Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Der Egoismus der Eliten

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Montag, 21. Mai 2012 Hermann Joseph , Erenfrid
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Debatte

Der Egoismus der Eliten

Es ist Zeit, über Verantwortung zu schreiben. Angesichts der Nachrichten, die in den letzten vier Wochen in unserem verunsicherten Land für Schlagzeilen sorgten, ist das nötig: Zunächst war da DGB-Chef Michael Sommer, der soziale Unruhen befürchtet, wenn nicht schnellstens ein drittes Konjunkturpaket verabschiedet werde. Ihm assistierte nahezu zeitgleich Gesine Schwan, die Kandidatin der SPD für das Amt des Bundespräsidenten, die prophezeite, die Enttäuschung vieler Menschen könne im Sommer „zu einer explosiven Stimmung“ führen. Dann präsentierte Josef Ackermann, als Chef der Deutschen Bank der wichtigste Banker im Land, nicht nur stolz und gegen den Trend prächtige Zahlen für das erste Quartal 2009 samt einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent, sondern bekräftigte auch noch dieses höchst umstrittene Renditeziel. Und schließlich sorgten etliche Bundesminister für Ärger, weil sie mitten in der Krise mehr Geld für ihre Ressorts gefordert hatten – nach dem Motto: Ob wir jetzt 80 oder 90 Milliarden neue Schulden machen, ist ja auch wurscht.

Benötigt werden kluges Handeln und Augenmaß

Was ist nur los in unserem Land? Wir sind schockgefrostet durch die schwerste Wirtschaftskrise seit 80 Jahren, und was machen einige der wichtigsten Hauptdarsteller im Krisenmanagement? Sie zündeln, zanken und zocken. Sie demonstrieren den Egoismus der Eliten und damit das Gegenteil, was jetzt benötigt wird. Kluges Handeln, Fingerspitzengefühl, Augenmaß – Verantwortung.

Verantwortung, das meint die Fähigkeit und die Bereitschaft, für die Folgen eigener oder fremder Handlungen Rechenschaft abzulegen. Sie ist eng verknüpft mit der Verantwortlichkeit. Das bedeutet, für eine gute Entwicklung im eigenen Verantwortungsbereich Sorge zu tragen. Darüber würde man beispielsweise mit Michael Sommer gerne sprechen wollen. Denn wenn er im Falle des Ausbleibens eines dritten Konjunkturpakets soziale Unruhen befürchtet, dann trifft das unmittelbar seinen Verantwortungsbereich. Dabei sind die ersten beiden Konjunkturpakete mit einem Gesamtvolumen von rund 70 Milliarden Euro gerade mal auf den Weg gebracht worden, von denen noch niemand weiß, wie und wie schnell sie wirken werden. Und als ob sich nicht nahezu jedes Unternehmen hierzulande bemühen würde, seine Arbeitsplätze zu sichern, hat Sommer noch nachgelegt: Wenn Unternehmen sich nicht mit Gewerkschaften und Betriebsräten darüber verständigen würden, Beschäftigungen zu stabilisieren, „dann drohen in diesem Land wirklich soziale Unruhen“.

So sorgt Sommer selbst für soziale Unruhen

Damit ist es Sommer selbst, der soziale Unruhe in dieses Land bringt. So entsteht aus Verunsicherung Angst bei den Menschen, die bis jetzt bemerkenswert besonnen mit der Krise umgehen und unter Beweis stellen, dass Deutschland eben nicht Frankreich ist, wo Manager schon als Geiseln genommen wurden. Bei uns ist Oskar Lafontaine wahrscheinlich der Einzige, der das gut findet. Bis jetzt.

In schlechtester Tradition des Propheten Hosea, der mit dem Ausspruch „Wer Wind sät, wird Sturm ernten“ berühmt wurde, hat sich auch noch Gesine Schwan an Sommers Seite gestellt. Einen Satz wie: „Ich kann mir vorstellen, dass in zwei bis drei Monaten die Wut der Menschen deutlich wachsen könnte, dann kann die Stimmung explosiv werden“, hat man so noch nie aus dem Mund eines Politikers gehört, der ins Schloss Bellevue einziehen möchte. Was auch immer die Absicht der bekanntlich schonungslos ehrlichen Kandidatin war – auch sie hat damit Angst geschürt und demonstriert, dass „schonungslos“ und „verantwortungslos“ manchmal eng beieinander liegen.

Lesen Sie weiter: Wie Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann mit seiner Arroganz die Krisenstimmung in Deutschland anschürt




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