Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Missbrauchsskandal: Vorwürfe gegen Papst Benedikt XVI.

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Freitag, 18. Mai 2012 Felix, Burkhard
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Sind die Vorwürfe gegen den Papst berechtigt?

Zu Pontifikatsjubiläum und Geburtstag wird der Papst von Anhängern bejubelt, von anderer Seite ertönt unter dem Eindruck des Missbrauchsskandals der Vorwurf des Verbrechens gegen die Menschlichkeit. Analyse der Vorwürfe gegen Benedikt XVI.

Papst Benedikt XVI. (Imago Sportfotodienst)
Der Papst: Elfenbeinturm oder bestürzt durch die Attacken?

Was mag im Papst an diesen Tagen vorgehen? Am Freitag feiert er seinen 83. Geburtstag, gleich anschließend besucht er das katholische Malta und will am Montag, seinem Pontifikatsjubiläum, einen Ruhetag einlegen. Auf Malta wird er jubelnden Massen zuwinken, während wenige Tage zuvor sein Geburtshaus in Marktl mit beleidigenden Parolen verunstaltet wurde und Atheisten in England gerade einen Haftbefehlsplan gegen ihn schmieden. Der Druck wächst, und was den Papst besonders schmerzen wird: Das Vertrauen in die Kirche sinkt.

Zwei konkrete Vorwürfe gegen den Papst stehen im Raum, und Kritiker werden nicht müde, sie gebetsmühlenartig zu wiederholen: Warum äußert Benedikt XVI. sich nicht klar und deutlich zu den Missbrauchsfällen in Deutschland? Die Antwort scheint manchen eindeutig: Er ist selbst in den Skandal verwickelt, so lautet der zweite Vorwurf. In seiner Zeit als Leiter der Glaubenskongregation soll er nicht entschieden gegen sexuellen Missbrauch vorgegangen sein. US-Medien berichteten am Wochenende, er habe in den 1980er Jahren die Entlassung eines einschlägig bestraften Priesters aus dem Kirchendienst verzögert. Zitiert wurde dabei aus einem angeblichen Briefwechsel zwischen Kardinal Joseph Ratzinger und dem zuständigen Bischof von Oakland, John Cummins.

Der Vatikan ließ sogleich durch einen amerikanischen Anwalt dementieren: Zu besagtem Zeitpunkt sei allein der Ortsbischof für die Ahndung der sexuellen Missbrauchsfälle zuständig gewesen. Erst seit 2001 ist die Glaubenskongregation überhaupt mit Fällen sexuellen Missbrauchs befasst. Eine Initiative, die vom damaligen Präfekten Ratzinger ausging, was aber die meisten Medien totschweigen. Der stellvertretende Pressesprecher des Vatikan, Ciro Benedettini, wies darauf hin, dass der Papst in besagtem Fall in den 80ern nur darum gebeten habe, den Fall zum Wohle aller Beteiligten gründlicher zu untersuchen. Von Vertuschung kann also keine Rede sein.

Atheisten träumen davon, den Papst in Handschellen zu sehen

Richard Dawkins und Christopher Hitchens (Foto: Wikipedia)
Richard Dawkins und Christopher Hitchens

Vor diesem Hintergrund ist es entlarvend peinlich, den Papst zum Hauptverantwortlichen für die sexuellen Vergehen machen zu wollen. Der Medienrummel war den beiden Autoren und bekennenden Atheisten Richard Dawkins und Christopher Hitchens aber gewiss, als sie verkündeten, von Menschenrechtsanwälten eine Klage gegen Benedikt XVI. vorbereiten zu lassen. Diese Klage soll es letztlich ermöglichen, den Papst wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu verhaften, sobald dieser bei seinem Besuch im September britischen Boden betrete.

Eine Idee, die Vatikansprecher Federico Lombardi schlagfertig „originell“ nannte. Man könnte auch sagen: "absurd". Denn für eine Festnahme gibt es keine rechtliche Grundlage, wie der Bonner Völkerrechtler Matthias Herdegen bestätigt. Auch seien die von britischen Publizisten vorgebrachten Anklagepunkte nicht juristisch einsichtig. Papst Benedikt XVI. genieße als Oberhaupt der katholischen Kirche Immunität wie ein Staatsoberhaupt, so Herdegen gegenüber der KNA. Der Heilige Stuhl sei Kraft Tradition ein allgemein anerkanntes Völkerrechtssubjekt: Etwa unterhält der Vatikan in Großbritannien eine Nuntiatur, und der Papst kommt auf Einladung der Königin. «Noch nie wurde in der Geschichte ein amtierendes Staatsoberhaupt festgenommen und die Immunität gebrochen.» Zudem gebe es eine doppelte Begründung für die Immunität des Papstes, denn zusätzlich zum Heiligen Stuhl sei der Papst auch Staatsoberhaupt des Zwergstaates Vatikanstadt - auch wenn er in dieser Funktion nicht reist. Diplomaten auf beiden Seiten werden, wie es in gut unterrichteten Vatikankreisen heißt, die Affäre herunterzuspielen, um dem Ansehen Großbritanniens wie des Vatikans nicht weiter zu schaden.

Genauso abwegig wie eine Festnahme sei die Anklage selbst, so Herdegen: "Die Vorwürfe, die dem Papst gemacht werden, liegen weitab vom Inhalt dessen, was als Verbrechen gegen die Menschlichkeit anerkannt ist". Vielmehr berge die Diskussion die Gefahr der Verharmlosung echter Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Dazu zählen nach geltendem Völkerrecht Massenhinrichtungen, Massenvergewaltigungen und ähnliche Verbrechen. «Wir müssen darauf achten, dass die Debatte nicht zur Verwässerung des Begriffs beiträgt», betonte der Bonner Jurist.

Medien und Öffentlichkeit: Zu oberflächlich?

Nach außen hin so unterschiedlich, aber eine "Symbiose", wie Kardinal Meisner über die beiden Päpste sagt. Im Video blickt er zurück auf fünf Jahre Benedikt XVI.

Und der andere Vorwurf? Könnte Benedikt XVI. nicht einfach auch zu den deutschen Fällen Stellung beziehen, damit Ruhe herrscht? Würde dann Ruhe herrschen? Johannes Paul II. hätte vielleicht getan, was man von ihm erwartet, mutmaßen nun viele. So haben wir ihn in Erinnerung – als Mann der Gesten, als Mann, der massenweise Herzen erobern konnte. Sein immer wieder striktes „Nein“ bei Themen wie Kondomen und Abtreibung (während Benedikt XVI. schon beim Antritt des Pontifikats betonte, die katholische Kirche sei in erster Linie eine positive Option und keine Kirche der Verbote) tritt unter dem Eindruck seiner Auftritte und seines Abschieds, der die ganze Welt in Ausnahmezustand versetzte, zurück. Im Gedächtnis der Massen bleiben diese Gesten bestehen, als emotional bewegende Bilder haben sie sich eingeprägt – und das im Falle Johannes Pauls II. mit gutem Recht. Oberflächlich ist aber die öffentliche Wahrnehmung, wo sie die Zeichen Benedikts XVI. fehldeutet und ihm nicht zuhören will. Wo sie seine Demut und Menschlichkeit, seine Tiefe in Wort und Tat verkennt.

Wenn die Öffentlichkeit den Papst nun drängt, er müsse sich zu den Missbrauchsfällen in Deutschland äußern: Geht es ihr darum, zu erfahren, dass Benedikt XVI. Missbrauch abscheulich findet? Auch als Zeichen gegenüber den Opfern? Dazu hat niemand so deutlich Stellung bezogen wie der Papst, "nicht erst seit gestern und nicht nur mit Worten", wie sein Privatsekretär, Prälat Georg Gänswein, diese Woche gegenüber der "Bild" betonte. Es wäre ein leichtes, dies wieder – explizit im Hinblick auf Deutschland – zu tun. Doch das Spiel vieler Medien, bei jeder Gelegenheit zum Schlag gegen ihn auszuholen, ist unschwer zu durchschauen. Er wird sich davon nicht beeindrucken lassen, sondern selbst den Zeitpunkt und die Weise einer Reaktion bestimmen.

Benedikt XVI. ortet "subtile oder auch weniger subtile Aggression gegen die Kirche"

Gesten gibt es ganz abgesehen davon, der Papst hat sich in Amerika und in Australien mit Missbrauchsopfern getroffen, auch für die Malta-Reise sind solche Treffen angedacht. Und erst diese Woche äußerte Benedikt XVI. sich wieder zum Thema Missbrauchsskandal: Dieser müsse Verpflichtung zur Buße seinZugleich sprach er treffend von einer "subtilen oder auch weniger subtilen Aggression gegen die Kirche". Auch ohne totalitäre Regime herrsche ein Druck, so zu denken, wie alle denken. Die Angriffe auf die Kirche zeigten, "wie dieser Konformismus wirklich eine echte Diktatur sein kann".

Sein Privatsekretär Gänswein betonte außerdem gegenüber der "Bild", es werde zu schnell übersehen, "dass hier auch die einzelnen Bischöfe und Bischofskonferenzen Verantwortung tragen. Es gibt klare Zuständigkeiten, die zu berücksichtigen und zu respektieren sind. Wer sich päpstliche Worte wünscht, möge den sehr detaillierten Hirtenbrief an die Iren aufmerksam lesen." Wer allerdings den Papst so falsch einschätzt und trotz allem daran festhält, er würde Missbrauchsfälle nicht aufs Schärfste verurteilen, hat schlichtweg nichts verstanden.

Wenn man sich also fragt „Was mag im Papst an diesen Tagen vorgehen?“, kann man wohl davon ausgehen, dass Benedikt XVI. enttäuscht ist über das Missverstehen seiner Worte und Gesten, die oft ganz bewusst negative Auslegung. Doch allzu sehr erschüttern, geschweige denn verunsichern, wird es ihn nicht. Dies hat auch damit zu tun, dass er sich im Dienst der Wahrheit sieht – und diese für nichts in der Welt einer törichten, öffentlichen Massenmeinung unterwerfen würde. Wie sagte Gänswein im Gespräch mit der „Bild“, als er das Kirchenoberhaupt mit drei Eigenschaften beschreiben sollte? „Unerschütterlicher Glaube, demütige Festigkeit, entwaffnende Milde. Er ist sanft in der Art, aber felsenfest in der Sache.“

Antonia Groll (14.4.10)




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Die Kommentare der Liborius-User:


von Monika Steinhauser

am Montag, 19. April 2010

Ich beglückwünsche unseren Papst Benedikt zu seinem heutigen 5-jährigen Papstjubiläum und wünsche ihm von Herzen Gottes Segen, Liebe und Kraft für all seine Arbeit die noch auf ihn wartet.

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von GCH

am Samstag, 17. April 2010

Herzlichen Dank für den profunden Artikel zur Lage.
Auch stimme ich den Kommentaren zu. Wie sollten wir nicht stolz sein, dass gerade ein Deutscher nach 60 Jahren Kriegsende auf den Stuhl Petri gewählt wurde.
Ich wünsche unserem Papst viel Energie, dass er weiterhin in seiner liebenswürdigen Art die Kirche zu einer neuen Blüte führt. Nach jedem Gewitter, gib es auch wieder Sonnenschein!!! Ad multos anno!

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von Alois koschig

am Freitag, 16. April 2010

ich kann mich nur den vorstehenden Kommentaren anschließen und bete für den Papst, dass er uns noch lange bei guter Gesundheit erhalten bleibe.
Gott bewahre ihn vor dem Hass dieser Welt.

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von Constanze Schorr

am Freitag, 16. April 2010

Danke für diesen wunderbaren Artikel, der so manches richtig stellt, was dieser Tage über den Papst gesprochen und geschrieben wird. Möge er unserer Welt noch lange erhalten bleiben.

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von Carmen Kastner

am Donnerstag, 15. April 2010

Dem kann ich nur zustimmen.
Einen demütigeren Menschen wie Papst Benedikt XVI. kenne ich nicht. Außerdem bewundere ich seine scharfe und äußerst klare Integelligenz. Ich bete dafür, dass er uns noch lange erhalten bleibt. Wer, wenn nicht er, kann das Ruder noch herumreissen?!

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von Heike Solms

am Donnerstag, 15. April 2010

Die zumeist deutsche Welt versteht ihn nicht. Er ist der Wundervollste aller Päpste, den es je gab. Woanders wird er geachtet, die Deutschen (bzw. die deutschsprachigen Länder) bzw. die dortigen Medien ziehen ihn in den Schmutz. Es schmerzt mich zutiefst; ich leide diesbezüglich mit ihm. Möge Gott ihm noch viele Jahre schenken. Ich jedenfalls danke Gott jeden Tag für das Wunder dieses Papstes! Gott schütze, behüte und segne ihn.

Heike Solms

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