Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Spiderman

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Montag, 21. Mai 2012 Hermann Joseph , Erenfrid
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Glosse

Spiderman

Eine Glosse von Klaus Späne

Foto: YouTube

Unser Papst ist, salopp gesagt, ein  ziemlich cooler Typ. Da krabbelt minutenlang eine schwarze Spinne auf der linken Schulter des Heiligen Vaters herum, verschwindet kurz in seinem Nacken, um dann auf der rechten Seite seiner Schulter wieder aufzutauchen. Und was macht Benedikt? Verzieht bei dem nervösen Herumgeturne des Achtbeiners keine Miene. Nur als das Tierchen beginnt, das päpstliche Gesicht hochzuklettern und das Ohr erreicht, wischt er es mit einer kurzen, lässigen Handbewegung beiseite. So geschehen am Wochenende auf der Prager Burg bei einer Rede vor rund 1000 Vertretern von Politik, Gesellschaft und Kirche.

Es war der erste Besuch Benedikts in Tschechien, und dieser dürfte in die Annalen der päpstlichen Auslandsreisen eingehen. Auf jeden Fall räumten tschechische Medien der Spinne, die über den Papst „gepilgert" sei, ebenso viel Platz ein wie der Rede. Der Nachrichtensender CT 24 etwa schrieb auf seiner Internetseite: „Von einer ähnlichen Erfahrung träumen Millionen Gläubige in der gesamten Welt." Na, wie gut, dass Benedikt aus einem anderen Holz geschnitzt ist als andere Staatsoberhäupter. Man denke nur an Vladimir Putin, der sich gerne mit nacktem Oberkörper beim Angeln oder mit einer Jagdknarre in der Hand fotografieren lässt. Kaum vorstellbar, dass der auf Kuschelkurs mit der Fauna ist. Oder US-Präsident Barack Obama, dem vor ein paar Monaten während eines Fernsehinterviews eine Stubenfliege zu nahe kam. Obama murmelte zunächst noch ein „hau ab hier" und verscheuchte das Insekt mit der Hand. Als die Fliege der Aufforderung nicht nachkam, verfolgte er den Flug des Tieres mit zusammengekniffenen Augen - und schlug dann mit einem lauten Klatschen auf seine linke Hand…

Man stelle sich das Echo vor, hätte Benedikt die körperliche Unversehrtheit der Spinne angetastet. Wäre wohl nicht so gut gekommen als Oberhaupt einer Religionsgemeinschaft, deren Vorväter einst extra eine Arche bauten, um sämtliche Kreaturen der Erde zu retten und in der ein Franz von Assisi zu Vögeln sprach. Aber Benedikt ist wohl auch persönlich anders gepolt als Vladimir und Barack. Erinnert sei an eine Aussage aus dem Jahr 2002, als er sagte „auch Tiere sind Geschöpfe Gottes“.  Und während eines Besuchs in Australien anlässlich des Weltjugendtags in Sydney sah man beim zärtlichen Koala-Streicheln.

Heiliger Kater

Noch berühmter aber ist sein Verhältnis zu Chico, der als „Papstkater“ zu Berühmtheit gelangte. Chico war die Nachbarskatze von Josef Ratzinger in Pentling bei Regensburg. Die Beziehung der beiden muss so innig gewesen sein, dass Chico nicht nur des Öfteren auf dem damaligen Kardinalsschoß saß, sondern später Karriere als Star des Kinderbuchs „Joseph und Chico“ machte. Man darf also gespannt sein, welche Fortsetzung die Prager Begegnung findet.  Eine erste gibt es bereits beim Videoportal YouTube zu besichtigen. Und die Ehrenmitgliedschaft in der Deutschen Arachnologischen Gesellschaft, also dem Verband der Spinnenliebhaber, dürfte Spiderman Benedikt auch sicher sein.     

 


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