Ich bin aber vor allem dankbar dafür, dass der Papst die Schwerpunkte seines Pontifikates nochmals benannte: Es sind: Die Frage nach Gott. Sie soll nicht verdunsten, die Einheit der Christen, die Ökumene, der Dialog der Religionen – vor allem auch im Dienst am Frieden und eine Gerechtigkeit für die Armen und Entrechteten. Darum geht es Papst Benedikt. Der Vorwurf, sein Pontifikat drehe sich vorwiegend um den rechten Kirchenrand, um die Lefebvre-Anhänger, um die tridentinische Messe, um das Konservative, ist falsch.
Gut, dass Benedikt auch die zwei Pannen ausdrücklich benannt hat: Weil im Vatikan Internet-Inhalte noch nicht ernst genug genommen werde, konnte der Eindruck entstehen, er rehabilitiere einen Holocaust-Leugner. Man müsse hier noch dazu lernen, sagt er. Und zweitens die Panne, dass der Eindruck entstand, die Pius-Bruderschaft werde als kirchliche Organisation anerkannt. Er sagt ausdrücklich, dass sie keinen kirchlichen Status habe.
Papst Benedikt schreibt aber nicht nur rein sachlich, sondern auch sehr persönlich und zeigt seine Betroffenheit darüber, dass er auch angegriffen worden ist, er verbirgt nicht, dass er sich gekränkt fühlt. Für einen Papst eine ungewöhnliche Offenheit. Dazu muss man eben erinnern: es ist ein Brief an seine Brüder im Bischofsamt. Die bisher eingetroffenen Reaktionen aus der Weltkirche sind auch sehr positiv. Die Klagen und Fragen von etlichen Bischöfen sind auf den päpstlichen Schreibtisch gekommen, blieben dort nicht liegen, sondern haben den Papst bewegt.
Und der Papst erlaubt sich, seinen Kritikern auch eine kritische Frage zu stellen: Heute sei Toleranz ganz groß geschrieben, man fordere sie von allen. Und er fragt: darf man gegen die Pius-Brüder nicht auch ein wenig tolerant sein? Wird man hart angegriffen, wenn man gegen sie tolerant ist. Die jetzt schon aufkommende Mäkelei am Papst und seinem Schreiben, finde ich contra-produktiv. Der Vatikan wird aus dem Fall lernen.
P. Eberhard v. Gemmingen