Päpstlicher als der Papst
Sicher, es gehört Mut dazu, ein Papier zu heiklen Fragen zu unterschreiben. Manchmal gehört auch Mut dazu, nicht gleich alles mit seinem Namen gutzuheißen, was einem unter die Nase gehalten wird. Im Vatikan weiß man ein Lied davon zu singen. Da will man nur Wahrheit, Friede und Einigkeit, und am Ende entsteht nichts als Zoff.
Kann passieren. Dann kommt es darauf an, wie man damit umgeht.
In Regensburg liegen die Dinge so: Drei Theologieprofessoren haben wenige Tage nach dem Beschluss des Vatikan zur Piusbruderschaft eine Resolution unterzeichnet. Befürchtet wird darin, es werde durch die Aufhebung der Exkommunikation „zugelassen, dass Teile der römisch-katholischen Kirche – neben vielem anderen – offen Geist und Buchstaben bedeutender Dokumente des II. Vatikanischen Konzils ablehnen dürfen.“ Daraus schließt Regensburgs Bischof Gerhard Ludwig Müller, dass „schwere Zweifel“ hinsichtlich der Kirchlichkeit der Unterzeichner bestünden.
Demütigung, verbunden mit handfester Drohung
Soweit die bestehenden Fronten. Wie kann man sie am besten überwinden? Bischof Müller zum Beispiel ist der Meinung, dass dieses Problem am besten dadurch gelöst wird, dass er die Drei nach Kräften in den Senkel stellt. Sie hätten sich damit „als katholische Theologen disqualifiziert“, heißt es in einem Schreiben an die Drei. Dann wird vor „weiteren Schritten“ gewarnt, die man sich zu unternehmen gezwungen sehe, wenn nicht binnen 14 Tagen eine Entschuldigung erfolge. Und zwar beim Papst persönlich, abzugeben beim Ortsbischof, zur Weiterleitung. Außerdem haben die Drei das christliche Glaubensbekenntnis bei Herrn Müller persönlich vorzubeten.
Sowas nennt man Demütigung, verbunden mit handfester Drohung.
Vatikan-Stil ist das nicht. Beispiel Benedikt: Der greift einfach zum Telefonhörer, als er feststellen muss, dass es ein Kommunikationsproblem gibt bei seiner Entscheidung zur Piusbruderschaft. Telefoniert mit Frau Bundeskanzler in Deutschland und stellt klar, was klarzustellen ist. Versucht, Verständnis zu gewinnen für sein Anliegen, indem er Dinge zurechtrückt. Offenbar geht es ihm um die Sache. Deswegen springt er über seinen Schatten, lässt seinen Status als Papst und Oberhaupt des Vatikanstaats beiseite und – kommuniziert. Danach ist nicht „alles wieder gut“, aber das Schlimmste vom Tisch. Das Schlimmste ist: gegenseitige Verdächtigung, Unterstellung, Schwarzweiß-Denken, Unversöhnlichkeit.
Kirche ist nicht der Ort der Rechthaberei, sondern der Versöhnung. Das weiß Benedikt XVI. Er weiß auch, dass Jesus die Sünder liebt. Nicht die Sünde, sondern die Menschen in ihrer Schwäche. Dass es darum geht, aufzuhelfen, und nicht zu verdammen. Manche sind päpstlicher als der Papst.
Joachim Rogosch