Vor sieben Jahren marschierten US-Truppen in Afghanistan ein. Damit reagierte Amerika auf die Anschläge vom 11. September 2001, offiziell wollte es den Menschen am Hindukusch Freiheit bringen. Freiheit für alle Afghanen, egal aus welchem Stamm, egal ob Mann oder Frau. Heute soll diese Freiheit so aussehen: „Die Frau ist verpflichtet, den sexuellen Bedürfnissen ihres Mannes jederzeit nachzukommen.“ Das steht in einem neuen Ehegesetz für die schiitische Bevölkerung, das der afghanische Präsident Hamid Karsai beinahe verabschiedet hätte.
Rückfall ins moralische Mittelalter
Das Gesetz hätte bestätigt: Die Frau ist Eigentum des Mannes, sexueller Spielball und nicht mehr als ein Gebrauchsgegenstand des Familienpatriarchen. Das war nicht die einzige Passage, die die Frau zu Menschen zweiter Klasse degradieren wollte. An anderer Stelle heißt es: „Nur aus medizinischen oder rechtlichen Gründen kann die Frau das Haus ohne das Einverständnis des Ehemannes verlassen.“ Entsetzt waren Menschenrechtler, begeistert die Taliban. Also die Fanatiker, die 2001 verjagt worden waren, um Afghanistan aus dem moralischen Mittelalter zu führen. Das sagt alles über den Gesetzesvorschlag aus. Es ist ohenhin müßig, über diese Regelungen zu diskutieren. Sie sind widerwärtig, menschenverachtend und in höchstem Maße schockierend.
Hamid Karsai gehört abgesetzt
Gesprochen werden muss dagegen über die Konsequenzen aus diesem Vorfall. Zwar hat Karsai auf Druck des Westens hin seine Unterschrift verschoben und eine Prüfung versprochen. Aber allein die Tatsache, dass er eine Prüfung für nötig hält, zeigt die alarmierende Lage vor Ort. Es stellt sich die Frage, weshalb deutsche Soldaten ihr Leben für ein Land lassen sollen, das demokratische Standards noch immer nicht verinnerlicht hat. Forderungen nach einer Ausweitung des Bundeswehr-Einsatzes muten angesichts dieses Vorfalls absurd an. Stattdessen muss ein Zeichen gesetzt werden: Karsai gehört abgesetzt. Er hat sich als ungeeignet erwiesen, einen freiheitlichen Geist vorzuleben. Ein Mensch, der Frauen diskriminiert oder es auch nur billigt, hat nichts an der Spitze eines Staates verloren. Spätestens jetzt muss klar sein: In Afghanistan lauert die Gefahr nicht nur in den Gebirgstälern. Sondern auch in den parlamentarischen Höhen. Afghanistan stinkt vom Kopf her.
Simon Biallowons