Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Piusbrüder: Ein Jahr danach

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Piusbrüder: Ein Jahr danach

 

Vor einem Jahr: Piusbrüder
stürzten Papst in die Krise 

Benedikt XVI. reichte den Piusbrüdern die Hand – die Folge war eine Welle der Empörung und des Protests in der Öffentlichkeit. Ist die Versöhnung nun einen Schritt weiter? Nach jüngsten skandalträchtigen Äußerungen von Traditionalisten bleibt das zu bezweilfeln

Foto: ddp news

Die Kirche wird gerne als Schiff dargestellt. Über dieses Schiff brach vor genau einem Jahr ein Sturm der Empörung und des Unverständnisses herein. Es ging dabei um einen Teil der Mannschaft, der vor Jahrzehnten gemeutert hatte und auf einer abgelegenen Insel gestrandet war: die Priesterbruderschaft St. Pius X. Es wurde bekannt, dass einer ihrer Anführer, Bischof Williamson, den Holocaust geleugnet hatte. Just zu einem Zeitpunkt, da der Vatikan die Hand nach den Brüdern ausgestreckt hatte. Alarmiert begann die Öffentlichkeit, sich mehr mit der
Gemeinschaft zu beschäftigen. Und erinnerte sich, dass die „Traditionalisten“ alte Gottesdienst-Traditionen mögen, aber keine Juden. Nicht nur Kirchengegner fragten sich, weshalb der Papst ausgerechnet solche Brüder in seinem Glauben wollte. Binnen Tagen schwoll der Sturm der Entrüstung an. Manche befürchteten, das Schiff würde auf Grund laufen, einige hofften es wohl auch. Im Februar 2009 titelte der „Spiegel“: „Ein deutscher Papst blamiert die katholische Kirche“. In seinem Jahresrückblick spricht das Magazin nur noch von einem „Betriebsunfall“. Was ist in der Zwischenzeit geschehen?

Der Papst ist ein Fels  im Guten wie im Schlechten

Nicht viel. Zwar musste der Heilige Stuhl Fehler einräumen und strukturelle Veränderungen in der Vatikan-Bürokratie vornehmen. Die Gespräche mit den Lefebvristen laufen allerdings weiter, und auch die Piusbruderschaft irrt unbeirrt umher in ihrer Welt aus Reaktionismus und Ressentiment. Das Einzige, was diese Krise gebracht hat, ist die Bestätigung, dass auch ein zweites Bild stimmt: das vom Papst als Felsen, im Guten wie im Schlechten.

Schlecht ist, dass die Kirche die notwendigen Reformen der Kurie auch nach den Irritationen nicht eingeleitet hat. Die Verwaltung bleibt veraltet, und die Informationspolitik lässt nach wie vor zu wünschen übrig. Ändern wird sich das nicht so schnell. Der Fels Benedikt XVI. bewegt sich kaum.

Andererseits hat der Fels Standhaftigkeit bewiesen. Der Papst hielt sich konsequent daran, nicht der öffentlichen Meinung, sondern den eigenen Werten zu folgen. Man kann Benedikt XVI. einiges vorwerfen, aber sicher nicht, er sei ein Opportunist. Sein Verhalten mag bisweilen stur und schwerfällig wirken. Nach unseren Maßstäben – und die sind nicht zwangsläufig richtig. Nur weil die Uhren im Vatikan anders gehen, heißt das nicht, dass sie falsch laufen. Das zeigt die Situation heute. Man kann die Gespräche mit der Piusbruderschaft ablehnen, weil die Gemeinschaft antijudaisch ist und Grundlagen der modernen Kirche wie das Zweite Vatikanische Konzil ablehnt.

Der Vatikan kann seine Strategie weiterverfolgen

Doch es ist bewundernswert, wie der Heilige Vater seinen Weg weitergeht. Er hat die Hand ausgestreckt und auch nicht zurückgezogen, als ihm viele auf die Finger schlagen wollten. Nun müssen der Papst und seine Berater genauso bestimmt bleiben. Wenn der Vatikan schon mit den Piusbrüdern verhandelt, dann wenigstens zu den eigenen Bedingungen. Das bedeutet vor allem, dass die Forderungen, das Zweite Vatikanum vollständig anzuerkennen, nicht aufgeweicht werden.

Dazu sind die Lefebvristen aber nicht bereit. Zwar hat Pater Franz Schmidberger, das Oberhaupt der deutschen Piusbrüder, Papst Benedikt XVI. für die Aufhebung der Exkommunikation gedankt. Doch gleichzeitig beschimpfte Schmidberger die deutschen Bischöfe und demonstrierte Unversöhnlichkeit. Den wichtigen Besuch des Papstes in der römische Synagoge lehnten die Traditionalisten ab und zeigten damit, dass sie nach wie vor nicht von ihrem Juden-Hass lassen wollen. Und schlussendlich will Skandal-Bischof Williamson seine Aussagen zum Holocaust immer noch nicht widerrufen, nicht einmal ein klein wenig Einsicht zeigt er. Im Gegenteil: Die Treffen des Vatikans mit den Piusbrüdern bezeichnete er als "Dialog der Taubstummen" und erklärte die Lehre des Heiligen Stuhls und die Ansichten der Lefebvristen als unvereinbar. 

Das alles beweist, dass im Konflikt mit der Piusgesellschaft noch lange kein Land in Sicht ist. Der Vatikan kann deshalb seine Strategie weiterverfolgen: Güte zeigen und Gespräche führen. Denn solange sich die Piusbrüder nicht ändern, bleibt alles unverändert. Die Meuterer werden weiter auf ihrer Insel sitzen – während das Schiff ohne sie weiterfährt. 


Simon Biallowons

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Die Kommentare der Liborius-User:


von StefKram

am Freitag, 5. Februar 2010

Ja, die Protestanten waren ja bis zur Reformationszeit innerhalb der katholischen Kirche und hatten natürlich bis zu diesem Zeitpunkt alle vorherigen Konzilen angenommen. Das die evangelische Kirche in Deutschland heute diese Konzilien annehmen soll erscheint mir aufgrund ihres Grundsatzes Sola scriptura, der die Tradition negiert, der Ablehnung der Verehrung der Heiligen und Mariens, dem Sakramentenverständnis und vielen weiter Punkten sehr verwunderlich, ja eigentlich total widersprüchlich! Haben Sie Quellen, die diesen Widerspruch näher erläutern und entkräften können.
Denn schließlich ist das ja auch der Ausgangspunkt durch dem Sie mir dann eine Inkonsequenz in der Argumentation anhängen wollen.

Eine subjektive Sympathie bzw. Antipathie als Kritierium für die eigene Positionierung heranzuziehen ist grundsätzlich schlecht. Fast noch schlimmer ist es von den Verfehlungen eines Individuum auf eine ganze Gruppe zu schließen. Aber das machen Sie indirekt und genau das wurde ja auch hier im Bericht gemacht, wenn die Piusbruderschaft unter verdrehte Darstellung der Tatsachen einfach der Juden-Hass unterstellt wird.

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von Phillip

am Montag, 1. Februar 2010

Schön, dass Sie das Recht auf ihrer Seite haben!
Sie werfen den Protestanten vor, dass sie kein einziges Konzil anerkennen würden(was unwahr ist: Die evangelischen Kirchen in Deutschland erkennen bspw. alle Konzilien bis zum zweiten Konzil von Nicäa (787) an), gestehen aber genau dieses Recht (Die Ablehnung von Konzilien) dann der Piusbruderschaft in Bezug auf das II. Vatikanische Konzil zu, welches Sie möglicherweise selbst missbilligen. Mit Verlaub, aber Ihre Argumentation ist nicht konsistent. Die Piusbruderschaft macht hier nichts anderes als es die Protestanten machen. Sie nehmen nur das an, was ihnen passt und lehnen das ab, was ihrem Verständnis von der christlichen Religion bzw. von Kirche widerspricht nur eben von ganz anderen Seiten. Das mag man nun bewerten wie man möchte, ich sehe da keinen Unterschied. Nur sind mir die Piusbrüder mit ihrer Hetze (Williamson leugnete erneut den Holocaust) eine höchst unsympathische Vereinigung, die der Kirche massiv schaden.

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von StefKram

am Samstag, 30. Januar 2010

Ich finde es erschreckend und traurig, das dieser Artikel so einseitig, ja fast schon polemisch gegen die Pius-Bruderschaft hetzt und andererseits die moderne zweifellos in den letzten 40 Jahren "verprotestantisierte" katholische Kirche hochleben lässt (ja, fast schon feiert) und das obwohl man schon blind sein müsste um nicht festzustellen, dass sich die katholische Kirche in einer schweren Krise befindet und fast alle Argumente der Pius-Bruderschaft diesbezüglich einfach nur stichhaltig begründet und gerechtfertigt sind!

"Den wichtigen Besuch des Papstes in der römische Synagoge lehnten die Traditionalisten ab und zeigten damit, dass sie nach wie vor nicht von ihrem Juden-Hass lassen wollen."

Polemik und Verdrehung pur! Es geht nicht um Antisemitismus, sondern um das Verhältnis gegenüber anderen falschen Religionen allgemein. Die Pius-Bruderschaft ist genauso gegen Moscheebesuche mit "Koran küssen" und Besuche von Hindu-Tempel mit Teilnahme an den Riten (z. B. Segnung) durch die Päpste!

Interessant ist auch wie viele Kompromisse zu Gunsten christlichen Gemeinschaften gemacht wurden, die weder Papst, noch Rom, noch irgendein Konzil anerkennen! Ich rede hier von den Kompromissen zugunsten der evangelischen Kirche, die da wären z. B. Teilnahme am 2. VK als Berater, Umgestaltung der Liturgie (Zelebration jetzt Richtung Volk) und katholischen Kirchen (Bau von Volksaltären ohne Tabernakel und Reliquien), sowie eine gemeinsame Bibelübersetzung damit gemeinsame Gottesdienste möglich wurden. Warum werden so viele Kompromisse zu Gunsten der Protestanten gemacht, die den katholischen Glauben, insb. das Verständnis der Messe als Opfer und die Erfurcht vor dem allerheiligsten Altarssakrament aufgeweicht haben? Gegenüber der Pius-Bruderschaft scheint jedoch nicht der kleinste Kompromiss möglich, obwohl diese im Gegensatz zu der evangelischen Kirche Rom, den Papst und fast vollständig auch das 2. VK anerkennen. Wenn hier keine Einigung möglich ist, wie sollte jemals die noch weiter vom katholischen Glauben entfernten christlichen Gemeiden (Orthodoxe, Anglikaner, Evangelische Gemeinden) zu Rom finden! Das sollte man sich mal ernsthaft fragen, bevor man einseitig und polemisch gegen die zweifellos katholische Pius-Bruderschaft hetzt! Und Ja, die katholische Lehre aufzuweichen, ja "verprotestantisieren" ist eine fatale Fehlentwicklung, die die Pius-Bruderschaft völlig zu Recht kritisiert.

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