Hochmut kommt vor dem Fall. Die alte Volksweisheit, die das biblische Bild des Größenwahns und der Strafe Gottes aufgreift, hat sich wieder einmal bewahrheitet. Im Januar wurde der Burj Chalifa eröffnet, der Turm zu Dubai, der mit seiner Höhe von 828 Metern alle Wolkenkratzer der Welt in den Schatten stellt. Der Reichtum des Landes gipfelt seit Jahren in luxuriöser Gigantomanie. Mit dem Burj Chalifa wurde sie auf die Spitze getrieben. Das Emirat wollte höher hinaus als alle anderen – und fiel tief. Mittlerweile steckt Dubai in schweren Geldnöten. Vom Boomstaat führte der Weg direkt zum Krisenkandidaten. Die höchsten Türme der Welt waren immer ein Symbol für Wohlstand und das Streben nach Anerkennung. Ein Denkmal aber auch für Protz und Neid. Doch letztlich wurden sie alle zu Mahnmalen der Flüchtigkeit. In einer Reihe stehen sie mit Nimrods Turmbau zu Babel. Auf jedes Gebäude der Superlative folgte prompt eine Wirtschaftskrise. Der Ökonom Andrew Lawrence entwickelte daraus den Skyscraper-Index. Damit werden die gen Himmel strebenden Beton- und Stahlriesen zu Wahrzeichen dafür, dass der Griff nach den Sternen doch meist am Boden endet.
Rosina Wälischmiller