Ich führe weiterhin mit Kindern und Jugendlichen Beichtgespräche. Ich bin mir dabei meiner Rolle und Verantwortung bewusst und habe keine Angst vor falschen Anschuldigungen, sonst hätte ich diesen Beruf nicht wählen dürfen, denn es gibt für nichts Garantien. Es gibt aber die Notwendigkeit für einen fachlichen und transparenten Umgang.
Das Tabuthema ernsthaft ansprechen
Viele Jugendliche machen mir gegenüber Witze über das, was sie über die Missbrauchsfälle erfahren. Das ist wohl ihre Art, damit umzugehen. Doch es ist auch eine Gelegenheit, dieses Tabuthema ernsthaft anzusprechen und damit präventiv tätig zu werden. Wo liegen die Grenzen der Nähe? Wie können wir Kinder stärken, damit sie sich trauen, „Nein“ zu sagen? In der Kirche muss eine Kultur der Grenzachtung gelten. Jede Gelegenheit muss genutzt werden, die eigene und fremde Wahrnehmung zu sensibilisieren. Für ein „Das haben wir schon immer so gemacht“ ist kein Platz mehr.
Ich bin für die Mitarbeiter in der Jugendarbeit verantwortlich. Bevor wir jemanden einstellen, werden immer behördliche Führungszeugnisse angefordert. Aber wir thematisieren unseren Schutzauftrag auch im Auswahlverfahren. Denn wir wollen mit transparenten Standards verhindern, dass potentielle Täter sich bei uns einnisten. Damit kirchliche Jugendarbeit ein sicherer Ort für junge Menschen ist – und jeder Verdacht überflüssig.