Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Razzia im Kloster Ettal

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Montag, 21. Mai 2012 Hermann Joseph , Erenfrid
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Der Tag


Razzia im Kloster Ettal

Zum ersten Mal in der katholischen Kirche ermitteln Staatsanwälte in einem Kloster

 

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt seit Dienstagnachmittag vor Ort in der oberbayerischen Benediktinerabtei Ettal. Das bestätigte eine Sprecherin des Klosters der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Der Sprecherin sind nach eigenen Angaben derzeit weder Art noch Umfang der Ermittlungen bekannt. Die Atmosphäre sei «ruhig und gelassen». Die Mitglieder des Konvents kooperierten mit der Justiz. Die Staatsanwaltschaft war am Abend für eine Stellungnahme nicht mehr zu erreichen. 


Nach bisherigen Erkenntnissen werden vier Benediktinerpatres aus dem Kloster Ettal, von denen einer verstorben ist, verdächtigt, Übergriffe auf Kinder begangen zu haben. Dabei geht es um 20 ehemalige Schüler, wie der am Freitag vorgestellte Zwischenbericht der von der Erzdiözese München-Freising eingesetzten Ombudsleute ergab. Die meisten Vorfälle, darunter auch der gewaltsame Umgang mit Schutzbefohlenen, hätten sich in den 70-er und 80-er Jahren ereignet. Bei einem Fall von 2005 handele es sich dagegen um einen «handfesten sexuellen Missbrauch», hieß es. 

Am Nachmittag hatte die Abtei angekündigt, als Reaktion auf die Missbrauchsfälle Präventivmaßnahmen zu entwickeln und sich dabei von externen Fachleuten beraten zu lassen. Dies geschehe unabhängig von der «aktiven Aufklärung der Vorkommnisse», kündigte der Vakanz-Administrator Pater Emmeram Walter in einer Erklärung an. 

Der Konvent hatte Walter am Freitag gewählt, nachdem Abt Barnabas Bögle und Prior Maurus Kraß, der auch Schulleiter war, vergangene Woche zurückgetreten waren. Beide hatten die Vorwürfe gegen Mitglieder des Ordens wegen sexuellen Missbrauchs, die 2003 und 2005 bekanntgeworden waren, nicht der Erzdiözese München-Freising gemeldet, wie es die bischöflichen Richtlinien vorsehen. 

Der Sonderermittler der Abtei, der Münchner Rechtsanwalt Thomas Pfister, will am Freitag seinen vorläufigen Bericht vorlegen. Ihm seien alle Informationen für eine umfassende Aufklärung der Vorwürfe zur Verfügung gestellt worden, betonte das Kloster.




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