rollen gebracht

Salesianer: Die Salesianer Don Boscos haben einen ersten längeren Zwischenbericht zur Aufarbeitung von Fällen aus den 50er- bis 70er-Jahren und aus den Jahren 1994 und 1995 vorgelegt. Aktuelle Vorwürfe, für die 2003 ein externer Beauftragter bestellt wurde, sind der Provinzleitung bisher nicht bekannt. Beschuldigt sind 17 Personen, davon sind sieben Ordensmitglieder bereits verstorben. Vier weitere Mitbrüder hätten den Orden in den 1960er und 1970er Jahren verlassen, ein Angestellter sei nach Bekanntwerden der Vorwürfe in der damaligen Zeit «verschwunden». (Lesen Sie hierzu auch "Der Missbrauchsskandal lastet schwer auf dem Salesianer-Orden")

Franz Sales Haus: Ehemalige Heimkinder wollen gegen die katholische Einrichtung klagen, in der Menschen mit geistigen, psychischen und mehrfachen Behinderungen betreut werden. Sie seien in den 1950er und 1960er Jahren dort misshandelt und teils auch missbraucht worden. ("Wir wollen eine öffentliche Anerkennung unseres Leides")

Kapuziner/Burghausen: Auch die bayerischen Kapuziner sind in den Missbrauchsskandal verstrickt. 1984/85 wurden dort Jugendliche durch den Seminardirektor missbraucht.
Pater Felix Kraus, Kapuziner in Altötting, trat von seinem Amt als Wallfahrtskustos zurück. Er begründete den Schritt damit, dass ein Missbrauchsfall am früheren Studienseminar seines Ordens wegen Verjährung nicht strafrechtlich verfolgt werden konnte.

Erzbistum München: Der Fall des inzwischen suspendierten Bad Tölzer Kurseelsorgers H. sorgt weltweit für Aufsehen, weil Joseph Ratzinger Erzbischof von München-Freising war, als H. als Pfarrseelsorger unter Auflage einer Therapie - H. hatte im Heimatbistum Essen bereits Kinder missbraucht - ins Bistum aufgenommen wurde. H. missbrauchte in Garching erneut Kinder und wurde 1986 verurteilt. Kardinal Friedrich Wetters war Erzbischof, als der Verurteilte wieder eingesetzt wurde - wofür sich Wetter am 23. März 2010 in einer "persönlichen Stellungnahme" entschuldigte. Der Fall rund um H. weitet sich derzeit immer mehr aus (Lesen Sie hier den Bericht dazu).

Bistum Limburg: Missbrauchsvorwürfe sind gegen fünf Priester des Bistums Limburg erhoben worden. Drei von ihnen sind bereits verstorben, die anderen beiden sind suspendiert worden. Es bestünden zwei Verdachtsfälle aus den 1940er und 1960er Jahren sowie Vorwürfe, die "vor einigen Jahren" begangen worden seien.
Der Missbrauchsbeauftragte des Bistums ist inzwischen wegen Überlastung zurückgetreten.

Bistum Fulda: Das Bistum hat Angaben zu drei Verdachtsfällen gemacht. Sie wurden an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet.

Bistum Mainz: Dem Bistum liegen Informationen vor, dass es Ende der 1970er Jahre zu "Fällen von Misshandlungen und Übergriffen" durch zwei Täter auf Schüler gekommen sei.

Das Erzbistum Freiburg suspendierte einen Priester mit sofortiger Wirkung vom Dienst. Der 67-Jährige bestreitet den Übergriff, zu dem es nach schriftlichen Angaben eines mutmaßlichen Opfers 1976 in Freiburg gekommen sein soll. Strafrechtlich ist der Fall den Angaben zufolge verjährt. Auch das Bistum Osnabrück zog nach einem Missbrauchsverdacht personelle Konsequenzen. Bischof Franz-Josef Bode entpflichtete einen Priester mit sofortiger Wirkung von seinen Ämtern, nachdem dieser in einem Gespräch mit dem Bischof ein Fehlverhalten eingeräumt hatte. Zur strafrechtlichen Klärung habe sich der Beschuldigte der Staatsanwaltschaft gestellt.

Österreich: In Österreich wurden Fälle von Gewalt und sexuellem Missbrauch an kirchlichen Einrichtungen bekannt.

Irland: Auch in Irland hat es etliche Missbrauchsvorwürfe in der katholischen Kirche gegeben. Der Papst richtete einen Brief an die irischen Bischöfe, den diese als "wichtigen Schritt" werteten. Am 24.3. trat der irische Bischof John Magee von Clyone zurück, der Papst nahm das Gesuch an.

Niederlande: Bislang sollen rund 1.100 Meldungen über mögliche Fälle sexuellen Missbrauchs eingegangen sein (Stand: 24.3.). Kardinal Adrianus Simonis sagte über die Fälle bestürzt: "Wir haben es nicht gewusst"

Schweiz: In der Stiftsschule Einsiedeln kam es nach Angaben des Klosters seit den 1970er Jahren zu sexuellen Übergriffen auf Schüler. Unterdessen schaltete das Kloster Disentis in der Südschweiz die staatlichen Behörden ein. Vom Fall eines Mönches, der in den Medien aufgetaucht sei, hätten die Vorgesetzten bisher keine Kenntnis gehabt, hieß es. Auch der Baseler Bischof Kurt Koch zog nach Missbrauchsvorwürfen gegen einen Priester Konsequenzen: Er entband den 40-Jährigen, der sich nach Angaben der Polizei in Untersuchungshaft befindet, von seinen Aufgaben.

 

 

Foto: Bistum Trier
Bundesweiter Ansprechpartner für alle «Fragen im Zusammenhang des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger im kirchlichen Bereich»: Der Trierer Bischof Ackermann.

Wie reagiert die Kirche?

Durchweg wird eine lückenlose Aufklärung versprochen, Vertreter der beschuldigten Einrichtungen entschuldigen sich betroffen bei den Opfern. "Wenn der Täter ein Priester ist, wiegt dieses Vergehen besonders schwer. Es steht im Widerspruch zum geistlichen Amt, weil dann der Priester die besondere Nähe ausnutzt, die Menschen mit einem Seelsorger verbindet", heißt es im Vier-Punkte-Plan der Bischöfe zum Thema Missbauch. Darin hält die Deutsche Bischofskonferenz folgende Schritte fest, um den Kampf gegen Missbrauch zu verschärfen:

Erstmals wird in der katholischen Kirche eine zentrale Anlaufstelle für Missbrauchsfälle eingerichtet: Bundesweiter Ansprechpartner für alle «Fragen im Zusammenhang des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger im kirchlichen Bereich» ist ab sofort der Trierer Bischof Stephan Ackermann. Dabei soll auch eine Info-Hotline eingerichtet werden. Ansprechpartner gibt es bisher bereits in den Bistümern, ggf. soll ihre Arbeit mit mehr Personal unterstützt werden.

Die bisherigen Leitlinien zum Umgang mit sexuellem Missbrauch (2002) sollen mit Hilfe von externen Beratern überarbeitet und mehr Gewicht als bisher auf Prävention gelegt werden.

Nach den Bischöfen kündigten auch die Orden an, die Richtlinien für den Umgang mit sexuellem Missbrauch zu überarbeiten.

Kardinal Karl Lehmann trat den Vorwürfen entgegen, die katholische Kirche vertusche die Missbrauchsfälle. Die Behauptung, dass die Kirche keinen überzeugenden Willen zur Aufklärung zeige, sei "barer Unsinn", so Lehmann.

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick sprach sich für Entschädigungszahlungen der Missbrauchstäter an die Opfer aus.

Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx warnte vor einem Generalverdacht gegen Mitarbeiter in kirchlichen Bildungs- und Erziehungseinrichtungen gewarnt. Gleichzeitig betonte er, die Kirche sei an umfassender Aufklärung interessiert. Jetzt sei nicht die Stunde, andere zu beschuldigen, betonte Marx außerdem.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Zollitsch, ist zu Gesprächen mit Papst Benedikt XVI. nach Rom gereist. In dem Gespräch ging es auch um die Missbrauchsfälle. Kurz darauf geriet Zollitsch selbst unter Beschuss: Angeblich soll er einen Fall vertuscht haben, was er aber in einer Stellungnahme abstritt.

Eine Entschuldigung kam vom früheren Münchner Erzbischof, Kardinal Friedrich Wetter, der Fehler im Umgang mit einem Priester einräumte, der Kinder sexuell missbraucht haben soll.

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat nach eigenen Worten noch nie so eine schwere Zeit in der Kirche erlebt. "Von innen und außen ist über unsere Kirche - und das sind wir ja alle - eine schwere Bedrängnis hereingebrochen", so Meisner.

Der deutsche Kurienkardinal Walter Kaspar sieht die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche weithin verspielt. Es werde einige Zeit dauern, bis sie die Kirche wieder zurückgewonnen habe, so Kaspar.

Abtprimas Notker Wolf sieht in dem Missbrauchsskandal einen sehr großen Imageschaden für Klosterschulen. Spätestens jetzt werde allen bewusst, "dass es sich bei diesen Missbrauchsfällen nicht einfach um eine schwere Sünde gegen das sechste Gebot handelt, sondern junge Menschen für ihr Leben traumatisiert werden", so Wolf.

Der Rottenburg-Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst ließ in einem Gottesdienst ein bewegendes Schuldbekenntnis verlesen

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat die Anstrengungen der katholischen Kirche um Aufarbeitung der Missbrauchsskandale gewürdigt. Es handele sich um ein "allgemeines gesellschaftliches Problem", sagte der Ratsvorsitzende der EKD, Präses Nikolaus Schneider. Er sehe das Bemühen der katholischen Kirche "in großer geschwisterlicher Verbundenheit".

Auch der Ökumenische Kirchentag im Mai in München will sich dem Thema "Sexueller Missbrauch in der Kirche" widmen. Auch der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für Missbrauchsfälle, Bischof Ackermann, hat sein Kommen zugesagt.

Kirchenführer in aller Welt nahmen außerdem Papst Benedikt XVI. vor Vertuschungsvorwürfen in Schutz.

Foto: pixelio

Wie reagiert der Vatikan?

Nach den Geschehnissen in Ettal und Regensburg hat sich erstmals der Vatikan zu Wort gemeldet. Nach Meldungen der Zeitung "Osservatore Romano" drängt der Vatikan auf entschiedenes Durchgreifen. Oberstes Ziel müsse es sein, "möglichen Opfern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen". Papst Benedikt XVI. ermutigte die Bischöfe zu einer unbeirrten und mutigen Fortsetzung ihrer Aufklärungsarbeit.

Vatikansprecher Federico Lombardi sagte in einem aktuellen Interview von Ende März, der Umgang der Kirche mit dem Skandal entscheide nun über deren Glaubwürdigkeit

Inzwischen hat der Vatikan auch eine eigene Internetseite zum Missbrauchsskandal eingerichtet.




Wie reagiert die Politik?

Ein Runder Tisch zur Aufarbeitung des Missbrauchsskandals beschäftigt seit 23. März das Bundeskabinett. Die SPD-Politikerin Christine Bergmann wurde zur unabhängigen Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung ernannt, was von der Kirche sehr begrüßt wird.

Zu den rund 40 Teilnehmern des Runden Tisches zählen Vertreter von Opfern oder Opferverbänden ebenso wie die katholische Kirche. Der Start des Runden Tischs ist für den 23. April im Familienministerium vorgesehen. Das Haus von Ministerin Kristina Schröder (CDU) führt das Gremium gemeinsam mit dem Justiz- und dem Bildungsministerium. (Mehr Infos zum Runden Tisch)

Nach Bekanntwerden der Missbrauchsskandale hatten Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) und ihre Kabinettskolleginnen, Schröder und Bildungsministerin Annette Schavan (CDU), zunächst zwei Runde Tische geplant. Schließlich verständigten sich die Beteiligten mit dem Kanzleramt auf ein einzelnes Gremium.

Nach Bekanntwerden des Skandals hatte die Leutheusser-Schnarrenberger der Kirche zunächst vorgeworfen, eine lückenlose Aufklärung zu verhindern. Anerkennung fand sie einige Wochen später aber für das Vorgehen der bayerischen Bischöfe.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hingegen lobte die Kirche zum Umgang mit den Missbrauchsfällen. Auch für den Hirtenbrief des Papstes, der sich an die irischen Bischöfe hinsichtlich des dortigen Missbrauchsskandals richtete, begrüßte Merkel.

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder würdigte ebenfalls das Bemühen der katholischen Kirche um die Aufklärung der Missbrauchsvorwürfe. Die Zusage der Kirche zum "Runden Tisch" zeige, "dass hier der Wille zur Aufarbeitung der Vorfälle vorhanden ist", so Schröder. 

 

Geht die Kirche richtig mit dem Skandal um?

Die jahrzehntelange Vertuschung bleibt ein Skandal. Wie die Kirche nun mit den Fällen umgeht, wird aber großteils gelobt. Der Kriminologe Christian Pfeiffer etwa sagte in der «Märkischen Allgemeinen» zum Kurs der Bischöfe: «Ich denke, die katholische Kirche wird in Zukunft diese Dinge sehr viel energischer und offensiver angehen».

 

Sind solche Fälle ein spezifisch katholisches Problem?

Nein. Laut Experten kommen 75 Prozent dieser Verfehlungen im Familienverband vor, wie kürzlich "Die Welt" berichtete. Laut einer Untersuchung, die die amerikanische Zeitung "Christian Science Monitor" veröffentlichte, liegt die Quote pädophiler protestantischer Geistlicher und Kirchenmitarbeiter mit zwei bis drei Prozent über der katholischer Priester.

Gerade weil aber Missbrauch kein spezifisches Problem der katholischen Kirche sei, hält Erzbischof Robert Zollitsch einen Runden Tisch für alle gesellschaftlich relevanten Gruppen in Sachen Missbrauch für sinnvoll.

Der Leiter der griechisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, Metropolit Augoustinos, nahm die katholische Kirche in Schutz: Kindesmissbrauch sei ein Menschheitsproblem, so der Bischof.


Ist wegen des Missbrauchsskandals mit vielen Kirchenaustritten zu rechnen?

Sicher ist, dass die katholische Kirche sich mit einer weiteren großen Krise und einem Vertrauensverlust konfrontiert sieht. Der «Kölner Stadt-Anzeiger» und die «Frankfurter Rundschau» veröffentlichten die Ergebnisse einer von ihnen in Auftrag gegebenen repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts «Omniquest» unter 1.000 Personen. Danach befindet sich die katholische Kirche in Deutschland in einer tiefgreifenden Vertrauenskrise.

Nicht einmal ein Drittel der Deutschen (30,3 Prozent) hielten sie für ehrlich. Ähnlich geringes Zutrauen in die Kirche hätten die Bürger in Sachen Lebensnähe (29,9 Prozent) und Glaubwürdigkeit (32,8 Prozent). Nur knapp 20 Prozent der Befragten gingen davon aus, dass die Kirche zur Aufklärung der Missbrauchsfälle beitrage. Mehr als zwei Drittel (68,1 Prozent) antworteten laut FR, sie tue das nicht. Fast drei Viertel (73,3 Prozent) der Befragten sähen einen Zusammenhang zwischen der zölibatären Lebensweise von Priestern und dem sexuellen Missbrauch Jugendlicher. 20,6 Prozent meinen, beides habe nichts miteinander zu tun.

Auch eine am 24. März veröffentlichte Forsa-Umfrage zeigt, dass das Vertrauen in Papst und Kirche rapide sinkt.

 

Ist der Zölibat Schuld am Missbrauch?

Fachleute bestätigen, der Zölibat sei nicht Schuld an solchen Verbrechen: Das betonen die Bischöfe in ihrem Vier-Punkte-Plan. Ein zölibatäres Leben könne aber nur versprechen, wer dazu die nötige menschliche und emotionale Reife habe. Künftig soll überprüft werden, wie die Weihekandidaten im Hinblick auf ihr zölibatäres Leben in ihrer psychosexuellen Reife gestärkt und wie Priester in diesem Bereich weiter unterstützt werden können. (Lesen Sie hierzu auch "Hans Küng fordert die Abschaffung des Zölibats" | "Kardinal Kaspar verwehrt sich gegen einen Missbrauch der Missbrauchsfälle")

Der Psychiater Norbert Leygraf ist der Meinung, dass der Zölibat den sexuellen Missbrauch nicht begünstige. Zum Liborius.de-Interview

Der Regensburger Pädophilie-Experte Michael Osterheider sieht allerdings einen Zusammenhag zwischen dem Missbrauch und dem Zölibat. Missbrauchstäter suchten sich ein soziales Umfeld, in dem sie verfügbare Opfer fänden.

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Die Kommentare der Liborius-User:


von Berning

am Freitag, 2. Juli 2010

Wenn ein Beschuldigter sich selbst vor Gericht nicht belasten muss, so ist dieses zu verstehen, wenn jedoch ein Mitwissender als Zeuge befragt wird, so hat er wahrheitsgemäß zu antworten. Bezeichne ich nun die Amtskirche als nur als Mitwisser, so muss Sie wahrheitsgemäß antworten und bei erlangen der Kenntnis einer Tat unverzüglich die zuständigen Rechtsorgan in Kenntnis setzen.
Wenn Sie sich hier auf Beichtgeheimnisse oder Vertuschungsmöglichkeiten zurückzieht, muss Sie in meinen Augen in Ihrer Gesamtheit wegen Strafvereitelung und Falschaussagen gesetzlich angeklagt werden.
Sie kann nicht aus religiösen Gründen oder eigenem Machtanspruch einen Staat im Staat aufbauen.

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von Noxvox

am Dienstag, 9. März 2010

Das würde ja bedeuten, wenn es keinen Zölibat mehr gäbe, wären alle alten Herren glücklich und zufrieden mit ihren Gattinen und würden ein sex. befriedigtes Leben führen?! Das ist aber eben nicht der Fall. Wer geht denn in die deutschen Bordelle? Die Ehemänner und Familienväter, neben vielen Singles oder auch/und Verkappten. Der Zölibat sollte freiwillig sein, dann gäbe es keine Heimlichkeiten mehr. Die Missbrauchsfälle in der kath. Kirche sehe ich eher in der großen Schwierigkeit begründet nach Gottes Wort authentisch zu leben. Das würde nämlich Stabilität, Disziplin und Demut erfordern. Wer ist dazu schon bereit, der satte Pensionsansprüche im Alter einstreichen darf. Nehmt ihnen das viele Geld weg und überprüft sie alle drei Jahre nach ihrem Befinden (zeitliche befristung-gibt es überall in der Wirtschaft), meine meinung! Wer merkt, dass es nichts für ihn ist, der sollte fliegen....

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