Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Pater Norbert Hofmann

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Debatte

"Religion soll Teil der Lösung sein"

Frieden im Heiligen Land wird nur möglich sein, wenn die drei monotheistischen Religionen im Gespräch bleiben, sagt Pater Dr. Norbert Hofmann

Möge mein Besuch auch dazu beitragen, den Dialog der Kirche mit dem jüdischen Volk zu vertiefen, sodass Juden, Christen und auch Moslems in Frieden und Harmonie in diesem Heiligen Land leben können.“ Diese Hoffnung drückte der Papst aus, als er am 12. März 2009 eine Delegation des Oberrabbinats Israels empfing. Frieden im Heiligen Land ist nur dann möglich, wenn die drei monotheistischen Religionen im interreligiösen Gespräch bleiben, und auf dieser Grundlage für Gerechtigkeit und Frieden zusammenarbeiten. Religion soll in dieser geplagten Region nicht Teil des Problems sein, sondern Teil der Lösung.

Die katholische Kirche steht seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil im systematischen Dialog mit dem Judentum. Die Konzilserklärung Nostra aetate gilt als Grundlagendokument, das in den vergangenen Jahrzehnten eine reiche Wirkungsgeschichte entfaltet hat. Im Prinzip geht es dort um ein entschiedenes JA zu den jüdischen Wurzeln des christlichen Glaubens und um ein kategorisches NEIN zu allen Formen des Antisemitismus.

Das Christentum hat unzweideutig jüdische Wurzeln

Innerhalb der Kirche handelt es sich beim Dialog mit dem Judentum nicht um eine entbehrliche Freizeitbeschäftigung, vielmehr geht es um die eigene christliche Identität. Der Gott Israels hat sich dem jüdischen Volk zuerst geoffenbart. Aufgabe des erwählten Volkes ist es, den einzigen und wahren Gott allen anderen Völkern zu schenken. Jesus war Jude, lebte und betete entsprechend den jüdischen Traditionen. Die Christen sind gleichsam die Erben des jüdischen Glaubens an den einzigen Gott. Das Christentum hat unzweideutig jüdische Wurzeln. Von den Juden haben wir das Alte Testament, in ethischer Hinsicht verbinden uns nahezu gleiche Moralvorstellungen (die „Zehn Gebote“), viele christliche liturgische Traditionen haben jüdische Ursprünge. Daher geht es für Christen beim jüdisch-christlichen Gespräch darum, sich selbst in den Anfängen besser kennenzulernen und den Horizont zu erweitern.

Für Benedikt XVI. ist und bleibt das Gespräch mit den Juden ein Herzensanliegen

Der systematische Dialog mit allen Strömungen des Judentums verdankt sich in erster Linie einer Gewissenserforschung bezüglich der menschlichen Tragödie des Holocausts. Wie war es in einem christlich geprägten Europa möglich, dass es zu einer derartigen Katastrophe kommen konnte? Juden brauchen auch heute zuverlässige Partner im Kampf gegen den Antisemitismus, den man nie restlos ausrotten konnte. Die katholische Kirche bekennt sich in Nostra aetate dazu, dass sie „nicht aus politischen Gründen, sondern aus Antrieb der religiösen Liebe des Evangeliums alle Hassausbrüche, Verfolgungen und Manifestationen des Antisemitismus“ beklagt.

Seit 2002 gibt es seitens des Vatikans eine gemeinsame Dialogkommission mit dem Oberrabbinat, die schon mehrere Themen behandelt hat – etwa die Heiligkeit des Lebens oder die Wichtigkeit der Religionsfreiheit. Benedikt XVI. wird in Jerusalem auch die beiden Oberrabbiner treffen und sicherlich die große Bedeutung des jüdisch-christlichen Gesprächs betonen. Dabei geht er in den Fußspuren von Johannes Paul II., wenngleich er durch seine Persönlichkeit den Dialog mit seinen eigenen Merkmalen prägt. Für einen „Theologen-Papst“ ist und bleibt das Gespräch mit den Juden ein Herzensanliegen.

Pater Dr. Norbert Hofmann SDB




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