Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Papst stellt Sozialenzyklika vor

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Samstag, 4. Februar 2012 Veronika
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Papst stellt Sozialenzyklika vor

Sozialenzyklika schlägt
Shareholder-Value-Ideologie

Der Papst räumt auf. Die Ökonomen können nach Hause gehen. Und mit ihnen jene Sozialethiker, die glaubten, der Appell an ethisches Handeln tauge vielleicht dazu, ein Kloster mit frömmelnden Nonnen zu führen, aber nicht, um eine komplexe anonyme Gesellschaft zu gestalten. „Der systematische Ort der Moral ist die Rahmenordnung.“ So formuliert es der Münchner Wirtschaftsethiker Karl Homann. Es reicht also, wenn jeder nach seinem eigenen Vorteil trachtet, solange der Staat seiner Aufgabe nachkommt, und den Rahmen so setzt, dass vom Streben nach Gewinn am Ende alle profitieren. Die Jünger des Shareholder Value klatschen dieser Ideologie Beifall: „Die soziale Verantwortung von Unternehmen ist es, ihre Gewinne zu steigern“, formulierte einst Milton Friedman, einer der Väter dieser gängigen ökonomischen Glaubenslehre. Weltweit lernen heute Wirtschaftsstudenten diesen Satz im ersten Semester. Die gesamte Ökonomik gründet sich auf ihn. Die selbst ernannten „Master of the Universe“ in den Londoner und New Yorker Investmentbanken glaubten tatsächlich, ihre Zockerei sei gut, sie hielten den Umkehrschluss für wahr: „Wer Gewinne macht, ist sozial.“ Und Gewinne zeigen sich insbesondere dann, wenn der Aktienkurs steigt und steigt und steigt. Die einzige Aufgabe eines Managers besteht folglich darin, den Unternehmenswert zu steigern. Deswegen bekommen die Wirtschaftslenker Aktienoptionen und Boni.

Erstaunlich konkrete Konsequenzen

Gottes Stellvertreter auf Erden weist diese Ideologie nun in seiner Enzyklika klar zurück: „Eine der größten Gefahren ist sicher die, dass das Unternehmen fast ausschließlich gegenüber den Investoren verantwortlich ist und so letztendlich an Bedeutung für die Gesellschaft einbüßt.“ Benedikt verweist auf die Tradition der katholischen Soziallehre: „Papst Johannes Paul II. merkte an, dass eine Investition neben der wirtschaftlichen immer auch eine moralische Bedeutung hat.“

Es wird Zeit, dass die Ökonomen das anerkennen, und nicht nur auf ihre Modelle vertrauen, mit denen sie seit 30 Jahren glauben, Wirtschaft, Gesellschaft und am Ende den Menschen erklären zu können. Die 2000 Jahre alte Theologie und Gesellschaftsanalyse der Kirche hat da mehr Erkenntniswert. Ihre Stärke liegt darin, dass sie zukunftsweisend argumentiert. Die erstaunlich konkreten Konsequenzen, die Rom aus der Krise zieht, lesen sich wie ein Handlungsplan für den heute beginnenden G8-Gipfel. Eine „Reform sowohl der Vereinten Nationen als auch der internationalen Wirtschafts- und Finanzgestaltung“ ist tatsächlich dringend nötig.

Sicher, Ökonomen mögen jetzt einwenden, dass die Finanzkrise nicht durch Gier und Gewinnmaximierung herbeigeführt wurde, sondern durch falsche Eingriffe des Staates in die Wirtschaft. Durch zu niedrige Zinsen, zu viel Zentralbank-Geld und den Glauben, jeder US-Bürger könne ein Haus kaufen, das sich durch seine Wertsteigerung selbst finanziert. Dieser Einwand ist richtig. Aber niemand hat die Banken gezwungen, diesen falschen Anreizen zu folgen. Die Krise zeigt doch eines: Es geht nicht ohne Ethik und langfristiges Denken in der Wirtschaft. Das muss die Wirtschaft vom Papst jetzt lernen.

Stephan Balling, Rheinischer Merkur




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Die Kommentare der Liborius-User:


von Anja

am Freitag, 10. Juli 2009

Schöne Worte.
Ob es auch nur irgendjemanden, der wirklich etwas zu sagen hat, interessiert - und irgendetwas ändert?

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von Bohemian

am Freitag, 10. Juli 2009

Es ist doch schön zu sehen, dass der Vatikan es anscheinend doch noch schafft, Experten zu aktuellen Themen positiv zu beeindrucken.

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