Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Braucht die Kirche den Zölibat?

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Braucht die Kirche den Zölibat?

 

Patt oder Matt?

Erzbischof Schick (Foto: Fotofinder)
Was Bischöfe jüngst über den Zölibat sagten: Klicken Sie auf das Bild!

Erzbischof Zollitsch aus Freiburg hat es getan, Erzbischof Schick aus Bamberg und nun Bischof Iby aus dem Burgenland: Sie alle haben klargestellt, dass der Zölibat nicht theologisch verpflichtend sei. Man dürfe über ihn diskutieren – und das tut die Gesellschaft.

Die Gegner des Zölibats sagen oft, dass er nicht durch die Bibel belegt werden kann. Im Gegenteil: Sogar die Apostel seien verheiratet gewesen. Beides stimmt. Es findet sich keine Stelle in der Heiligen Schrift, die den Priesterzölibat anordnet. Der Zölibat ist eine menschliche Festlegung, das ist richtig. Für viele Kritiker ist er deshalb Willkür.

Für die katholische Kirche zählt auch die Tradition

Nicht richtig ist, dass der Zölibat mit dem Verbot der Priesterehe durch das Zweite Laterankonzil 1139 wie aus heiterem Himmel über die Geistlichen hereingebrochen wäre. Die Kirche stellte sich nicht einfach hin und zerstörte Tausende Existenzen. Schon zuvor hatte sich die keusche Lebensform verbreitet, Kirchenväter hatten sich dazu geäußert. Das ist wichtig, denn für die katholische Kirche gilt nicht nur die Schrift, sondern auch die Überlieferung, die Tradition. Das Konzil von Trient hat festgestellt, dass man sich halten müsse an die „Überlieferungen selbst, sowohl die, welche den Glauben, als welche die Sitten betreffen.“ Und schon der Apostel Paulus spricht über Keuschheit und stellt die Ehelosigkeit in seinem ersten Brief an die Korinther sogar als die bessere Wahl dar (1 Kor 7,32 ff.).

Von der Keuschheit zum Pflichtzölibat ist es jedoch kein kleiner Schritt. Da hilft es nichts, dass die Kirche das Etikett „Pflichtzölibat“ zumeist ablehnt und auf die freiwillige Entscheidung der Kandidaten verweist. Das ist formal richtig, aber de facto Augenwischerei. Wenn der Mann das Zölibatsversprechen ablegen muss (kein Gelübde wie das der Ordensleute!), weil er sonst nicht Priester werden kann, ist das im wahrsten Sinne des Wortes eine verpflichtende Bedingung.Für diese Bedingung gibt es keine theologische Begründung, die in der Bibel steht. Argumente in der Überlieferung und der Tradition finden sich dagegen durchaus. Es handelt sich um ein Patt, aus keiner Position kann eine Entscheidung direkt abgeleitet werden.

Wer könnte das Zölibat abschaffen?

Bleibt die Frage, wer das Zölibat abschaffen könnte. Nach Erzbischof Zollitsch, der den Zölibat nicht für sakrosankt erklärte, könnte das nur ein Konzil aller Bischöfe. Doch darf ein Konzil den Zö­libat aufheben, der für viele Glaubensbrüder selbstverständlich geworden ist? Für Ordensleute ist das Gelübde der Ehelosigkeit sogar Teil der Berufung. Wenn man über den Zölibat diskutiert, ist entscheidend, was er für viele Priester bedeutet. Nur wenn für sie eine Änderung denkbar wäre, sollte man ein Konzil in Erwägung ziehen. Denn eine Entscheidung ohne den Rückhalt derer, um die es geht: Das wäre Willkür.

Simon Biallowons




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Die Kommentare der Liborius-User:


von C.H.

am Dienstag, 1. Juni 2010

Die Ehe ist eines der höchsten Güter, und dieses Glück wird den Priestern verwehrt. Wenn ein Mann diesen Beruf ergereifen will, dann muß er sich vorher entscheiden, ob er auf dieses Glück verzichten will. Falls er sich dafür entscheidet: Dieser Entschluß ist KEINE !!! Entschuldigung, sich an Kindern zu vergehen !!! Falls Priester untereinander einen Kontakt pflegen wollen, ist das deren Wille, jedoch vollkommen unnatürlich !!!

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von C.K.

am Montag, 31. Mai 2010

Wer leidet unter dem Priestermangel?
Die gesamte Kirche mit all ihren Gliedern. Warum sonst werden die Gläubigen immer wieder angehalten, um Berufungen zu beten?
Es leiden die Messdiener, die es in der Regel nur noch selten erleben, dass ein Priester zu ihnen in die Messdienerstunde kommt.
Es leiden alle Jugendlichen, die sich zur Kirche halten möchten, weil unser Klerus ein Durchschnittsalter hat, das von ihnen sehr weit weg ist. Sie erleben Priester im Großvateralter, die nicht mehr ihre Sprache sprechen, weil sie einfach in verschiedenen Welten leben. In den großen Pfarreiengemeinschaften dienen sie die Messe bei einem Zelebranten, der sie nicht persönlich kennt, weil er in drei oder fünf Pfarrgemeinden eingesetzt ist. Wie kann da Beziehung wachsen, die einer Berufung förderlich ist.
Priester fehlen in den Schulen, in denen vielleicht einmal ein Priester die Hl. Messe liest, aber nicht die Zeit hat zur Vorbereitung zu kommen und mit einer interessierten Schülergruppe über das Evangelum zu sprechen, wirklich mit ihnen zu sprechen.
Priester fehlen als Ansprechpartner mit Zeit für all die Kommunion- und Firmkatecheten, die sich ehrenamtlich engagieren, aber theologische Nachhilfe oder seelsorgliche Begleitung bräuchten, weil Ihnen selbst Glaubensfragen kommen.
Priester fehlen, weil wir in einigen Jahren eine große Zahl von Pfarrgemeinden auflösen müssen, weil es ohne Pfarrer nach kath. Kirchenrecht keine Pfarrgemeinde gibt. Gemeinden mit mehr als 10.000 Gläubigen können aber kaum noch Gemeinde im Sinne von Gemeinschaft sein.

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von hendrik

am Montag, 31. Mai 2010

Welch ein Schatz an Charismen geht der Kirche verloren,weil krampfhaft und neurotisch an Zwangszölibat festgehalten wird. Warum nicht eine Freiwilligkeit halten, und diese auf Zeit? wenn ein Priesterkandidat seine Berufung auf zölibatäre Weise leben will und kann, so möge er dies mit freude tun. warum jedoch, so frage ich stellvertretend für so viele Katholiken, stößt man "Gestrauchelte" = ehrliche Nichtzölibtäre als Unerwünschte und mit Brandmal versehen hinaus aus der Gemeinschaft Christi? Beenden wir doch kleinkariertes Denken!!

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von Urban

am Montag, 31. Mai 2010

Zum Glück wird niemand zum zölibatären Leben gezwungen !
Ich frage mich: Aus welchen Beweggründen will ein Mann katholischer Priester werden ? Aus Liebe zu Gott und den Menschen ? Weil er den Ruf Jesu in sich verspürt, diesem nachzufolgen ?
ODER aus sonstigen Gründen - die ich eben nicht kenne !
Wer katholischer Preister werden will, ist erwachsen und müsste wissen, worauf er sich einlässt ! Spätestens im Priesterseminar sollte ein Mann erkennen, ob er für das zölibatäre Leben berufen ist.
An erster Stelle muss für ihn die Liebe zu Gott stehen, die im täglichen Gebet und im regelmäßigen Empfang des Bußsakraments gepflegt werden muss.
Da wir alle aber schwache Menschen sind, die zur Sünde neigen, kann jeder von uns in seiner Berufung scheitern: nicht nur die zölibatär Lebenden, sondern auch die Eheleute. Man beachte die hohe Scheidungsrate ! Auch zur Ehe wird in unseren Breiten niemand gezwungen - und dennoch brechen viele Ehen auseinander.

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von Gehle

am Montag, 31. Mai 2010

Der Zölibat sollte keineswegs verpflichtend, sondern freiwillig sein!!!

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von Gerhard Hackl

am Sonntag, 30. Mai 2010

Der hl.Apostel Paulus verteidigt in 1 Kor 9,5 das RECHT der Apostel, verheiratet zu sein und dadurch auch das RECHT der heutigen Priester, frei über ihren Lebensstand zu entscheiden. Der Pfichtzölibat ist daher eine Verletzung eines paulinischen Rechtes und eine schwere Menschenrechtsverletzung laut Algemeiner Erklärung der Menschenrechte. "Haben wir nicht das RECHT, eine gläubige Frau mitzunehmen wie die übrigen Apostel...?"

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von J.P.

am Samstag, 29. Mai 2010

1) Wer leidet unter dem angeblichen „Priestermangel“?

Möchte jemand gerne täglich eine Hl. Messe besuchen und findet im näheren Umkreis kein Angebot ? Unter „näherer Umkreis“ verstehe ich die Strecke, die man gerne in Kauf nimmt, um zum nächsten größeren Einkaufszentrum, Aldi, McDonalds etc. zu fahren. Bei uns sind jedenfalls in jeder Hl. Messe noch Plätze frei !
Möchte jemand gerne beichten und findet kein Beichtangebot ? Sind die Warteschlangen vor den Beichtstühlen so lang, dass man sich nicht die Zeit nehmen will um anzustehen, wie man es z.B. tut, wenn man an einem Sommertag einen Freizeitpark besucht, wenn man in ein gut besuchtes Konzert geht ? Wir haben in unserem Dorf eine Mundartbühne; wenn der Kartenverkauf um 10:00 Uhr beginnt, stellen sich die Interessierten ab ca. 5:00 Uhr morgens an, bringen Vesper mit usw., damit sie eine Eintrittskarte erhalten. Wenn ich zur Beichte gehe, befinde ich mich in einer überschaubaren Gruppe von höchstens 6 Personen.

2)Was tun die Gläubigen, damit Gott uns Berufungen schenkt ?
- Wir befinden uns im Jahr des Priesters. Welche besonderen Angebote gibt es in den Pfarreien, wo um Priester gebetet wird ? In jedem Monat gibt es den Priester-Donnerstag (= Tag vor Herz-Jesu-Freitag). Wird in den Pfarreien um Priester gebetet ?

3)In welchem Umfeld sollen junge Männer ihre Berufung finden ? Viele Priester waren früher Ministranten. Heute ist der Bereich „Ministranten“ eine weibliche Domäne ! Wir haben jedenfalls überwiegend Ministrantinnen. Welcher „echte Junge“ will sich von einer Oberministrantin etwas sagen lassen ? In diesem Alter wollen Jungen doch nicht ieinem „Mädchenkreis“ beitreten ! Mir ist jedenfalls nicht bekannt, wieviele heutige Priester ihre Berufung auf dem Sportplatz, im Fitness-Studio, Freibad etc. erfahren haben !
4)Gibt es künftig weniger Priester ? Eindeutig: Ja ! Wir werden künftig aus dem ganz einfachen Grund weniger Priester haben: Weil immer weniger Kinder geboren werden ! Wenn eine Familie nur noch ein oder höchstens zwei Kinder hat, fällt es den Eltern sicherlich schwerer, einem Sohn zum Priesterberuf zu ermutigen.

5)Ob es wohl für einen jungen Mann, der sich überlegt, Priester zu werden, wirklich so erstrebenswert ist, stundenlang an Sitzungen teilzunehmen, um dort mit Pfarrgemeinderäten, Gruppenmüttern, Firmvorbereitungsteams, Schülergottesdiensteams abzusprechen, wie er seine Gottesdienste zu halten hat, ob er beim Vater Unser den Embolismus beten darf oder nicht, ob an dem einen Tag nicht das Tagesgebet, die Lesung, das Schlussgebet ausfallen könnte, da man sich eine so schöne Geschichte überlegt hat, die man doch stattdessen vorlesen könnte ?

Man solte nicht immer alles auf den Zölibat schieben, wenn es weniger Priester gibt ! In den reformierten Gemeinschaften gibt es keinen Zölibat , gibt es Pfarrerinnen – trotzdem besteht auch dort ein Mangel an Pfarrern --- und an Gottesdienstbesuchern !

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von sam

am Samstag, 29. Mai 2010

Natürlich lässt sich der Zölibat theologisch begründen.
Viele Ordensleute und Priester haben sich ganz bewusst für ein zölibatäres Leben entschieden , um den Dienst an Gott besser vollbringen zu können.
Es äussern sich leider zu wenig die Betroffenen und zu oft kirchenferne Personen zu diesem Thema.Dass sich 4/5 der Bischöfe dafür aussprachen ist ja wohl deutlich.Die schleichende Protestantisierung der kath. Kirche muss gestoppt werden, auch wenn viele eine Einheitskirche toll finden. Einheit wäre schön, aber nicht um den Preis der Wahrheit.Das wäre in der Tat ein riesen Problem für die heilige. kath. Kirche.

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von Keiling

am Samstag, 29. Mai 2010

Der Zölibat sollte keineswegs verpflichtend, sondern freiwillig sein!!!

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von Winfried Lembacher

am Samstag, 29. Mai 2010

Die gesellschaftlichen Bedingungen haben sich so geändert in den letzten Jahrzehnten, dass die zölibatäre Lebensform nicht mehr von der Bevölkerung mitgetragen wird. Abgesehen davon wird es bald keine Priester mehr geben, wenn sich die Weihebedingungen diesbezüglich nicht ändern.

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