Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Die Kanzler-Predigt

Liborius Verlagsgruppe Bayerisches Sonntagsblatt Liborius Magazin Liboriusblatt
Montag, 21. Mai 2012 Hermann Joseph , Erenfrid
Augenblicke|Das Magazin|Nachrichten|Wissen|Unser Glaube|Specials|Forum|E-Cards|Spiele

Etappen Ihres Lebens: Taufe | Kommunion | Firmung | Ehe | Trauer

Drucken | Versenden | Mail an die Redaktion

Wohin will der Papst?

Die Kanzler-Predigt

Die Rehabilitation der Lefeb­vre-Bischöfe hat nicht nur zu einer schweren Kirchenkrise geführt, sondern auch die deutsche Politik erschüttert. Das erste Mal überhaupt sah sich ein deutscher Regierungschef veranlasst, den Papst direkt und deutlich zu kritisieren. Diese Intervention wiederum führte zu einem Streit quer durch das politische Lager. Selbst die Kanzlerpartei CDU war gespalten. Für alle stellt sich die Frage: Darf Bundeskanzlerin Angela Merkel den Papst kritisieren? Oder muss sie es sogar?

Zunächst einmal ist klar, dass die Umstände dieser Kritik besonders waren. Sie griff als Regierungschefin des Landes ein, das für den Holocaust verantwortlich war. Als solche verlangte sie eine Klarstellung, wie ein Holocaust-Leugner eine Zukunft in der Kirche haben könne. Sie nahm damit ihre Verantwortung wahr, die das deutsche Volk gegenüber den Juden nach wie vor trägt. Diese Linie hat Merkel, seit sie Kanzlerin ist, immer wieder betont. Man erinnere sich nur an den Streit mit dem Iran während der Münchner Sicherheitskonferenz 2006.

Kanzlerin Angela Merkel und Papst Benedikt VXI. (Foto: dpa)

Doch auch losgelöst von der historischen Verantwortung hat Merkel das Recht, sich kritisch gegenüber dem Vatikan zu äußern. Als Kirchenstaat beansprucht der Vatikan völkerrechtlichen Status für sich. Das bedeutet unter anderem, dass der Kirchenstaat auch kritisiert werden kann wie jeder andere Staat.

Gott und der Kaiser

Nur: Die Kanzlerin hat sich in eine innerkirchliche Angelegenheit eingemischt. Auch wenn der Holocaust-Leugner Williamson ohne Frage durch Angela Merkel angegriffen werden darf, ja sogar muss, steht doch die Aufhebung der Exkommunikation außerhalb des politischen Raumes. So wie das Gnadenrecht des Bundespräsidenten nicht Gegenstand einer externen Einmischung sein kann, ist das auch die souveräne Entscheidung des Papstes, einen Schritt auf die Piusbruderschaft zuzugehen oder nicht. Außerdem hat der Vatikan streng nach dem Prinzip: „So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!“, gehandelt. Der Regensburger Bischof Ludwig Müller zum Beispiel hat als zuständiger Ortsbischof Strafanzeige gestellt. Der Papst indes hat so gehandelt, wie man es von einem Kirchenoberhaupt erwarten kann – wie ein barmherziger Vater.

Zuletzt hat die Kanzlerin bei ihrer Forderung nach einer Klarstellung missachtet, dass der Papst sich bereits in der Vergangenheit deutlich von jeglichem Antisemitismus und Antijudaismus distanziert hat. Den Papst aufzufordern, täglich wie das Murmeltier zu grüßen, steht auch einer Bundeskanzlerin nicht zu. Es bleibt daher der Verdacht, dass Angela Merkel schon jetzt mit dem Wahlkampf begonnen und auf Wählerschichten abgezielt hat, die ansonsten eher nicht zum christlich-konservativen Spektrum gehören.

Von Simon Biallowons




Übermittlung Ihrer Stimme...
3.4 (5 x bewertet)


Die Kommentare der Liborius-User:


von P.Gregor >Müller

am Freitag, 11. September 2009

die kanzlerin ist eine sehr kompetente politfrau
in religiösen fragen inkompetent,also eine null
o si tacuisses

Übermittlung Ihrer Stimme...
noch nicht bewertet
 

von huebsch

am Freitag, 13. März 2009

was die kanzlerin gesagt hat,ist für mich nicht nachvollziebar. Nur punkte sammleln,die Kritik gebe ich zurück.Sie hat keine anung.der Zeitgeist hat Sie eingeholt.Die FAZ hat es richtig geschrieben.Sie ist ein linke Protestantin aus überzeugung. willi huebsch Amberg -Benediktineroblate von ettal.

Übermittlung Ihrer Stimme...
2.5 (2 x bewertet)
 

von Dr. Hans Jürgen Arens

am Sonntag, 8. März 2009

Ihre Ausführungen beginnen schon mit einem unverzeihlichen Fehler: Ihre "Lefebvre-Bischöfe" wurden nicht rehabilitiert, sondern die Exkommunikation wurde aufgehoben, um so wieder ein Gespräch zwischen dem Papst und den Bischöfen der Pius-Bruderschaft zu beginnen, um letztlich das Schisma aufzuheben.
Eine schwere Kirchenkrise hat dieser Vorgang nur insoweit ausgelöst, als endlich offenbar wurde, dass weite Teile der deutschen, sich publikumswirksam äußernden Katholiken, Professoren und Bischöfe illoyal zum Papst stehen und im Kern eine andere Kirche wollen. Dies schreit Küng mit seinen Konsorten in die ganze deutsche Welt.

Es ist charakterisierend für Frau Dr. Merkel, dass sie im Beisein eines und neben einem zentralasiatischen Autokraten sich anmaßt, den Papst zu kritisieren in einem Punkt, den sie wissentlich - so dumm ist sie nicht - fehl interpretiert hat.

Der Skandal ist, dass wir Politiker haben, die sich dem Rudel-Journalismus andienen, die keine Führungspersönlichkeiten, sondern nach Applaus schielende, läppische Opportunisten sind.

Ich wünsche dem Heiligen Vater jedenfalls den Beistand Gottes und die Kraft, solche widerlichen Situationen gestärkt zu überwinden.

Übermittlung Ihrer Stimme...
3.0 (1 x bewertet)
 
 

Ihre Meinung zu diesem Thema (Sie müssen nicht angemeldet sein):

Ins Gästebuch eintragen
  (wird nicht angezeigt)
(* Pflichtfeld)

Das Beste aus der katholischen Erlebniswelt