Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Gemmingen

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Montag, 21. Mai 2012 Hermann Joseph , Erenfrid
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glaubenslust – Der Tag


Der ungewöhnliche Brief des Papstes

Es war die Reaktion, auf die alle gewartet hatten: Papst Benedikt XVI. hat in einem Brief an die Bischöfe zu der Aufhebung der Exkommunikation eines Holocaust-Leugners Stellung bezogen und Pannen eingeräumt. Doch sein Schreiben geht noch tiefer: Er äußert seine Betroffenheit über die feindseligen Reaktionen aus aller Welt und findet bewegende Worte zu der laut gewordenen Frage, worin die Prioritäten seines Pontifikats liegen.

Ein Audio-Kommentar von Pater Eberhard von Gemmingen zum Brief des Papstes über die Pius-Bruderschaft

Ich bin Papst Benedikt dankbar dafür, dass er die Aufhebung der Exkommunikation der Lefebvre-Bischöfe persönlich erklärt hat. Das war dringend nötig, denn viele Katholiken vor allem im deutschen Sprachraum haben ihren Papst nicht mehr verstanden. Das lag natürlich zum großen Teil daran, dass die Medien den Eindruck vermittelt hatten, der Papst nehme die Holocaust-Leugnung nicht ernst, ja rehabilitiere einen Holocaust-Leugner. Ich wünsche vor allem uns deutschen Katholiken, dass wir uns nicht allzu leicht von den Medien an der Nase herumführen lassen.

Aber ich wünsche mir natürlich auch, dass die Mitarbeiter des Papstes das ihre tun, damit die Anliegen des Heiligen Vaters gut und richtig in die Welt vermittelt werden.

Ich bin aber vor allem dankbar dafür, dass der Papst die Schwerpunkte seines Pontifikates nochmals benannte: Es sind: Die Frage nach Gott. Sie soll nicht verdunsten, die Einheit der Christen, die Ökumene, der Dialog der Religionen – vor allem auch im Dienst am Frieden und eine Gerechtigkeit für die Armen und Entrechteten. Darum geht es Papst Benedikt. Der Vorwurf, sein Pontifikat drehe sich vorwiegend um den rechten Kirchenrand, um die Lefebvre-Anhänger, um die tridentinische Messe, um das Konservative, ist falsch.

Gut, dass Benedikt auch die zwei Pannen ausdrücklich benannt hat: Weil im Vatikan Internet-Inhalte noch nicht ernst genug genommen werde, konnte der Eindruck entstehen, er rehabilitiere einen Holocaust-Leugner. Man müsse hier noch dazu lernen, sagt er. Und zweitens die Panne, dass der Eindruck entstand, die Pius-Bruderschaft werde als kirchliche Organisation anerkannt. Er sagt ausdrücklich, dass sie keinen kirchlichen Status habe.

Papst Benedikt schreibt aber nicht nur rein sachlich, sondern auch sehr persönlich und zeigt seine Betroffenheit darüber, dass er auch angegriffen worden ist, er verbirgt nicht, dass er sich gekränkt fühlt. Für einen Papst eine ungewöhnliche Offenheit. Dazu muss man eben erinnern: es ist ein Brief an seine Brüder im Bischofsamt. Die bisher eingetroffenen Reaktionen aus der Weltkirche sind auch sehr positiv. Die Klagen und Fragen von etlichen Bischöfen sind auf den päpstlichen Schreibtisch gekommen, blieben dort nicht liegen, sondern haben den Papst bewegt.

Und der Papst erlaubt sich, seinen Kritikern auch eine kritische Frage zu stellen: Heute sei Toleranz ganz groß geschrieben, man fordere sie von allen. Und er fragt: darf man  gegen die Pius-Brüder nicht auch ein wenig tolerant sein? Wird man hart angegriffen, wenn man gegen sie tolerant ist. Die jetzt schon aufkommende Mäkelei am Papst und seinem Schreiben, finde ich contra-produktiv. Der Vatikan wird aus dem Fall lernen.

P. Eberhard v. Gemmingen




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