Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Tour de Farce

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Montag, 21. Mai 2012 Hermann Joseph , Erenfrid
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glaubenslust – Der Tag


Tour de Farce

Wie war es doch vordem vergnüglich, an verregneten Sommernachmittagen vor dem Fernseher zu sitzen und zähe Helden des Radsports Kehre um Kehre Alpengipfel erklimmen zu sehen.  Ein Ethos aus Kampfgeist, Hingabe, Einsatz riss die Menschen mit. Das war die Phase 1. Große Gefühle.

In Phase 2 wurde dann zwar klar, dass alle irgendwie gedopt waren. Das wurde aber noch verdrängt, weil niemand sich das Vergnügen nehmen lassen wollte. Wer zuviel über Doping redete, galt als Spielverderber. Spaß statt Moral war angesagt.

Phase 3 war dann dadurch gekennzeichnet, dass der Tour-Sieger nicht mehr beim Anstieg zum  Alpe d’Huez ermittelt wurde, sondern in Doping-Labors. Erst wer Monate nach dem Ende des Rennens immer noch nicht überführt war, durfte das Gelbe Trikot behalten. Das machte dem Publikum keinen Spaß mehr.

Jetzt erleben wir Phase 4. Es gilt grundsätzlich zu klären: Wie kriegen wir Spannung, Nervenkitzel, Stolz, ja Glück wieder her? Indem wir die Augen vor unethischem Verhalten wieder fest verschließen? Funktioniert nicht. Indem jeder Radsportler durch eine 24-Stunden-Kontrolle am Doping gehindert wird? Das will niemand sehen.

Phase 4 ist jene, in der der verkaterte Mensch erkennt, dass Spaß nicht das Gegenstück zur Moral ist. Moral oder Ethik sind vielmehr dazu da, Spaß, Vergnügen, gute Laune und Glück dauerhaft erlebbar zu machen. Sagt schon Aristoteles.

Folgt Phase 5. Sportgeist und Fairness und damit all die großen Gefühle des Publikums kehren zur Tour zurück, weil junge Männer mit Ethos miteinander um die Wette fahren. Andernfalls macht Tour-Gucken noch so viel Spaß wie das Leeren einer Schnapsflasche.

Joachim Rogosch




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