„Mit dem Besuch in Erfurt wird der ökumenische Schwerpunkt an jenen Ort verlegt, an dem Martin Luther noch katholisch und Augustinermönch war.“ Mit diesen Worten macht der Erfurter Bischof Joachim Wanke die Dimension deutlich, die der Besuch des deutschen Papstes in seinem Heimatland nicht nur für die Katholiken hat.
Schwung für die Ökumene
Auch der Ratsvorsitzende der EKD, Präses Nikolaus Schneider, erhofft sich vom Papstbesuch einen neuen Schwung für die Ökumene. Eine gemeinsame Basis könnte in der gegenseitigen Anerkennung der Taufe liegen. Im Vorfeld des Papstbesuches hatte Schneider die Hoffnung ausgesprochen „dass die Besinnung auf die Taufe uns weiterhilft in unseren ökumenischen Gesprächen“. Als wichtige Themen bei der Begegnung im Erfurter Augustinerkloster sieht Schneider auch die Einschätzung der Reformation und der Person Martin Luthers. Ähnlich ist auch die Einschätzung des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, des Freiburger Erzbischofs Robert Zollitsch. „Papst Benedikt wird in Erfurt in das Kloster gehen, in dem Luther gelebt hat, als Mönch und als Priester. Ich persönlich gehe davon aus, dass die Stunden in Erfurt eine Ermutigung für die Ökumene sein werden. Und ich kann mir vorstellen, dass aus der Begegnung mit den Vertretern der evangelischen Kirchen ein Auftrag erwächst, gemeinsam noch einige Dinge aufzuarbeiten, die uns trennen", sagte er in einem Interview mit der Tageszeitung „Die Welt“.
Besonderer Ort
Es ist schon ein besonderer Ort, an dem Papst Benedikt XVI. sich mit Vertretern der EKD treffen wird. Papst Benedikt XVI. wandelt auf den Spuren des Mannes, der das Papsttum in seiner damaligen Ausprägung heftigst attackierte. Am 17. Juli 1505 trat Martin Luther in das Erfurter Augustinerkloster ein. „Martin Luther wollte die Kirche nicht spalten, er hat sich bis an sein Lebensende als frommer Sohn seiner Kirche verstanden“, hat Präses Schneider mehrfach betont. Luther las in diesem Kloster nach seiner Priesterweihe auch seine erste Heilige Messe. Bis zum Jahre 1511 lebte Luther in diesem Kloster, dessen Kirche 1525 der evangelischen Johannesgemeinde zugeordnet wurde. Seit seiner Säkularisierung im Jahre 1559 diente das Klostergebäude unterschiedlichen Zwecken. Heute ist es eine Tagungs- und Begegnungsstätte.
Unruhe im Vorfeld
Während man das Gefühl hat, dass die Leitung der EKD mit Präses Schneider und mit Kathrin Göring-Eckard dem Papstbesuch mit gespannter aber freudiger Erwartung entgegensehen, wird, scheint ein andere Teil der evangelischen Christen den Besuch zur Wiederbelebung von Klischees und Ressentiments nutzen zu wollen. So macht der Chefredakteur der Zeitung Chrismon, Arnd Brummer, in seinem Essay „Unter Ketzern“ mehr auf sich als auf den Papstbesuch aufmerksam. Brummer zeigt sich in seinem Aufsatz eher als frustrierter Konvertit, der trotzig erklärt, wie schön es doch sei, jetzt evangelisch zu sein.
Nicht schrecken lassen
Aber von solchen Anwürfen sollte sich Papst Benedikt XVI. nicht irritieren lassen. Die Besucherzahlen in Berlin, Erfurt und Freiburg zeigen, dass hier Großes geschehen wird. Die meisten Menschen in Deutschland freuen sich auf den Papstbesuch. Sie werden entweder selbst dabei sein, oder die Auftritte des Papstes vor dem Fernseher oder dem Radio verfolgen.
Wer das alles nicht kann und trotzdem aktuell informiert sein will, der findet alles rund um den Papstbesuch auf liborius.de, unserer katholischen Erlebniswelt.