Kurz der Inhalt: Sam Oliver erfährt an seinem 21. Geburtstag, dass seine Eltern vor seiner Geburt seine Seele an den Teufel verkauft haben. Nun bekommt Sam also Besuch von Luzifer und wird von ihm als eine Art Kopfgeldjäger (Reaper) ausgebildet, der für seinen Boss Seelen einfängt, die aus der Hölle entflohen sind. Dabei tritt Satan nicht als gehörntes, bocksfüßiges Monster auf, sondern als aalglatter, dauergrinsender Geschäftsmann – eine Art Mischung aus Guido Westerwelle und Dieter Bohlen. Das kannte man schon so ähnlich aus dem Hollywood-Streifen "Im Auftrag des Teufels" mit Al Pacino. Auf jeden Fall wollten in den USA durchschnittlich 2,6 Millionen Zuschauer die Serie sehen. Und auch hierzulande könnte Reaper ein Erfolg werden, glauben doch 23 Prozent aller Deutschen, dass es Satan wirklich gibt. Und wer bei Google das Stichwort Teufel eingibt, erhält sage und schreibe über fünfeinhalb Millionen Treffer.
Betriebsanleitung für Teufelsaustreibungen
Aberglaube? Mittelalterlicher Unsinn? Warum diese Präsenz des Bösen als Gegenpol zur Welt des Guten in Zeiten von Highspeed-Internet, Stammzellenforschung und Käsekuchenhilfe? Man könnte an dieser Stelle eine Riesenabhandlung schreiben über gefallene Engel, Schlangen, die naive Paradiesbewohner verführen, menschliche Schreckensvorstellungen im Mittelalter in Gestalt eines Ungeheuers mit schwarzem Pelz und Dreizack oder über Schocker-Filme wie "Rosemarys Baby" und "Der Exorzist". Man könnte auch erwähnen, dass der voriges Jahr verstorbene vatikanische Chefexorzist und Dämonologe Corrado Balducci ermittelte, dass der Teufel auf der Erde in exakt einer Milliarde siebenhundertachtundfünzig Millionen sechshundertvierzigtausend einhundertsechsundsiebzig Gestalten vertreten ist. Oder dass 1999 im Vatikan eine Neuauflage des "Rituale Romanum" erschienen ist, eine Art Betriebsanleitung für Teufelsaustreibungen, deren Ursprünge auf das Jahr 1614 zurückgehen.
"Achse des Bösen"
Trotzdem hat Satan heutzutage als personifiziertes Böses weitestgehend ausgedient, zumindest in theologischen Kreisen. Die einen wollen ihn ganz abschaffen, die anderen sehen darin eine reale Macht, Benedikt XVI. etwa, der sich intensiv mit der Figur des Antichristen befasst hat: "Wenn man fragt, ob der Teufel Person sei, so müsste man richtigerweise wohl antworten er sei die Un-Person, die Zersetzung, der Zerfall des Personseins und darum ist es ihm eigentümlich, dass er ohne Gesicht auftritt, dass die Unkenntlichkeit seine eigentliche Stärke ist." Andere Theologen erklären den Teufel zur Metapher für das Böse in uns selbst.
Und außerhalb kirchlicher Kreise orten Zeitgenossen das Übel der Welt als "Achse des Bösen" (George W. Bush) oder als "Reich des Bösen" (Ronald Reagan). In diesem Sinne bewegt sich der Reaper-Beelzebub eher auf der Ebene eines Höllenfürsten aus der Rumpelkammer der menschlichen Abgründe. Bemitleidenswert ist er dazu - etwa wenn er trotz seiner übernatürlichen Kräfte nicht verhindern kann, dass ihm das Lieblingseis sofort in der Hand wegschmilzt.
Klaus Späne (20.4.09)
* "Ich bin seit langer Zeit zugegen, habe die Seelen und den Glauben vieler Menschen geraubt. Und ich war da, als Jesus Christus seinen Moment des Zweifels und des Schmerzes hatte."
Link: Die Serie auf Pro 7