Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Afrika vor der Fußball-WM

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Montag, 21. Mai 2012 Hermann Joseph , Erenfrid
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Afrika vor der Fußball-WM

 

In der Abseitsfalle

Nach dem Attentat auf die Fußballer aus Togo läuft Afrika einmal mehr Gefahr, als Kontinent der Gewalt abgestempelt zu werden

Am 8. Januar sahen sich die heimischen Afrika­experten in ihren Fernsehsesseln wieder einmal bestätigt: Den Afrikanern ist es nicht gegeben, Großereignisse unfallfrei durchzuziehen, weil Afrikaner ganz einfach von Natur aus dazu nicht in der Lage sind, eine vernetzte Logistik aufzubauen und den nötigen Sicherheitsrahmen zu gewährleisten. Cabinda-Rebellen beschossen die beiden Busse der Fußballnationalmannschaft von Togo und töteten drei Menschen. Die Togolesen wollten vom Trainingslager zu ihrem Spielort in der angolanischen Provinz Cabinda. Doch ihr Traum von der Teilnahme am Afrika-Cup starb im Kugelhagel. Die können es einfach nicht, die Afrikaner, winkt müde der Wissende ab.

Machtgierige Staatsführer, korrupte Eliten

Doch so dramatisch die Analyse der afrikanischen Wirklichkeit auch ist – fast durchgehend ebenso unfähige wie machtversessene Staatsführer, korrupte Eliten und infolgedessen marode Staatswesen, in deren nicht vorhandenen Strukturen sich Ganoven aller Länder auf Kosten der einfachen Bevölkerung bereichern –, trotz des üblen Befundes leben auf diesem Kontinent Menschen mit einer unglaublichen Vitalität.

Der Überfall in Cabinda taugt nicht, die Afrikaner generell der Unfähigkeit zum Management und der Lässigkeit im Umgang mit dem Terror zu bezichtigen. Fast weltweit nehmen heute Extremisten Unschuldige als Geiseln oder töten sie im Namen irgend­einer Ideologie. Und wer bei Sportlern zuschlägt, kann eben mit einem vielfach höheren Medienecho rechnen.

Die Fußballbegeisterung der Afrikaner ist ungebrochen

Außer in diesen internationalen Gepflogenheiten aber haben die Schüsse auf die Togolesen auch regionale Wurzeln. Die Kolonialmacht Portugal wollte Cabinda als eigenen Staat in die Unabhängigkeit entlassen, doch das gerade erst entkolonialisierte Angola besetzte es 1975. Die Kongokonferenz 1885 in Berlin hatte es für eigenständig erklärt. Erst seit 1956 verwaltete Portugal beide Gebiete gemeinsam. Neben territorialer Großmannssucht lockt die Angolaner in Cabinda das Schwarze Gold. Rund achtzig Prozent der Erdöleinnahmen Angolas sprudeln aus der Region. Angolas Eliten verschieben Milliarden Dollar ins Ausland, doch die Bevölkerung Cabindas darbt. Dagegen kämpft die „Befreiungsbewegung für die Enklave Cabinda“ (FLEC), die auf die Busse der Fußballer feuerte.

Drei Menschen töteten und die Träume Tausender zerfetzten sie. Aber sie konnten weder den Afrika-Cup zerstören noch die Fußballbegeisterung der Afrikaner. Sie üben mit einem Stoffball auf Urwaldlichtungen oder in Slums, aber von dort bringen sie höchste Spielkunst in die europäischen Spitzenligen, die ohne ihre dunkelhäutigen Stars oft nur einen besseren Dorfkick abliefern könnten.

Pater Roger Gerhardy

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