Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: "Religulous": Wer Gläubige zum Affen macht...

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Samstag, 11. Februar 2012 Anselm
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glaubenslust – Der Tag

 

"Religulous": US-Komiker gräbt dem Glauben eine Grube – und fällt selbst hinein


16 Prozent der Bevölkerung glauben nach eigener Aussage an keine höhere Macht. Damit sind die Atheisten in der Gesellschaft zwar eine Minderheit, – aber eine vergleichsweise große. Ihnen will der amerikanische Komiker Bill Maher in seiner satirischen Dokumentation "Religulous" (seit 2. April in den Kinos) "eine Stimme geben", wie er sagt. Wie ernst diese zu nehmen ist, zeigt schon der Filmtitel: Er setzt sich zusammen aus den Begriffen "Religion" und "ridiculous" (englisch für "lächerlich"). Damit ist die Marschrichtung klar.

Foto: "Religulous"
Sehen Sie sich den Trailer zum Film an! (Foto: "Religulous")

Maher, der Komiker, wagt sich an eine der grundlegendsten Fragen: Er gibt sich als kritischer Zweifler, der herausfinden möchte, warum Menschen glauben und befragt dazu Anhänger der drei großen monotheistischen Weltreligionen. Die Auswahl spricht allerdings für sich: Unter seinen Gesprächspartnern sind so skurrile Gestalten wie ein Rabbi, der den Holocaust leugnet, ein Jesus-Darsteller aus einem biblischen Themenpark in Florida und ein puertoricanischer Prediger, der sich für die Reinkarnation Jesu hält. Um seine Interview-Partner vorzuführen, muss der Comedian nichts weiter tun, als ihnen die passenden Stichworte zu geben. Lächerlich machen sich diese Personen von ganz allein.

"Emanzipiert euch vom Glauben!" Ein Aufruf auf wackligen Säulen

Glaube, eine peinliche Angelegenheit also? Maher dürfte sich darüber im klaren sein, dass seine bissige Dokumentation ein Spotlight auf einige sehr spezielle Ausnahmefiguren wirft, die zugegebenermaßen der unfreiwilligen Komik nicht ganz entbehren. So hat er leichtes Spiel, seine eigene These zu untermauern: Glaube ist lächerlich und unvernünftig. Lediglich im Gespräch mit zwei hochrangigen Vatikan-Angehörigen scheint der Gedanke einer aufgeklärten Religiosität durch – vielleicht ja das Zeichen einer letzten Scheu oder eines doch noch irgendwo versteckten Respekts Mahers vor der Religion. Dennoch lautet das Fazit des bekennenden Hedonisten nach 101 Minuten Blasphemie pur: Emanzipiert euch vom Glauben! Genießt euer Leben! Warum ein Leben ohne Religion erstrebenswerter und lustvoller sein sollte, diese Frage lässt die leidlich komische Satire völlig offen.

Filmplakat "Religulous"

Werden Gläubige diesen Film witzig finden? Vielleicht stellenweise, aber bei allem Humor und aller Aufgeschlossenheit: Es gibt eher Grund, sich zu ärgern – etwa wenn Papst Benedikt XVI. mit islamischen Hasspredigern in schnellen Schnitten aneinander gereiht wird. Mit solchen Geschmacklosigkeiten rückt sich Maher nur selbst in ein zweifelhaftes Licht, auch Atheisten werden das nicht zwangsläufig komisch finden.

Normale Gläubige kommen neben den skurrilen Paradiesvögeln in "Religulous" kaum zu Wort: Statt dessen unterhält sich Maher mit einem niederländischen Kiffer, der seinen Haschkonsum zur Religion erhoben hat und einem ehemaligen Homosexuellen, der nun andere Schwule "bekehren" möchte.

Daher liefert "Religulous" auch seiner Zielgruppe, den Atheisten, keine Argumente und somit nicht die "Stimme", die Maher versprochen hatte. Der Film zeigt lediglich, welche Blüten falsch verstandene Religiosität treiben kann: vom geldgierigen Prediger bis hin zum heiligen Krieg. Seine Ausgangsfrage, warum Menschen glauben, kann Bill Maher am Ende also nicht beantworten. Er hat einfach nicht die richtigen Menschen gefragt.

 

Natalie Stowasser (8.4.09)




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