Gott, wo warst du?
Am Ende – nachdem der 17- jährige Tim in dem furchtbaren Amoklauf von Winnenden 15 Menschen und schließlich sich selbst hingerichtet hatte, nach dem Schock und mitten in der Trauer – ist es diese Frage, die bleibt: Gott, wo warst du?
Es ist diese Frage, die Menschen in höchster Verzweiflung und größtem Schmerz immer stellen, selbst Jesus, der am Kreuz ausgerufen hat: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Hass, Gewalt und Morden sind das Gegenteil der Liebe, aus der heraus Gott uns geschaffen hat, und die für uns der tiefste Sinn des Lebens ist. Dennoch ist beides untrennbar miteinander verbunden. Gott hat uns als sein Ebenbild geschaffen und uns mit Freiheit ausgestattet. Sie ermöglicht uns, aus eigenem Antrieb verantwortungsvoll zu handeln und einen Sinn im Leben zu finden. Aber eben auch das Gegenteil davon. Diese Freiheit schließt auch die Möglichkeit ein, an Gott und den Mitmenschen zu zweifeln, ihnen zu misstrauen und sogar mit Hass und Gewalt zu begegnen. Auch wenn es tröstlich wäre, können wir die Verantwortung für das Leid, das uns Menschen zufügen, nicht auf Gott übertragen. Zu einem gelingenden Leben gehört auch die Sorge um Menschen, die verzweifelt sind, sich in die Enge getrieben fühlen – die der Freiheit, die von Gott kommt, nicht gewachsen sind. Der 17-jährige Tim war einer von ihnen.
Maximilian Schneider
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