Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Selig ohne Ende

Liborius Verlagsgruppe Bayerisches Sonntagsblatt Liborius Magazin Liboriusblatt
Montag, 21. Mai 2012 Hermann Joseph , Erenfrid
Augenblicke|Nachrichten|Wissen|Unser Glaube|Specials|Forum|E-Cards|Spiele

Etappen Ihres Lebens: Taufe | Kommunion | Firmung | Ehe | Trauer

Drucken | Versenden | Mail an die Redaktion

glaubenslust – Der Tag


Selig ohne Ende

Die Bemühungen, Papst Pius XII. selig zu sprechen, sind erneut ins Stocken geraten. Die Rolle des Pacelli-Papstes während der nationalsozialistischen Judenverfolgung ist unter Historikern umstritten. Papst Benedikt XVI. äußerte bei einer Gedenkmesse zum 50. Todestag von Pius XII. die Hoffnung auf Rehabilitierung. Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann riet dagegen vor zwei Wochen zu einer „gewissen Pause“: Die Sache sei „hochsensibel“, und die Frage der Seligsprechung lasse sich mit etwas Abstand zur Urteilsfindung der Historiker besser verhandeln.

Schweigen, um Schlimmeres zu verhindern

Zur Erinnerung: Pius XII., der von 1939 bis 1958 auf dem Heiligen Stuhl saß, war alles andere als ein Feigling. Er rechnete mit seiner Verhaftung durch die Nazis; in seiner Schreibtischschublade lag eine Verfügung, die Kardinal Cerejeira von Lissabon in so einem Fall als kommissarischen Verwalter des Petrusamtes eingesetzt hätte. Er schwieg zur Judenvernichtung, weil er davon überzeugt war, ein offener Protest würde nicht nur wirkungslos sein, sondern auch eine Katholikenverfolgung schlimmsten Ausmaßes auslösen und zudem die vom Vatikan hinter den Kulissen betriebenen Hilfsmaßnahmen für die Juden behindern. Etwa die erfolgreiche Vermittlung jüdischer Emigranten in neutrale Gastländer oder die Unterbringung Verfolgter in Klöstern und Pfarrhäusern.

Ob diese Einschätzung des am 9. Oktober 1958 verstorbenen Papstes richtig war, darüber streiten die Historiker bis heute – seinen Charakter stellen sie nur selten in Frage. Pius ist ein großer Papst gewesen, ein leidenschaftlicher Friedensfreund, ein Förderer von Bibelwissenschaft und Liturgiereform. Aber muss man ihn deshalb gleich seligsprechen?

Die Botschaft der Seligsprechungen droht zu verblassen

Die Inflation von Selig- und Heiligsprechungsprozessen unter dem polnischen Papst Johannes Paul II. ist oft beklagt worden. Besonders schlimm ist diese ausufernde Entwicklung bei den Päpsten der letzten hundert Jahre: Für Pius XII. läuft der Seligsprechungsprozess, der von allen geliebte Johannes XXIII. (1958 – 1963) wurde im Jahr 2000 seliggesprochen – gemeinsam mit dem umstrittenen Pius IX. aus dem 19. Jahrhundert.

Für den nächsten Petrusnachfolger, Paul VI. (1963 – 1978), läuft der Seligsprechungsprozess, ebenfalls für Johannes Paul I. (1978) und für Johannes Paul II. (1978 – 2005), den manche jetzt schon „Karol den Großen“ nennen.
Zweifellos alles herausragende Persönlichkeiten, jeder hatte sein besonderes Charisma. Bei jedem sprechen gute Gründe für die öffentliche Erklärung, dass sein Leben geglückt, bei Gott angekommen und ein nachahmenswertes Beispiel christlicher Existenz ist (nichts anderes sagt eine Selig- oder Heiligsprechung aus). Aber wenn in Zukunft jeder Papst kurz nach seinem Tod in den Seligen- oder Heiligenhimmel aufgenommen werden sollte, müsste die dahinter stehende Botschaft verblassen.

Schlimmer noch: Würde der scheinbare Automatismus doch einmal durchbrochen, sagen wir in zwanzig Jahren bei Papst Benedikt XVI.,  müsste man sich fragen, was denn so schlecht an der Amtsführung des Übergangenen war. Am Ende gälte er als schwarzes Schaf unter den Kollegen mit Heiligenschein.
Nein, da sollte man lieber die Kirche im Dorf lassen – sogar im Vatikan.

Christian Feldmann




Übermittlung Ihrer Stimme...
2.3 (3 x bewertet)


Die Kommentare der Liborius-User:


von Willy Reiter

am Freitag, 10. Oktober 2008

Danke, Herr Feldmann, für den gediegenen Beitrag und manche Ihrer Einlassungen verraten den Kenner dieser sensiblen Materie...
Was soll der katholische Christ über den Pacelli-Papst wirklich denken?
Lassen wir mal die verlogene und unseriöse Schrift "Der Stellvertreter" von Hochhuth locker auf der Seite - irgendwann einmal wird sie zur Fußnote verkommen sein, genauso wie das ganze giftige Machwerk des K.H. Deschner.
Zeitzeugen wie die unverdächtige damalige israelische Außenministerin Golda Meir fügten beim Ableben dieses Papstes mit Nachdruck hinzu, er sei "ein Gerechter der Völker gewesen" und hat direkt und indirekt geholfen, dass viele tausende unserer jüdischen Brüder und Schwestern vor der "Endlösung" bewahrt worden sind - das ist eine objektive historische Wahrheit!
Wahrheit ist aber auch (und nun muß man sich redlicherweise in die Denkweise der damaligen Zeit hineindenken - hier der freie Westen, dort der eiserne Vorhang und dahinter der gottlose Kommunismus), dass in ganz besonderer Weise -leider!?- auch Menschen diesem Papst indirekt ihr Leben verdanken, die mit vielen Schatten behaftet waren (zuvörderst Deutschland und Kroatien, aber auch Italien). Ich erwähne nur zum besseren Verständnis meiner Einlassung das Stichwort "Rattenlinie", wo bei diesem Projekt u.a. der Vatikan, Argentinien und die CAI in vorzüglicher Weise jahrelang zusammengearbeitet haben. Dies wirft durchaus einen gewaltigen Schatten auf den Pacelli-Papst und auch auf seinen engsten Mitarbeiter, G.B. Montini, den späteren Papst Paul VI.
Trotzdem war der Pacelli-Papst der einzigrichtige Papst für diese schlimme Zeit, in der man oft nur zwischen Pest und Cholera wählen konnte. Und nach dem Krieg gab es z.B. in Deutschland eine intakte Hierarchie und offene Kirchen (wenn auch oft Ruinen), in der die verwirrten und verwaisten Menschen Trost und Hoffnung finden durften. Deutschland hat Papst Pius XII. sehr viel zu verdanken - immerhin einer der großen Wegbereiter, der das zerstörte Deutschland wieder in die Völkergemeinschaft führte.
Manche sagen: mit dem "papa angelicus" ist der letzte Priesterkönig der Kirche gestorben. Das stimmt, wenn man ihn mit seinem Nachfolger vergleicht, der selbst einmal darüber schmunzelnd bemerkte "ich bin nicht so schön wie mein Vorgänger, schaut nur auf meine großen Ohren; aber ihr werdet es gut bei mir haben"...
Und: Stichwort "Nepotismus" - ein Übel, das man als längstausgerottet sah, aber was war da (Herr Feldmann weiß sicherlich hier mehr als Insider!). Die Pacellis entstammen einem alten römischen Adelsgeschlecht (päpstlicher Adel - s. Kirchenstaat) und im päpstlichen Rom der 50iger Jahre war schon ein rechter Prälatenmief, an dem sich Pasolini und Fellini abarbeiten konnten. Und da war ein Pacelli-Neffe, der doch sehr nah und vertraut in der Nähe des einsamen Papstes lebte und wirkte...
Also - Fazit: lassen wir die Sache mit der Serie von Selig- und Heiligsprechungen von Päpsten; natürlich haben diese die exklusivste Lobby und geben wir als Katholiken den protestantischen Geschwistern hier keine Gelegenheit, sich deswegen halbtodlachen zu müssen - jeder gestandene Katholik könnte auch hier zum Kopfschütteln kommen. Ja, ein Typ wie Franz Jägerstätter, der ist was zum Anbeißen, da kann man sich als einfacher und gemeiner Christ echt aufrichten...

Übermittlung Ihrer Stimme...
4.7 (3 x bewertet)
 

von david-ho-zehnter@gmx.de

am Donnerstag, 9. Oktober 2008

"Selig die Barmherzigen ...."
Selligpreisungen ... Seligsprechungen -
Überbeides lässt sich meditieren ...

Wann wird die erste katholische Hausfrau, Ehefrau und Mutter ihrer Kinder selig gesprochen ? -

Wenn Päpste Päpste heiligsprechen, die auch schon Päpste heiliggesprochen haben, dann zeigt das doch
etwas von der wunderbaren Fülle des Papsttums. - - -

Laudetur Jesus Christus sagt dazu Bruder david

Übermittlung Ihrer Stimme...
2.0 (1 x bewertet)
 
 

Ihre Meinung zu diesem Thema (Sie müssen nicht angemeldet sein):

Ins Gästebuch eintragen
  (wird nicht angezeigt)
(* Pflichtfeld)

Das Beste aus der katholischen Erlebniswelt