Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Segen für Schwulenpaar in Wetzlar

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glaubenslust – Der Tag


Und das ist nicht gut so

Der Wetzlarer Bezirksdekan Peter Kollas segnet das schwule Paar Jürgen Erbach und Kristof Heil im dortigen Dom und verliert deswegen seinen Job. Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst bekommt Beifall für die Abberufung des prominenten Geistlichen, und im Bistum erteilt man der Segnung homosexueller Paare erneut eine deutliche Absage.

Die katholische Kirche tut sich unverändert schwer mit einer Lebensform, die in unserer Gesellschaft weithin selbstverständlich und akzeptiert ist. Die Reaktion erfolgt meist nach dem Motto: Wenn du schwul oder lesbisch bist, dann bitte schön, aber lass Gott aus dem Spiel. Es ist kein Wunder, wenn die Menschen das nicht verstehen.

Der Limburger Bischof konnte gar nicht anders

Die Segnung von Wetzlar ist aber auch ein komplizierter Fall, der für pauschale Verurteilungen oder Kritik nicht taugt. Denn das Kirchenrecht spricht eine deutliche Sprache. Eine Segnung homosexueller Paare geht nicht. Bischof Tebartz-van Elst hatte in dieser Sache keinen Spielraum. Außerdem wusste Ex-Bezirksdekan Kollas um die möglichen Konsequenzen.

Es reicht aber nicht, wenn man diese Geschichte hier abschließen würde. Nicht ohne Grund ist die Ehe für die katholische Kirche besonders schützens- und segenswert. Andererseits sind homosexuelle Paare eine Realität. Einige von ihnen sind sogar gläubige Christen, denen es ein großes Anliegen ist, ihre Partnerschaft unter den Segen Gottes zu stellen. Die katholische Kirche weiß, dass ihre Regelungen hier unzureichend sind. Es ist längst Zeit für eine liturgische Lösung, die beiden Seiten gerecht wird. Damit Schluss ist mit Unsicherheit und Unverständnis und dem vorherrschenden Gefühl, dass die katholische Kirche Schwule und Lesben als Menschen zweiter Klasse betrachtet.

Was hätte Jesus wohl getan?

Der Limburger Bischof ist für seine Entscheidung nicht zu kritisieren. Aber wünschenswert wäre gewesen, hätte er genau deswegen eine konstruktive Diskussion in Gang gesetzt. Die Segnung von Jürgen Erbach und Kristof Heil ist wieder einmal eine jener Geschichten, in denen man sich fragt, was Jesus wohl getan hätte.

André Lorenz

 




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Die Kommentare der Liborius-User:


von david-ho-zehnter@gmx.de

am Montag, 8. September 2008

Lieben Dank an Stefan, Willy und André
Es ist meiner Meinung nach richtig, Oberhirtenkirche mit Tabu-Themen zu konfrontieren. Es ist kurzsichtig, wenn ein Bischof deswegen einen Priester "wegräumen" muss, weil er schwule Freunde gesegnet hat. Aber was muss auch der gute Seesorger solches im Dom tun, wenn das am "See Genesaret" leicht ginge. Es wird so viel in der Kirche gesegnet und gefeiert, dass Patriarchen heißlaufen würden, wenn sie solches alles wüssten. Das ist gut so, dass Christen ohne Amt freier, menschen-rechtlicher und liebevoller handeln können als Sakral-Beamte, die sich selbst ein geistliches Armutszeugnis ausstellen müssen. Nicht wenige unter solchen leben im Scheinzölibat mit einem aufrichtigen Freund. Wenn das der Bischof wüsst, was Freundesliebe ist - David und Jonathan .... Johannes an Jesu Brust ... Undenkbar im Dom.
Die Liebe zählt David Ho Zehnter

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von Willy Reiter

am Mittwoch, 3. September 2008

Lieber Stefan, lieber André,
endlich sind wir an einem "Tabu" in unserer Kirche angekommen ...
Um bei diesem "heißen Eisen" klaren Kopf zu bewahren, empfehle ich uns allen, im Internet nachzuschauen (Spiegel-Online) und das mit dem Jesuiten und Psychotherapeuten Pater Kügler geführte Interview vom 25.11.05 intensiv zu studieren und zu würdigen.
Aber nun mein Beitrag als Betroffener dazu:
Lieber Stefan, wenns so einfach wäre mit dem Ausruf "lass die Kirche aus dem Spiel!". Einer der zentralen Trostworte unseres Herrn Jesus Christus heisst "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen!". Salopp ausgedrückt: nicht "die da oben" sind nur Kirche, sondern vorallem wir - Du und ich und wir alle, die wir im Alltag versuchen, christliches Leben in dieser zerrissenen Welt zu integrieren. Unser HERR will schließlich von denen, die ihm nachfolgen, nicht in erster Linie das Abarbeiten von Pflichten und Regeln, sondern uns, als Person; er will unser Herz!
Natürlich finde ich es richtig, wenn zwei Männer, die sich aufrichtig lieben, diese auch den Segen der "offiziellen" Kirche erhalten sollen - ganz im Sinne des Liebesgebotes Christi!
Aber das ist irgendwie zweitrangig.
Es ist wirklich müßig zu überlegen, was Jesus in dieser oder in einer anderen Situation getan hätte...
Auch in Dostojewskis "Großinquisitor" gibt er dem über Tod und Leben mächtigen Kirchenmann keine Antwort, sondern hört ihm die ganze Zeit über zu, steht dann am Ende des Monologs auf und -bevor er dem menschlichen Auge entzogen wird- küsst er die bleichen Lippen des 90jährigen Großinquisitors...
Wir müssen uns schon selbst mit unseren Unzulänglichkeiten und Schwachheiten auf den Weg machen; ganz wie Abraham, der allein auf Gottes Wort und Weisung hörte und somit auch zum Friedensstifter wurde...
Wir als Kirche sollen einzig und allein das lebendige Zeichen des Friedens und der Einheit sein (das wäre auch der beste "Beweis" für die Trinität des lebendigen Gottes!).
Der Weg der Nachfolge Christi hat überhaupt nichts mit Spass und Ausleben meines eigenen Trieblebens zu tun . nocheinmal die Orginalworte des HERRN "wer mir nachfolgen will, nehme täglich sein Kreuz auf sich...".... Das sollte auch für alle in der Gemeinschaft der Kirche Maß und Richtschnur in jedermanns eigenes Leben sein: täglich bereit sein, sein eigenes Leben (und den Tod) einzuordnen in das wahre Leben des gekreuzigten und auferstandenen HERRN!
Nur das und das Hören auf Gottes Wort (s. auch den Anfang der Regel des heiligen Benedikt) und dann dürfen wir als Christen darauf fest vertrauen, dass uns alles andere dazugegeben wird (kindliches Vertrauen, wie es uns ein Leben lang der selige Papst Johannes XXIII.) in aller Bescheidenheit und Güte vorgelebt hat.
Unser Leben auf dieser wunderbaren Erde ist Wanderschaft, also auch Verzicht und Abschied nehmen - aber am "Ende" steht die Freude der Kinder Gottes!

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von Stefan

am Dienstag, 2. September 2008

"Wenn du schwul oder lesbisch bist, dann bitte schön, aber lass Gott aus dem Spiel."
Sollte es da nicht eher heißen: "...,lass die Kirche aus dem Spiel"?

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