Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Nina Ruge

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Dienstag, 22. Mai 2012 Julia, Rita, Renate
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glaubenslust – Der Tag


Fronleichnam mit Nina Ruge

"Wenn, dann würde ich katholisch werden"

Für viele ist sie immer noch DIE Society-Moderatorin schlechthin, dabei hat sich Nina Ruge bereits vor zweieinhalb Jahren aus dem Klatsch-Magazin "Leute heute" verabschiedet und moderiert unter anderem regelmäßig die "Feiertagsakzente" im ZDF. An Fronleichnam wird das Special "Geheimnis des Brotes" ausgestrahlt, dessen Dreharbeiten einen tiefen Eindruck bei der Star-Reporterin und Buchautorin hinterlassen haben. Warum, erzählt sie im Interview mit glaubenslust.de. Wir wollten natürlich auch wissen: Wie hält die Welt der Stars und Sternchen es mit dem Glauben? Und wie steht Ruge zur katholischen Kirche? Überraschende, offene, ganz persönliche Worte von einer Prominenten, die den Satz "Alles wird gut" nicht einfach so dahinsagt.

Frau Ruge, Sie moderieren regelmäßig die "Feiertagsakzente" für die ZDF-Redaktion "Kirche und Leben". Aber nirgends war herauszufinden, ob Sie tatsächlich katholisch sind. Bitte klären Sie uns auf!

Ich war früher evangelisch. Als ich dann den Beruf wechselte – ich war Lehrerin, bevor ich zu Hörfunk und Film ging – hatte ich erst einmal überhaupt kein Geld. Also fragte ich bei der Kirche an, ob man mir die Kirchensteuer vorübergehend stornieren könnte. Die Antwort war nein, also trat ich aus. Eingetreten bin ich nie wieder – aber wenn, dann würde ich katholisch werden.

Warum?

Die katholische Kirche ist mir emotional näher als die evangelische. Das liegt auch an der größeren Wärme, die aus den Riten spricht. Kirche – auch die evangelische – kann aber immer ein Hafen sein. Denn unabhängig von allem, was intellektuell wichtig ist, ist das Gefühl der Aufgehobenheit entscheidend. 

Katholische Themen von einer Konfessionslosen präsentiert: Wie wirkt das auf die Zuschauer?

Beim ZDF ist man da sehr aufgeschlossen und geht davon aus, dass die Identifikationskraft stark ist für diejenigen, die auf der Suche sind, und dabei konfessions-unabhängig informiert werden wollen.

Von zehn Jahren Klatsch-Geschichten bei "Leute heute" zu katholischen Themen: Wie geht das?

Mir war schon bei der Society-Berichterstattung immer wichtig: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Ich habe vielleicht keinen moralischen Zeigefinger erhoben, aber doch kleine moralische Hinweise geben. Diese Untertöne haben viele Zuschauer verstanden und geschätzt. Wir haben nicht auf Kosten anderer berichtet, sondern mit Respekt und Würde.

Welche Bedeutung hat der Glaube für Sie ganz persönlich?

In meiner ganzen Biografie spielt die Suche danach eine große Rolle, ich habe mich auch mit Buddhismus und anderen Religionen auseinandergesetzt. Den christlichen Glauben als Lebenshilfe habe ich erst relativ spät entdeckt. Vor einigen Jahren, als ich eine Kinderbibel schrieb, habe ich begonnen, mich intensiv mit der Bibel zu beschäftigen und endlich verstanden, dass alles schon da ist.

Solche Themen scheinen in der Welt der "Schönen und Reichen", über die Sie Tausende Male berichtet haben, keine besonders große Rolle zu spielen. Bussi-Bussi-Gesellschaft, Smalltalk, Oberflächlichkeit – oder trügt das?

Interessant ist: Je größer ein Star – egal ob aus Fernsehen, Film, Theater oder Musik – und je engagierter er in der Arbeit ist, je härter demnach auch sein Weg ganz nach oben war, desto wichtiger ist die Auseinandersetzung mit dem Glauben. Auch Hollywood-Stars, die alles haben, was man sich in der materiellen Welt erträumt – Geld, Ruhm, Anerkennung – spüren, dass das nicht alles ist. Der innere Halt ist wichtig. Und als Geschenk wahrzunehmen, was man erfahren hat – vor allem von dem eigenen Glück weiter zu geben, für andere da zu sein. Wer diesen inneren Halt nicht gefunden hat, ist gerade in diesen Berufen, in denen der äußere Druck sehr groß ist, gefährdet. Etwa aus der Musikbranche kennen wir elementare Abstürze in Drogensucht usw. Wer da nicht die Kraft aus dem Glauben gewinnt, ist gerade im Showgeschäft gefährdet, in essentielle Krisen zu geraten.

Sie selbst sprechen oft davon, wie Sie die Dreharbeiten für die "Feiertagsakzente" auf ganz persönlicher Ebene bereichern. Im neuen Special "Geheimnis des Brotes" steht Fronleichnam im Zentrum. In aller Welt veranstalten Katholiken Prozessionen und tragen in einer Monstranz eine Hostie durch die Straßen. Wir präsentieren dabei stolz unseren Glauben, für manche ist das befremdend. Wie nehmen Sie es war?

Ich lebe ja in München, und hier in Bayern hat Fronleichnam eine starke Tradition. Ich liebe bayerische Traditionen! Aber die tiefere Bedeutung habe ich erst in den vergangenen Jahren im Zuge der Arbeiten für unsere Fronleichnamsbeiträge begriffen.

Was hat Sie diesmal besonders beeindruckt?

Ich hoffe, es ist uns gelungen, die Bedeutung des Brotes für die Heilige Katholische Kirche zu verdeutlichen. Wir waren erst im Museum der Brotkultur in Ulm und haben den Freiburger Volkskundler Werner Mezger zur Bedeutung des Brotes in der Kultur interviewt: Brot entschied schon immer über Leben und Tod – und das ist ja letztlich heute noch so in vielen Ländern der Welt. Dann ging es im Kloster Reute bei Biberach im Gespräch mit Prälat Rudolf Hagmann, der im Bistum Rottenburg-Stuttgart für die Pastoral zuständig ist, um die Bedeutung der Hostie. Am beeindruckendsten für mich war die dritte Station, das Interview mit der Franziskanerin Schwester Regina: wie sie den Augenblick beschreibt, in dem sie die Hostie empfängt und dabei die Kraft des Glaubens spürt. Wie stark Jesus in ihr ist. Viele meinen heute ja, die Wandlung des Brotes sei eine Idee von vorgestern. Das als moderne Glaubenserfahrung zu vermitteln, ist uns hoffentlich geglückt. Mir selbst wurde klar: Diese uralte Erfahrung ist so nah. Das hat mich, ehrlich gesagt, überwältigt.

Das klingt ja, als hätten Sie fast eine Glaubenserfahrung gemacht beim Drehen.

Ja, ich halte es mit Einstein: "Es gibt nur zwei Arten zu leben: So als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles ein Wunder. Ich glaube an letzteres."

Sie lieben Zitate – und eines wird man immer mit Ihnen in Verbindung bringen: Ihr Schlusswort zu jeder Sendung "Alles wird gut". Auf Ihrer Homepage erläutern Sie dazu: "Ein magischer Spruch im richtigen Moment verändert nicht das Leben - aber macht seine tiefsten Facetten bewusst: Glaube, Liebe, Hoffnung." Dann wäre der Satz „Alles wird gut“ ohne einen Glauben an Gott gar nicht möglich?

Ja, richtig. Ich würde sagen: In einer modernen, eklektischen Form bin ich absolut gläubig. Aber ich kann nicht aus tiefstem Herzen Ja zu allen Dogmen der Katholischen Kirche sagen – so weit bin ich noch nicht. So wie ich empfinden vielleicht viele. Und doch kann dies ein Weg sein, der vielleicht in die katholische Kirche führt.

 

Interview: Antonia Groll (10.6.09)

 

TV-Tipp:

"Geheimnis des Brotes" mit Nina Ruge zeigt das ZDF am Donnerstag, 11.6.09, um 17.40 Uhr.


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