„Ich habe es vermasselt“
Trotzdem stellt sich die Frage: Hat eine solch hohe ethisch-moralische Messlatte auch im politischen Alltag Bestand? Ist Obama nicht überfordert mit all dem, was er sich vorgenommen hat und andere auf ihn projizieren? „Ich denke, ich habe es vermasselt.“ Mit diesen Worten entschuldigte sich Obama, als er seinen Wunschkandidaten für das Amt des Gesundheitsministers fallen lassen musste. Es war die dritte Panne bei der Regierungsbildung. Damit wurde endgültig klar: Obama ist eben doch kein Messias, sondern ein Mensch, der Fehler begeht, der Rückschläge in Kauf nehmen und der in Zukunft vielleicht auch von hehren Überzeugungen abrücken muss. Dass das nicht immer verkehrt ist, zeigte Ronald Reagan. Er trat als unversöhnlicher Kämpfer gegen die Sowjetunion an, aber beendete mit dem Erzfeind den Kalten Krieg. Obama ist daher zu wünschen, dass seine Wertvorstellungen zwar Richtschnur seines Handelns bleiben, aber nicht zum Selbstzweck verkommen. Aber solange jemand die Größe zu einem Satz wie „Ich habe es vermasselt“ besitzt, dürfte er davor gefeit sein.
Von Klaus Späne