Ohrfeige für das Schandmaul
Endlich werden Dieter Bohlen und die Pöbelshow „Deutschland sucht den Superstar“ öffentlich abgestraft. Nur kommt die Sanktion zu spät – und ist viel zu gering.
Es war die schönste Meldung der Woche: RTL muss 10.000 Euro Bußgeld zahlen, weil weite Teile der Sendung „Deutschland sucht den Superstar“ darin bestehen, dass Kandidaten gedemütigt werden.
Zur Information für all die Seligen, die bislang von der Show verschont blieben: Die ersten Folgen jeder Staffel zeigen, wie aus Abertausenden Bewerbern ein Dutzend erfolgversprechende Talente ausgesiebt werden. Zwar bekommt man dabei viele, sagen wir: anstrengende Darbietungen präsentiert, und einem Gutteil der Bewerber fehlt augenscheinlich jede Einsicht ins eigene musikalische Unvermögen. Doch anstatt sie vor der Blamage zu beschützen – der sie sich nur preisgeben, um einmal ins Fernsehen zu kommen – sind diese armen Tröpfe das Ziel üblen Spottes und der Beschimpfungen der Jury, allen voran von Dieter Bohlen. Oder, wie es die Kommission für Jugendmedienschutz jetzt formulierte: „Beleidigende Äußerungen und antisoziales Verhalten werden in dem TV-Format als Normalität dargestellt.“
Man kann mit schutzbedürftigen Menschen nicht tun, was man will
Kritik musste die Sendung zwar schon immer einstecken. Aber solange sich Millionen Barbaren gerne an diesem Erniedrigungsspektakel weiden, kratzt RTL die Schelte nicht. Auch die 10.000 Euro tun dem Sender nicht weh: Mit jeder Folge nimmt er dank Anrufen und Merchandising ein Vielfaches davon ein. Doch immerhin – das Symbol, die Ohrfeige der Kommission zählt. Sie gibt den Beteiligten das Signal: Ihr könnt nicht um des Geldes willen mit schutzbedürftigen Menschen tun, was ihr wollt.
Wie wohl tut es also zu erfahren, dass jetzt endlich auch rechtliche Konsequenzen folgen! In der Begründung der Kommission heißt es, bei „DSDS“ würden „Verhaltensmodelle vorgeführt, die Erziehungszielen wie Toleranz und Respekt widersprechen“. Vor allem auf Kinder unter zwölf Jahren könne das „desorientierend wirken“. Das einzig Ärgerliche an der Sanktion, neben der lächerlich geringen Höhe: dass sie so spät kommt.
Eine RTL-Sprecherin hat angekündigt, was zu erwarten war: Man wolle den Bußgeldbescheid prüfen und behalte sich weitere Schritte vor. Hätten die Zuständigen im Sender noch einen Funken Anstand im Leib, würden sie stumm zahlen und anschließend vor Scham im Boden versinken.
Roland Schnitter