Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Der spielt doch nur Fußball

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Debatte

Der spielt doch nur Fußball

Der Deutsche Fußballmeister ist gekürt, der Champions-League-Sieger steht fest, nun beginnt im Weltfußball das eigentliche Spektakel: das Transfergeschäft. Schon Wochen zuvor wollte Manchester United dem FC Bayern München 70 Millionen Euro für Franck Ribéry überweisen. Eine Summe, bei der sich viele aufgeregt haben. Zu Unrecht.

70 Millionen Euro sind viel Geld. Zunächst aber dieses: Die Ribéry-Ablöse ist im Vergleich zu den Gehältern von Sportlern wie Golflegende Tiger Woods ein Betrag der mittleren Einkommenskategorie. Der Vorwurf an den Fußball als Geldverbrennungssportart Nummer Eins ist falsch. Und nicht nur im Sport, sondern auch in anderen Bereichen der Unterhaltung wird ähnlich oder üppiger gezahlt. Vor drei Jahren kaufte ein unbekannter Sammler das Gemälde No. 5, 1948 von Jackson Pollock für 140 Millionen Dollar – man bekäme dafür fast zwei Ribérys.

Sie sind Spitzenkräfte und verdienen deshalb weit mehr als der Durchschnitt

Beide sind in ihrem Können nicht vergleichbar. Gemein haben sie nur Eines: Sie sind Spitzenkräfte und verdienen deshalb weit mehr als der Durchschnitt. Das war nie anders. Ein Stararchitekt wie Hippodamos von Milet (5. Jahrhundert v. Chr.) wurde hofiert, um Bauwerke in den unterschiedlichsten antiken Städten zu gestalten. Georg Friedrich Händel konnte sich die Bühnen und Adelshäuser für seine „Wassermusik“ aussuchen. Für die meisten Zeitgenossen war das eine andere Welt – ähnlich wie die 70 Millionen-Offerte heute.

Letztlich ist entscheidend, dass es im Fall des Ribéry-Reibachs um ein Geschäft zwischen zwei Unternehmen geht. Manchester will diesen Spieler holen und hat das nötige Geld dazu. Der FC Bayern will sich dieses Angebot nicht entgehen lassen, um selbst Transfers tätigen zu können. Es geht um Angebot und Nachfrage. So funktioniert unsere Wirtschaft. Mit Moral und Glaube hat das nichts zu tun. Schon Jesus sagte: „So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!“
Man kann das Transfergeschacher verurteilen, nach dem Motto: Kein Mensch ist so viel Geld wert. Doch wer würde das festlegen? Menschen überhaupt in Geld aufzurechnen verbietet sich. In dieser Hinsicht ist es egal, um welche Summe es sich handelt.

Am Ende spitzt sich alles zu auf den Vorwurf, dass 70 Millionen Euro für einen Mann gezahlt werden, der nichts anderes tut, als in einen Ball zu treten. Der nichts produziert, nichts komponiert, nichts inszeniert.   
Ribéry spielt nur Fußball.
Stimmt.
Und Pollock hat nur gemalt.

Simon Biallowons




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Die Kommentare der Liborius-User:


von smk

am Freitag, 13. November 2009

Wenn der Autor mahnt, ein Mensch sei nicht in Geld aufzuwerten, so bedeutet das doch keineswegs, auf seine 70 Millionen gelassen zu reagieren. Besonders unsensibel und geschmacklos finde ich den Zusatz: "In dieser Hinsicht ist es egal, um welche Summe es sich handelt." Erklären Sie das einmal einem Sozialethiker, der -auch mathematisch völlig korrekt- vorrechnen kann, dass genau diese Haltung zu massiven Verteilungsverwerfungen führt. Es ist und bleibt eine Schande, wenn Menschen am anderen Ende der Sozialskala darben müssen, weil oben angehäuft wird, was angeblich "des Kaisers ist". Eine Kirche, deren Priester nicht in der Lage sind, diesen Irrsinn ständig laut von der Kanzel zu geißeln, verdient es nicht, sich in der Nachfolge Jesu zu sonnen. Jesus ist für seine Einstellungen gekreuzigt worden, die Kirche scheint lieber Politik zu machen; eine Schande !

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