Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Quo vadis Kirche?

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glaubenslust – Der Tag


Quo vadis Kirche?

Letzten Sonntag war ich zum Hochamt im Wormser Dom. Ein Keyboard begleitet den unterirdischen Gesang eines Kinderchores. Das Keyboard ist übersteuert, sein Bar-Sound klingt in der ehemaligen Kathedralkirche wie eine Blasphemie. Vor zwei Wochen ein ähnliches Bild beim Sonntagsgottesdienst der Herz-Jesu-Pfarrei in Berlin-Prenzelberg. Es ist Kindergottesdienst. Die Kinder der Gemeinde besuchten in der Woche zuvor eine Bibelwerkwoche, und alle, wirklich alle, dürfen nun an den Ergebnissen teilhaben. Die Gemeindereferentin schiebt eine Folie am Overhead-Projektor hoch und runter, damit alle die infantilen Reime mitsingen können. In den ersten Reihen begeisterte Eltern, in den hinteren Reihen gähnende Langeweile. Die Veranstaltung ist eine Beleidigung des Intellekts aller, die älter als 14 sind.

Kunst vor Bibel – so ein Theater!

Zum ersten Mal in meinem Leben verlasse ich früher einen Gottesdienst. Genauso wie in Worms. In Berlin und Worms waren die Gesänge dumpf, eine Auslegung der Bibeltexte unterblieb zugunsten darstellender Künste rund um die Altarinsel.

Wie man die Pastoral des Sonntagsgottesdienstes richtig ergänzt, zeigt dagegen die Gemeinde St. Ursula in München. Im Stadtteil Schwabing bietet der vor zwei Jahren neu eingesetzte Pfarrer einen Kindergottesdienst in einem Seitenraum an. Zur Gabenbereitung kommen die Kleinen zur Gemeinde dazu. Zuvor haben sie ihre eigenen kindgerechten Lieder und Gebete gesungen und gesprochen. Der Rest der Gemeinde feiert zur gleichen Zeit einen ihrem Alter und Reifegrad entsprechenden Gottesdienst. Einmal im Jahr gibt es einen Gottesdienst für alle Familien, die im zurückliegenden Jahr ihr Kind in St. Ursula haben taufen lassen.

Der Gottesdienst darf nicht zu einem selbstinszenierten Mehrakter hauptamtlicher Liturgiebeauftragten verkommen

Die Beispiele aus Berlin, München und Worms stehen nicht nur für sich, sondern spiegeln die Situation in vielen Gemeinden wider. Der entscheidende Unterschied zwischen den Gottesdiensten in Berlin und Worms und denen in München: In München werden dem Geist der Liturgie und der Würde der Feier gemäß Veränderungen im Ablauf und Akzente der Verkündigung so gesetzt, dass in der Messe noch der Charakter einer feiernden Gemeinschaft zum Tragen kommt. Hier verkommt der Gottesdienst nicht zu einem selbstinszenierten Mehrakter der hauptamtlichen Liturgiebeauftragten.Eine Erhebung unter evangelischen Kirchenbesuchern im vergangenen Jahr in der Landeskirche Berlin hat ergeben, dass die Gottesdienste, die sich in ihrem Ablauf am ehesten an den liturgischen Vorgaben hielten, bei den Gläubigen am beliebtesten waren. In einer unempirischen Vorannahme gehe ich davon aus, dass dies bei Katholiken nicht anders ist. Kinder sind wichtig. Sie sind die Zukunft der Gesellschaft, die Zukunft der Kirche. Das ist so selbstverständlich, dass man es eigentlich gar nicht eigens sagen müsste. Muss man aber doch, sonst steht man als Kinderfeind da. Der Sonntagsgottesdienst ist aber für alle da. Der Generationenvertrag gilt auch für die Kirche!

Alexander Görlach
leitet das Online-Ressort des Magazins Cicero




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Die Kommentare der Liborius-User:


von david-ho-zehnter@gmx.de

am Mittwoch, 12. November 2008

Alexander Görlach spricht ein sehr wichtiges Thema an.
Kinder-Gottedienste brauchen ein großes Einfühlungsvermögen und sollten nicht zur netten Unterhaltung der Omis herhalten. -
Schauen wir uns mal die Sonntagsgottesdienste übers Jahr an: 97% für Leute ab 60 geeignet, 1% von Jugend, 1 % junge Familien ...
Lieber Gott, wen wunderts, wenn es Kinder, Jugend und mittleres Alter nicht in die Gottesdienste zieht, sondern Vitaleres zu tun haben. Dazu kommt, dass ein Teil der Gottesdienstvollstrecker abgekapselt, unberührbar und ohne Ausstrahlung ihre Heilige Messe z e l e b r i e r e n.
Ob der junge Jesus jedenSonntag in eine solche langweilige Veranstaltung oder lieber zum Fischen ginge?
Vitale Pfarrer und vitale Diakone, vitale Gemeinden ... David, Religionspädagoge, der sich wie viele Aktive aus der kirchlichen Leimsiederei abgeseilt hat.

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