Mixa mischt wieder auf
Gerade schienen sich die Wogen etwas zu glätten, die sich aufgetürmt hatten über dem Kirchenvolk nach der Wiederaufnahme der Piusbrüder. Fast hörbar war das Aufatmen, als der Vatikan die fadenscheinige Entschuldigung des Holocaust-Leugners Williamson zurückwies. Eine Rückkehr zur Normalität war nahe. Doch die Katholiken hatten die Rechnung ohne ihren Bischof Mixa gemacht. Der musste nun auch noch ein Wörtchen mitreden.
Beim politischen Aschermittwoch der CSU in Dinkelsbühl, wo markige Sprüche das Publikum begeistern, beklagte Dr. Mixa sowohl die sechs Millionen Holocaust-Opfer als auch die geschätzten neun Millionen Schwangerschaftsabbrüche der letzten Jahrzehnte. Pünktlich zur "Woche der Brüderlichkeit", die von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit veranstaltet wird, wurden da zwei Dinge in einen Topf geworfen, die eine explosive Mischung ergeben.
Kein Wunder, dass viele eine latente Unterstützung für Williamson wittern
Die Kirchengemeinde ist einiges gewohnt vom Augsburger Oberhirten und schätzt durchaus seinen Unterhaltungswert. Wenn er sich mit Bundesfamilienministerin von der Leyen anlegt und berufstätige Frauen als "Gebärmaschinen" bezeichnet, ist der Aufruhr zwar groß, aber auch kurz. Man kennt ja seine Pappenheimer!
Dieses Mal hat Bischof Mixa den Bogen allerdings weit überspannt. Er hat Öl in ein Feuer gegossen, das ohnehin beinahe ein Flächenbrand geworden wäre. Es braucht schon ein gerüttelt Maß an Dreistigkeit und eine völlige Ignoranz der Gemütslage der jüdischen Bevölkerung und der eigenen Schäfchen, um zum jetzigen Zeitpunkt die Diskussion nochmals anzuheizen. Die Schmerzgrenze der Katholiken war längst erreicht. Der Argwohn der jüdischen Glaubensbrüder war geschürt. In dieser Situation ist es ihnen kaum zu verdenken, wenn sie in den jüngsten Äußerungen eine latente Unterstützung für Williamson wittern.
Fast ironisch: Von Merkel forderte Mixa mehr Sensibilität
Misstrauen gegen Menschen oder Institutionen abzubauen, ist ein langwieriger Prozess. Viele haben in den letzten Wochen unermüdlich daran gearbeitet. Bischof Mixa hat einen Teil dieser Arbeit zunichte gemacht, um nicht zu sagen, er ist ihnen in den Rücken gefallen!
Selbst wenn ein Vergleich von Holocaust und Abtreibungen von Bischof Walter Mixa nicht beabsichtigt war, selbst wenn Zuhörer, Presse oder wer auch immer eine Verbindung hergestellt haben, die das Bistum Augsburg "absurd und bösartig" nennt, sei die Anmerkung erlaubt: Mit Taktgefühl und gesundem Katholikenverstand wäre diese Gefahr im voraus zu erkennen gewesen.
Wie war das, als Bundeskanzlerin Merkel vorsichtige Kritik an Papst Benedikt XVI. übte? Einen "politischen und diplomatischen Fehlgriff" sah Bischof Mixa darin und er wünschte sich mehr Sensibilität. Mit diesem Wunsch steht er in der Kirche derzeit wahrlich nicht allein!
Rosina Wälischmiller