Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Priester unter Verdacht

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Priester unter Verdacht

 

Unter Verdacht

Dr. Joachim Burkhard, Diözesanjugendpfarrer des Erzbistums Freiburg, über kirchliche Jugendarbeit in Zeiten des ständigen Misstrauens

Foto: imago

Nichts ist schlimmer, als unter Generalverdacht zu stehen. Doch für Mitarbeiter der Kirche ist genau das derzeit Alltag. Insbesondere für Priester: Da fährt einer mit auf Kinderfreizeiten. Vielleicht ein Pädophiler? Er fasst ein Kind am Arm. Darf er das? Wie kann da noch gute Jugendarbeit von einem Geistlichen gemacht werden? Die Antwort ist einfach: Weiterhin mit Herz, Sinn und Verstand. Kirchliche Jugendarbeit lebt von Begegnungen und Beziehungen. Persönlichkeitsentwicklung und Glaubenserfahrungen können nur in einem vertrauensvollen Miteinander erreicht werden. Dazu braucht es Nähe und Distanz. Anders ist diese Arbeit nicht zu machen. Auch wenn die Möglichkeit der Verletzung von persönlichen Grenzen dabei besteht.

Pauschale Anweisungen stören das Miteinander

Eine wichtige Entwicklung stelle ich seit Bekanntwerden der Missbrauchsfälle bei mir selbst fest: Ich handle reflektierter. Die Sensibilität im Umgang miteinander ist größer geworden, und das ist gut so. Ich ziehe bei einer Ministrantin nicht einfach das Gewand gerade, bevor der Gottesdienst beginnt, sondern frage, ob ich das richten darf und warte die Antwort ab. Oder ich bitte eine ältere Ministrantin, sich zu kümmern. Ich halte nichts von pauschalen Anweisungen nach dem Motto: „Jetzt halten wir alle auf Armeslänge Abstand.“ Das macht jedes Miteinander künstlich. Aber ich halte viel davon, sich zu besprechen und zu vereinbaren, wie wir miteinander umgehen wollen.

Ich führe weiterhin mit Kindern und Jugendlichen Beichtgespräche. Ich bin mir dabei meiner Rolle und Verantwortung bewusst und habe keine Angst vor falschen Anschuldigungen, sonst hätte ich diesen Beruf nicht wählen dürfen, denn es gibt für nichts Garantien. Es gibt aber die Notwendigkeit für einen fachlichen und transparenten Umgang.

Das Tabuthema ernsthaft ansprechen

Viele Jugendliche machen mir gegenüber Witze über das, was sie über die Missbrauchsfälle erfahren. Das ist wohl ihre Art, damit umzugehen. Doch es ist auch eine Gelegenheit, dieses Tabuthema ernsthaft anzusprechen und damit präventiv tätig zu werden. Wo liegen die Grenzen der Nähe? Wie können wir Kinder stärken, damit sie sich trauen, „Nein“ zu sagen? In der Kirche muss eine Kultur der Grenzachtung gelten. Jede Gelegenheit muss genutzt werden, die eigene und fremde Wahrnehmung zu sensibilisieren. Für ein „Das haben wir schon immer so gemacht“ ist kein Platz mehr.

Ich bin für die Mitarbeiter in der Jugendarbeit verantwortlich. Bevor wir jemanden einstellen, werden immer behördliche Führungszeugnisse angefordert. Aber wir thematisieren unseren Schutzauftrag auch im Auswahlverfahren. Denn wir wollen mit transparenten Standards verhindern, dass potentielle Täter sich bei uns einnisten. Damit kirchliche Jugendarbeit ein sicherer Ort für junge Menschen ist – und jeder Verdacht überflüssig.




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