Kein zweites Kind aus Malawi für Madonna. Recht so. Die Behörden des Landes werden sich an den ersten Adoptionsausflug des Popstars erinnert haben. Diese Adoption wurde erst im Nachhinein legalisiert, so schnell ging das damals: landen, Kind aussuchen und wieder durchstarten.
Die Sängerin ist mit ihrer Adoptionstour nicht allein: Angelina Jolie, Mia Farrow und Carla Brunis Schwester Valeria Tedeschi haben Kinder aus der Dritten Welt adoptiert. Sie geben immer den gleichen Grund an für ihr Tun: Sie wollen helfen. Dabei sehen sie sich dem Vorwurf ausgesetzt, in einer Mentalität von Kulturimperialismus durch die dritte Welt zu jetten und Kinder zu shoppen. Begleitet von Leibwächtern und Journalisten. Ein Auftreten, das die Menschen in den Heimatländern der Kinder irritiert.
Promi-Adoptiveltern diskreditieren den Wunsch vieler „normaler Paare“ nach einem Kind. Ihretwegen geraten die adoptionswilligen Eltern aus dem reichen Norden unter Generalverdacht. Und das, obwohl „normale Eltern“ ganz andere Bedingungen für Adoptionen vorfinden. Die Ungerechtigkeit ist frappierend: Während Prominente einen Kurztrip nutzen, um zu adoptieren, müssen Paare in vielen Ländern des Westens lange warten, bis ihr Gesuch überhaupt bearbeitet wird. Und es wird streng geprüft: Gerhard Schröder hätte in Deutschland wegen seines Alters keine Chance mehr gehabt. Natürlich dürfen Promis gerne adoptieren – aber zu den gleichen Bedingungen wie alle anderen.
Alexander Görlach