Am 30. Juni wählt die Bundesversammlung den Bundespräsidenten. Vier Kandidaten gibt es, nur zwei kommen wirklich in Frage: Christian Wulff, Ministerpräsident von Niedersachsen und Kandidat der Koalition. Er tritt an gegen Joachim Gauck. Der Bürgerrechtler und ehemalige Stasi-Beauftragte geht für die SPD und die Grünen ins Rennen. Dass Gauck Protestant ist und Wulff Katholik, spielt bei der Wahl keine Rolle. Es geht darum, wem wir uns lieber anvertrauen würden in diesen Krisenzeiten. Wer das deutsche Volk repräsentieren und leiten soll. Es geht um die Frage: Wer ist der bessere Präsident?
Christian Wulff ist sicher kein schlechter Politiker und wäre auch kein schlechter Präsident. Nur: Er wäre nicht so gut wie Joachim Gauck. Papst Benedikt XVI. warnt vor einem Relativismus der Werte. Ein Christ darf nicht opportunistisch sein. Zwar kann er seine Überzeugungen überdenken und muss sie vielleicht auch manchmal korrigieren. Aber er darf sie nicht einsetzen, wie es passt. Christian Wulff hat stets damit kokettiert, ihm fehle für die Spitzenpositionen in der Politik „der unbedingte Wille zur Macht“. Abgenommen hat ihm das kaum einer. Zu Recht, wie Wulffs Kandidatur als Bundespräsident zeigt.
Gauck hat Mut und Standhaftigkeit bewiesen
Joachim Gauck dagegen ist alles, nur nicht opportunistisch. Das bewies er gerade erst wieder in einem Interview, in dem er die Linkspartei kritisierte. Wäre er ein Taktiker, hätte er die Genossen umgarnt, schließlich braucht er ihre Stimmen. Stattdessen sagte er: „Der Linkspartei fehlt die programmatische Verlässlichkeit.“
Gauck zeigt eine beeindruckende Unbeeindrucktheit von Autoritäten und Beeinflussungen. Er war Pastor in der DDR, also Geistlicher in einer antireligiösen Diktatur. Dazu braucht es viel Mut und noch mehr Standhaftigkeit. Tugenden, die für das Amt des Bundespräsidenten unverzichtbar sind. Ohne Mut ist der höchste Mann im Staat ein Papiertiger. Ohne Kraft kann der Präsident die verfassungsbedingte Schwäche seines Amtes nicht ausgleichen und scheitert. Joachim Gauck hat sich immer wieder mutig gegen das Honecker-Regime gestellt und alle Angriffe standhaft ausgehalten.
Ein Kämpfer für das kostbarste Geschenk Gottes
Vor allem aber ist Gauck ein Kämpfer für die Freiheit des Einzelnen, die nach christlichem Glauben das kostbarste Geschenk Gottes ist. Nach der Wende wollte er als Stasi-Aufklärer die Wahrheit ans Licht bringen – auch das ein zutiefst christliches Anliegen. Christen sollen wahrhaftig, also ehrlich und ihrem Glauben gemäß leben. Sie sollen die Wahrheit nach außen vertreten. Nicht umsonst lautet der Wappenspruch Benedikts XVI. „Mitarbeiter der Wahrheit“. Joachim Gauck ist so ein „Mitarbeiter der Wahrheit“.
Simon Biallowons