Reden ist Silber, Schreiben ist Gold
München, am 25. April 2008. – Über den Stand der Ökumene gab es zuletzt immer wieder Klagen. Manche zeigten sich enttäuscht vom dem päpstlichen Schreiben „Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche“, Protestanten sprachen von „Brüskierung“. Andere wiederum vermuteten sogar, Benedikt XVI. lasse es bewusst ruhiger angehen im Dialog der Konfessionen. Viele waren sich einig: Unter dem deutschen Papst habe sich auch wirklich gar nichts verändert in der Ökumene. Doch heute erreicht uns via KNA ein echter Hoffnungsschimmer: Der Papst reißt offensichtlich nicht nur Katholiken in aller Welt mit, er begeistert auch die Protestanten. Und zwar ausgerechnet mit seinen Enzykliken, die ja Ausdruck der päpstlichen Autorität sind.
Die Protestanten scheint das jedenfalls nicht zu stören, behauptet Prälat Christoph Kühn. Der ist Leiter der deutschsprachigen Sektion des vatikanischen Staatssekretariates und momentan zu Besuch in Deutschland. Bei dieser Gelegenheit plauderte Kühn ein wenig über seine Arbeit und verriet: Die beiden Enzykliken „Deus caritas est“ und „Spe salvi“ wären ein absoluter Publikumsrenner, „unzählige“ Briefe seien dazu im Sekretariat eingetroffen. Darunter viele Sympathiebekundungen von Protestanten – für Prälat Kühn ein klares Zeichen: „Die Botschaft des Papstes erreicht die Herzen der Menschen.“ Und das ist doch weit mehr, als viele Ökumene-Tagungen und interkonfessionelle Gespräche auch nur im Ansatz von sich behaupten können. Manchmal gilt eben: Reden ist Silber. Schreiben ist Gold.
Überhaupt gibt es auf Seiten der Protestanten heute einige Überraschungen. So zum Beispiel auch diese Meldung aus der Dresdner Frauenkirche. Dort findet am 4. Mai eine ganz besondere Premiere statt: der erste Handwerker-Gottesdienst. Nun hatte die Frauenkirche in letzter Zeit ohnehin eine ganz besondere Beziehung zu Handwerkern und Bauarbeitern. Die kennen die Kirche aus den letzten Jahren sehr gut, und so ist es kein Wunder, dass dieser Gottesdienst schon fast ausgebucht ist.
Mehr Andrang dürfte es künftig auch in der römischen Jesuitenkirche „Il Gesu“ geben. Da wird seit neuestem tief in die Technik-Trickkiste gegriffen, um ein Bild verschwinden zu lassen. Jeden Tag um 17.30 Uhr beginnt sich das Gemälde über dem Grabaltar des heiligen Ignatius von Loyola zu bewegen. Ist das Bild weg, steht die große Statue des Ignatius da. Doch diese ganze Show ist nicht ganz unproblematisch. So erklärt Restaurator Carlo Serino: „Die Erfahrung muss zeigen, ob das Bild die ständigen Bewegungen aushält.“ Und man müsse unglaublich aufpassen, dass das Gemälde bei seinem Tauchgang nicht hängen bleibe.
Wenn es wirklich soweit kommt, wäre es vielleicht an der Zeit, die protestantische Anregung eines Handwerker-Gottesdienstes aufzugreifen. Das wäre dann wirklich ökumenisch, wenn eine protestantische Idee dazu beiträgt, dass Ignatius von Loyola besser dasteht. Ignatius von Loyola, der Vorreiter der Gegenreformation. Wer würde da noch über den Stand der Ökumene klagen?
Simon Biallowons