Und sie bewegt sich doch
„Und sie bewegt sich doch“ – dieser trotzige Satz, den Galileo Galilei gemurmelt haben soll, nachdem er seine These vor der römischen Inquisition widerrufen hatte, mag am Sonntag einigen Besuchern der Messe in der Basilika Santa Maria degli Angeli in Rom durch den Kopf geschossen sein. Und ihre Gedanken kreisten dabei weniger um Sonne und Erde als um die katholische Kirche, die nach über 400 Jahren einen Gedenkgottesdienst für den Astronom und Physiker Galilei zelebrierte. Vor Repräsentanten des Vatikans und Mitgliedern der Vereinigung „World Federation of Scientists“ verlas Erzbischof Gianfranco Ravasi eine Gruß-Botschaft der Nummer 2 des Vatikans, Kardinal Staatssekretär Tarcisio Bertone: „Ich gedenke voller Bewunderung Galileo Galileis, eines göttlichen Mannes des Glaubens.“
Die Kirche hat mit der Rehabilitierung Galileis einen wichtigen Schritt getan
Nach der vorsichtigen Rehabilitierung Galileis durch das Zweite Vatikanische Konzil und dem „Mea Culpa“ von Papst Johannes Paul II. nach einer langjährigen Prüfung der „Akte Galilei“, ist dem einstigen Ketzer nun wohl endgültig Recht widerfahren. Dennoch bleibt Galileo Galilei eine Symbolfigur für den Kampf um Wahrheit zwischen Naturwissenschaften und Kirche. Sein Fall prägte jahrhundertelang die Beziehungen zwischen den beiden Weltanschauungen und noch heute sitzt das „Galilei-Trauma“ tief auf beiden Seiten. Die Kirche hat mit der Rehabilitierung Galileis einen wichtigen Schritt getan. Sie demonstriert statt Rechthaberei nun Dialogbereitschaft, die in Zeiten, in denen die Seuche Kreationismus von Amerika nach Europa überschwappt, unerlässlich ist und unabdingbar, wo es um Fragen der Bio- und Gentechnik geht.
Nun ist es auch an der Wissenschaft, das Galilei-Trauma zu überwinden, an das Forscher immer gerne dann rühren, wenn sie sich moralisch-ethische Mahnungen der Kirche verbitten. Wissenschaftler handeln ergebnisorientiert, die Kirche denkt in ethischen Kategorien. Es wird nicht Aufgabe der Kirche sein können, Entwicklungen in den Naturwissenschaften zu bremsen. Aber sie kann Hilfe geben, wenn Gefahren drohen, die die Menschenwürde verletzen. Die Forschung ist gut beraten, hinzuhören. Wissenschaftliche Erkenntnisse werden nur dann dem „Wohl der ganzen Menschheit nutzen“, wie Papst Benedikt XVI. einmal forderte, wenn beide Seiten aufhören, sich argwöhnisch zu beäugen und die traditionelle Trennung von Religion und Wissenschaft überwinden.
Rosina Wälischmiller