Für die meisten Menschen dürfte es ein ganz gewöhnlicher Dienstag gewesen sein. Für Wissenschaftler in aller Welt aber war der 30. März 2010 der „Beginn einer neuen Ära“ – denn an jenem Tag gelang am europäischen Forschungszentrum Cern in Genf zum ersten Mal eine Urknall-Simulation. Zwei gegensinnig umlaufende Protonenstrahlenkollidierten mit einer Energie, die vorher noch nie erreicht worden war. Dabei entstanden Bedingungen, wie sie Billionstel Sekunden nach dem Urknall vor 13,7 Milliarden Jahren geherrscht haben. Das Geheimnis um die Entstehung des Universums könnte damit erklärbar und beweisbar werden.
Es klingt nach einem Bestseller-Stoff à la Dan Brown, wenn Kritiker vor dem „gefährlichsten Experiment der Menschheit“ warnen und alles verschlingende Schwarze Löcher befürchten – und wenn irritierte Christen einen Angriff auf die Schöpfungsgeschichte sehen. Was in dem 27 Kilometer langen Teilchenbeschleuniger hundert Meter unter der Erde passiert, ist nichts „Künstliches“, sondern passiert milliardenfach pro Sekunde im Universum. Dabei entstehen ständig Schwarze Minilöcher, von denen bisher noch keines den Weltuntergang einläutete.
Kein Abschied von der Schöpfungsgeschichte
Die Genfer Experimente werden auch nicht den Abschied von der Schöpfungsgeschichte bedeuten. Wissenschaftliche Aussagen und Glaubensaussagen liegen auf verschiedenen Ebenen mit unterschiedlichen Fragestellungen. Während die Forschung nach dem Wie fragt, sucht der Glaube nach dem Warum. Wo ist der Sinn des Ganzen? Woher komme ich und wohin gehe ich? Glaube an die Schöpfung heißt nicht Glaube an einen Handwerker-Gott, sondern „dass jeder Mensch von Gott gewollt und geliebt ist“, so der Schweizer Bischof Dr. Kurt Koch. Noch stehen die Wissenschaftler in Genf am Anfang. Welche Erkenntnisse sie gewinnen und welcher Nutzen daraus zu ziehen ist, wird sich vielleicht erst in ferner Zukunft zeigen. Aber sicher werden ihre Versuche zu einem besseren Verständnis der Schöpfung beitragen. Und nur wer die Schöpfung versteht, kann sie auch bewahren.
Von Rosina Wälischmiller