Kritisch äußerte sich Schwan zum Nein des Vatikan zu Kondomen im Kampf gegen Aids. Es gebe keine statistischen Daten, die besagten, dass Kondome HIV befördert hätten, sagte sie. Auf seiner Afrika-Reise hatte Papst Benedikt XVI. gesagt, Aids lasse sich nicht mit Werbung für Kondome überwinden. Ohne ein Umdenken bei den Betroffenen könne durch die bloße Verteilung von Kondomen die Gefahr der Aids-Ausbreitung zunehmen.
Schwan sprach von einer "Konzentration der katholischen Kirche auf
die Kondomfrage bei der Verhütung von Aids". Dies gehe an den
eigentlichen Problemen vorbei. "Wenn die katholische Kirche in
Afrika einfach nur Enthaltsamkeit predigt, dann muss sie
verantwortungsethisch sagen: Das führt für die Frauen zu weiteren
HIV-Infektionen", so Schwan.
Kritik äußerte die Politikerin auch am kirchlichen Umgang mit dem
Fall einer Neunjährigen in Brasilien, bei der eine Schwangerschaft
abgebrochen wurde. Das vom Stiefvater missbrauchte Mädchen befand
sich laut Ärzten in Lebensgefahr. Erzbischof Jose Cardoso Sobrinho
von Olinda und Recife erklärte alle am Abbruch Beteiligten für
exkommuniziert. Schwan äußerte sich "erschrocken" und sprach von
einem "verheerenden Signal". Auch die Bischofskonferenz des Landes
widersprach dem Erzbischof; die Mutter habe mit ihrer Erlaubnis zum
Schwangerschaftsabbruch das Leben ihrer Tochter retten wollen und
dürfe daher nicht exkommuniziert werden.
(KNA)