Susanne Klattens Mut zur Demütigung
Es war ein Stoff, von dem Klatschkolumnisten normalerweise nur träumen können: Sex and Crime vom Feinsten. Eine pikante Affäre, gewürzt mit einem Verbrechen. Und die Hauptdarstellerin kein Star oder beliebiges Sternchen, sondern echte Prominenz! Susanne Klatten, Quandt-Erbin, Großaktionärin und reichste Frau Deutschlands, wurde von einem Gigolo erpresst.
Für die Boulevardpresse war es ein gefundenes Fressen, für die seriösen Zeitungen ein willkommener Anlass zur Klatsch-Berichterstattung, für die Leser ein hämisch-voyeuristischer Blick hinter die Fassaden der besseren Kreise. Alle sind auf ihre Kosten gekommen, auf Kosten von einer! Susanne Klatten ist zweimal zum Opfer geworden.
Am Montag (9. März) wurde der 41-jährige Helg Sgarbi in München zu sechs Jahren Haft verurteilt. Er hatte gestanden, Susanne Klatten und drei weitere Frauen verführt, betrogen und erpresst zu haben. Susanne Klatten hatte den Prozess ins Rollen gebracht. Sie stellte im Januar 2008 Strafanzeige, als der Schweizer Millionen gegen einschlägige Videos forderte. Mit seinem Geständnis wurde ihr nun wenigstens eine Aussage vor Gericht erspart.
Warum sie ihren Mann betrog, geht niemanden etwas an
Frau Klatten hat ein grausames Spießrutenlaufen hinter sich. Der Neid auf ihr privilegiertes Leben brach sich Bahn in ziemlich offener Schadenfreude. Vielleicht ist Mitleid zuviel verlangt, aber ein wenig mehr Respekt hätte die 46-jährige Ehefrau und Mutter von drei Kindern schon verdient. Natürlich war sie nicht unschuldig an ihrer Situation. Sie hat einen Fehler gemacht. Sie hat sich auf eine Liaison eingelassen. Warum, wieso, das geht eigentlich niemanden etwas an.
Eine verheiratete Frau trifft einen gutaussehenden, gebildeten, charmanten Mann mit besten Manieren, der sie umschwärmt und umwirbt. Daraus muss nicht zwangsläufig eine Affäre werden, aber es braucht auch nicht allzu viel Phantasie, sich einen solchen Ausgang vorzustellen.
Ein solcher Vertrauensmissbrauch verletzt einen Menschen zutiefst
Es ist anzunehmen, dass die reichste Frau Deutschlands die Gefahr kannte, um ihres Geldes willen geliebt zu werden. Dennoch hat sie wohl Vertrauen gefasst und wurde aufs Schlimmste enttäuscht. Ein Vertrauensbruch – so ein hinterhältiger noch dazu – erschüttert einen Menschen in seinen Grundfesten. Er kann das ganze Leben ins Wanken bringen. Susanne Klatten wurde gleichzeitig zur Zielscheibe eines skrupellosen Erpressers. Es erfordert Kraft und Stärke, in dieser Situation eine Entscheidung zu treffen, deren Konsequenzen offensichtlich waren.
Die Quandt-Erbin, die stets um Zurückhaltung bemüht war, die nie ins Blitzlichtgewitter drängte und ihr Privatleben so gut wie möglich abschottete, musste der Öffentlichkeit ihr Intimleben preisgeben. Sie wusste sicher, was das für sie und ihre Familie bedeutet. Trotzdem hat sie diese mutige Entscheidung getroffen. Susanne Klatten ist eine tapfere Frau.
Rosina Wälischmiller