Die Pressemeldung war kurz: Der Fernsehsender Pro Sieben wird ab 18. Januar 2010 die Serie „50 pro Semester“ ausstrahlen. Der Inhalt: Fünf Studenten müssen in 180 Tagen mit je 50 Partnern ins Bett gehen, um den Wettbewerb zu gewinnen. Die Reaktionen darauf waren heftig – auch in der LiMa-Redaktionssitzung wurde energisch diskutiert. Das waren die Meinungen:
– Diese Serie sollte man nicht kommentieren. Fernsehkritiken zu einem solchen Thema wirken oft aufgesetzt und scheinheilig.
– Nein! Es ist unsere Pflicht, auf moralische Missstände und Grenzübertretungen hinzuweisen. Und „50 pro Semester“ übertrifft bei Weitem alles, was bisher zu sehen war!
– Das Konzept ist doch überhaupt nicht neu, und es wird auch keine weitere Grenze überschritten. Es gibt viele Filme, die sich nur darum drehen, dass Männer möglichst viele Frauen ins Bett bekommen.
– Aber es besteht ein Unterschied zwischen einem Film und einer Serie. Eine Serie läuft länger und kann so mehr Einfluss ausüben. Das gilt vor allem bei Doku-Serien wie in diesem Fall.
– Das ist gar keine Doku-Serie. Sie hat mit der Realität nichts zu tun. Die Handlung ist erfunden und stammt aus einem Drehbuch. Die Studenten sind Schauspieler, die damit ihr Geld verdienen.
– Aber es wird suggeriert, dass es sich um spontane Begebenheiten handelt. Daher besteht die Gefahr, dass manche Zuschauer den Unterschied nicht erkennen. Außerdem soll die Serie um 16 Uhr ausgestrahlt werden. Da sitzen auch Kinder und Jugendliche vor dem Fernseher!
– Das Format ist seit Reihen wie „Die Abschlussklasse“ etabliert, und die Zuschauer erkennen, dass es sich um Fiktion handelt.
– Ganz grundsätzlich transportiert die Serie die Botschaft: „Wer am meisten Sex hat, ist der Tollste.“ Damit werden Menschen zu reinen Sexobjekten degradiert. Dazu muss man sich als katholisches Magazin einfach äußern …
Eine Stunde nach der Redaktionssitzung meldet die Katholische Nachrichtenagentur, dass Pro Sieben die Serie „50 pro Semester“ auf unbestimmte Zeit verschoben hat. Einer der Gründe seien die heftigen Proteste der Kirchen gewesen.