Am Ende, im Lokalen, findet man in Deutschland Nachrichten über Erstkommunionsfeiern. Aber dass diesem Thema eine der größten Zeitungen des Landes eine ganze Seite widmet, das ist kaum denkbar. In Italien schon: Am
13. August griff „La Repubblica“ ein Thema auf, das auch bei uns brisanter wird. Es geht um eine spezielle Form der Erstkommunion, die Frühkommunion. Dieser Ritus war 1910 von Pius X. mit „Quam Singulari“ eingeführt und auf das siebte Lebensjahr festgelegt worden.
Ganz Italien redet über die Frühkommunion
Hundert Jahre später forderte der Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst, Kardinal Antonio Cañiza-res Llovera, eine Herabsetzung des Mindestalters: Die Kinder seien heute schneller mündig und müssten in der immer säkulareren Welt durch eine frühere Erstkommunion für den Glauben gewonnen werden. Das zweite Argument ist weniger
wichtig, da die Kommunion nur gespendet werden soll, wenn das Kind reif genug ist. Es als Anreiz oder Belohnung auszusetzen, das wird der Bedeutung des Sakramentes nicht gerecht. Das erste
Argument scheint plausibler. Nur ist es schwer festzulegen, wann ein Kind das Geheimnis der Eucharistie wirklich begreifen kann.
Wo sollte das Mindestalter liegen?
Manchmal tun sich Kinder vielleicht sogar leichter, an die Verwandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi zu glauben. Aber eben nicht immer. Deshalb wäre ein generelles Absenken des Mindestalters falsch. Eher denkbar wäre eine flexible Entscheidung, wie sie Johannes Paul II. 2004 angedeutet hat: Demnach habe Pius X. die Möglichkeit vorgesehen, „die heilige Kommunion schon vor dem siebten Lebensjahr zu empfangen, falls das Kind eine hinreichende Unterscheidungsgabe“ besitze. Das könnte richtig und wichtig sein. Lehrer, Kommunionseltern und Priester wären
in der Pflicht, die Kinder gut einzuschätzen und vorzubereiten. Eines aber scheint mit dem bewussten Empfang der Eucharistie nicht vereinbar: die Erstkommunion für Säuglinge, wie es in der alten Kirche üblich war und in den meisten Ostkirchen noch ist.
Dieter Malinek