Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Ökumenischer Kirchentag

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Ökumenischer Kirchentag

Ökumenischer Kirchentag in München, Foto: istock

Damit die Hoffnung bleibt

Das war der Zweite Ökumenische Kirchentag!

Der 2. Ökumenische Kirchentag in München ist Geschichte. Zum Abschluss  feierten rund 100.000 Menschen auf der Theresienwiese den Schlussgottesdienst. Diejenigen, die in den vergangenen Tagen dabei waren, sprachen von „bereichernden Tagen, bei denen man die Verbundenheit der Kirchen gespürt hat“. Aber was bleibt davon im Alltag übrig? 10 Erkenntnisse.

1. Den schönsten Satz auf dem Kirchentag sagte Alois Glück, der Vorsitzende des Zentralkomitees der Katholiken in Deutschland: „Wir Laien wollen unseren Beitrag leisten, damit aus der Krise der Kirche eine neue Lebendigkeit, eine neue Strahlkraft, eine neue Anziehungskraft wächst.“

2. Das spektakulärste Comeback feierte Margot Käßmann. Die frühere Bischöfin und Rastvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland wurde bei ihren ersten Auftritten nach dem Rücktritt frenetisch gefeiert. Sie sagte: „Kein Mensch ist ohne Fehl und Tadel. Wir kennen als Christinnen und Christen keinen Gott, der nur das Perfekte gelten lässt und alles andere verachtet." Und weil auch sie nicht ohne Fehl und Tadel ist, muss man kostatieren, dass Margot Käßmann ein eitler Star ist und süchtig nach Aufmerksamkeit. Nirgends wurde das auffälliger als bei ihrem Auftritt im katholischen (!) Liebfrauendom nach dreimonatiger Machtabstinenz: Ihr Ausspruch, die Pille sei ein "Geschenk Gottes", war nichts anderes als eine kalkulierte Provokation. Das katholische Deutschland durchschaute allerdings das Manöver und ließ es in lässiger Souveränität im Nichts verschwinden.

Was sagte wer beim ÖKT? Klicken Sie auf das Bild, um die Fotostrecke zu starten!

3. Das schönste Musikevent war das Konzert von Nena am Samstag auf der Bühne der Theresienwiese. Konzertbesucher Lorenz Pitterle kommentiert das auf Twitter so: „Mann o Mann, was diese Frau an Liebe und Freude verteilt, ist der absolute Wahnsinn. Nena, du hast unser Herz bewegt. Möge Gott der Herr dich immer beschützen.“ 

4. Die offenste Frage blieb die nach dem gemeinsamen Abendmahl für Katholiken und Protestanten. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, sagte, dass eine Lösung vermutlich noch viel Zeit braucht.

5. 6519 Personen gefiel das Profil des ÖKT auf Facebook. Das nachhaltigste Posting am Tag danach kam von Kathrin Kuttenkeuler: „Die Tage in München waren super! Gibt es noch irgendwo Kirchentagshocker zu kaufen?“ Die sind übrigens aus Pappe und wurden vor 35 Jahren erfunden. Angebote auf Ebay derzeit (leider): 0

6. Den größten Unsinn zum Kirchentag sagte der Schriftsteller Martin Mosebach dem SZ-Magazin: „Das sind Reichsparteitage des organisierten Christentums – entsetzlich! Ich muss nicht frohsinnigen Menschen mit Sektenlächeln über den Weg laufen.“ 

7. Auf die härteste Probe wurden die Besucher von Petrus gestellt. Er ließ in den vergangenen fünf Tagen in München so viel Wasser regnen wie seit Jahren nicht mehr im Mai. Wobei die Gäste immerhin mit der Erkenntnis nach Hause fuhren, dass die Ökumene an sich wetterfest ist. 

8. Die fortschrittlichste Diskussion fand in der Allerheiligen-Hofkirche statt. Dort ging es um die Frage, ob es Parallelen zwischen Internet und Religion, zwischen Virtualität und Spiritualität gibt. Der Religionswissenschaftler Michael von Brück: „Im Cyberspace ist die Grundform von Religion gegeben. Beide sind der Unmittelbarkeit der Realität enthobene Sphären.“

9. Die lustigste Bibelarbeit war die mit dem Kabarettisten und Arzt Eckard von Hischhausen: Die Hoffnung, die durch den Glauben entstehe, wirke wie ein Placebo. „Der Wirkstoff liegt in der Zuwendung“, erklärte er. Bei einem Medikament wende sich der Arzt dem Patienten zu. Durch diese Aufmerksamkeit werde der Kranke tatsächlich geheilt – auch ohne Medizin. Ebenso sei es mit Gott. Seine Zuwendung heile die Menschheit. Hirschhausens Folgerung: „Placebo ist gelebtes Christentum!“ 

10. Nach dem Kirchentag ist vor dem Kirchentag. Vermutlich wird das dritte Treffen 2017 stattfinden. Der erste ÖKT fand übrigens 2003 in Berlin statt. Der nächste Katholikentag, das steht schon fest, ist vom 16. – 20. Mai 2011 in Mannheim.

Peter Hummel (17.5.10)




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Die Kommentare der Liborius-User:


von Daniela

am Donnerstag, 27. Mai 2010

Wenn ich den Großteil der Kommentare lese kann ich mich nur fremdschämen, Christin zu sein. Unglaublich, dass Menschen, die sich "Christen" nennen, nicht in der Lage sind, Menschsein in all seiner Buntheit als Teil von Gottes Schöpfung anzuerkennen und sich immer noch für die "besseren" Christen halten. Ich wünsche euch eine Wahrheit: Die Ersten werden die Letzten sein...

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von J.P.

am Mittwoch, 19. Mai 2010

Bei der Berichterstattung über den ÖKT in den Medien konnte man den Eindruck gewinnen, der Schutz des (ungeborenen) Lebens habe keinerlei Rolle gespielt. Aber in der Messehalle A5, nicht weit vom gemeinsamen Stand der Erzdiözese Freiburg und der Badischen Landeskirche entfernt, präsentierten sich mehrere Gruppierungen, die im Bundesverband Lebensrecht zusammengeschlossen sind: Jugend für das Leben Deutschland, die Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA), die Aktion 1000plus, die Christdemokraten für das Leben (CDL) und KALEB („Kooperative Arbeit Leben Ehrfürchtig Bewahren“).

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von Rosi N.

am Mittwoch, 19. Mai 2010

Ich stimme den letzten 3 Kommentaren zu. Es tut gut, dass andere das auch so sehen! Vertreten fühle ich mich als Katholikin durch den Papst, auch wenn es heute unpopulär ist, so etwas zu sagen.

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von Jutta

am Mittwoch, 19. Mai 2010

Ich bin katholisch und fühle mich nicht vom ZdK vertreten !

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von Cantate

am Mittwoch, 19. Mai 2010

Der ÖKT wäre eine wunderbare Gelegenheit, die wahre Ökumene zu leben: Man könnte - und hat es auch getan - gemeinsam beten und singen. Man könnte Vorträge anbieten, die über die grundlegenden Glaubenswahrheiten der verschiedenen Konfessionen informieren und die zum Glück noch vorhandenen Übereinstimmungen aufzeigen, aber auch die wesentlichen Unterschiede benennen. Leider fehlt dieses Wissen nämlich der überwältigenden Mehrheit, weshalb auch die meisten Christen nur noch sagen können "Wir glauben doch alle an den gleichen Gott". Sogar Herr Glück als Veranstalter und Vorsitzender des ZdK kann keine wesentlichen Unterschiede zwischen katholischen und evangelischen Glaubensinhalten benennen - ein Armutszeugnis !

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von Beate

am Mittwoch, 19. Mai 2010

Der Heilige Vater, Papst Benedikt, hat ja ein Grußwort zum ÖKT verfasst. Das wertet dieses Großereignis natürlich sehr auf.
Ob er dabei wohl das Veranstaltungsprogramm vor Augen hatte ? Dann müsste ihm beim Verfassen des Grußwortes nämlich das Herz geblutet haben, wenn man bedenkt, wieviele Veranstaltungen von Lesben und Homosexuellen zu finden waren.
Ein Lebensschützer, der auf die Grausamkeit der Abtreibung hingewiesen hat, wurde dagegen des Ortes verwiesen. Und was hätte Papst Benedikt wohl zu dem beleidigenden Ausspruch des Sängers Sari von den Wise Guys gesagt ?: "Der Kirchentag ist ja eine Veranstaltung, die von der Basis organisiert und getragen wird und nicht von den Betonköpfen der katholischen Kirche." Über Formen des Anstands und der Höflichkeit kann man offensichtlich geteilter Meinung sein.

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von von Gudrun

am Dienstag, 18. Mai 2010

Schade, dass in der katholischen Kirche soviel Intolleranz herrscht und nicht nur bei der Kirchenleitung. Ich bin selbst praktizierende Katholikin, kann aber gut andere Meinungen ertragen und respektieren.

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von Rony

am Dienstag, 18. Mai 2010

Einige Tage vor dem Kirchentag war auf Antenne Bayern den ganzen Tag über verschiedene Beiträge über die Wirkungen der Pille zu hören, schade dass Kässmann - ich muss mich stark zurück halten, um nicht zu sagen, wohl wieder mal angetrunken, das nicht hörte!

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von sam

am Dienstag, 18. Mai 2010

Das war kein Fest und Fortschritt für die Oekumene.
Atheisten, Kirchengegner,Irrlehrer und selbst Protestanten durften sich auf und am Rande des Kirchentages auf Kosten der Heiligen Katholischen Kirche in Szene setzen.
Das wäre auch nicht so schlimm, wenn einige Hirten und Laienvertreter das Spiel nicht mitgespielt hätten.
Abendmal und Heilige Eucharistie wurden ständig zusammen genannt, im Liebfrauendom wurde das Gastrecht unter Beifall schwer mißachtet.
Die kath. Würdenträger ließen sich ohne große Gegenwehr in die Missbrauchsecke stecken, ohne den eigenen Glauben kraftvoll zu vertreten.
Es ist wohl kein Wunder, dass sich der Teufel für seine Attacken in erster Linie die kath. Kirche aussucht.Die Zerstörung funktioniert am besten von Innen. Da ihn keiner mehr beim Namen nennt fühlt er sich stark genug für den wahren Gegner. Helfer findet er überall in ausreichender Zahl.
Die kath. Kirche muss dem widersagen, wie Jesus in der Wüste.
Wenn jetzt eine Arbeitsgruppe eingesetzt wird, um alles auf den Prüfstand zu stellen, kann einem als Katholiken nur Angst und Bange werden.
Ich bete für viele neue Berufungen, die den kath. Glauben überzeugend vertreten und ihn nicht dem Zeitgeist opfern. Der Heilige Geist wird die kath. Kirche schützen.

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von Alois koschig

am Montag, 17. Mai 2010

Ich schließe mich dem Komentar von Jette vollinhaltlich an.
Wenn dieser Beitrag von Frau Käßmann der Ökomene förderlich sein soll dann danke für alle Bemühungen in der Ökomene

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