Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Unser Charly

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Montag, 21. Mai 2012 Hermann Joseph , Erenfrid
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glaubenslust – Der Tag


Unser Charly

Woher stammen wir eigentlich? Und hat die Bibel nicht doch recht mit ihrem "Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde … und siehe da, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag"? Irgendwie kommt man zurzeit nicht drum herum, die Frage nach unserem Ursprung zu stellen. Erinnert doch die Welt dieses Jahr an den britischen Naturforscher Charles Darwin, der vor zweihundert Jahren mit seiner Evolutionstheorie der bis dato unumstößlichen christlichen Schöpfungslehre ans Bein pinkelte. Aber sorry, Charles, fünf Jahre Weltumsegelung auf dem Forschungsschiff HMS Beagle nebst Galápagos-Stippvisite reichen einfach nicht aus, um einen 2000 Jahre alten Klassiker so mir nichts dir nichts auszuhebeln.

"Unser Charly" (Foto: ZDF/Katrin Knoke)
"Unser Charly" tobte bis 2008 über die deutschen Bildschirme (Foto: ZDF/Katrin Knoke)

Das denken zumindest viele Bundesbürger, wie eine Studie des Instituts für Demoskopie in Allensbach ergab, bei der über 1800 Menschen befragt wurden. Zwar kennen fast alle Darwins Theorie von der Entstehung der Arten, doch nur 61 Prozent der West- und 71 Prozent der Ostdeutschen sind davon überzeugt. Vor allem die These von einem gemeinsamen Ursprung von Mensch und Affe ist 18 Prozent der Befragten höchst suspekt. Die meisten Zweifler fanden sich übrigens bei den Katholiken, von denen jeder dritte glaubt, dass der Mensch von Gott erschaffen wurde, wie es in der Bibel steht. Bei der protestantischen Konkurrenz beträgt die Zweiflerquote 21 Prozent.

Nicht ganz überraschend, denn bereits vor zwei Jahren ergab eine Umfrage unter Lehramtsstudenten in Dortmund, dass 15 Prozent der künftigen Pädagogen Darwins Theorie nicht akzeptieren, bei den angehenden Bio-Lehrern waren es immerhin sieben Prozent. Aber die Achse des Kreationismus reicht noch weiter - bis in die USA, wo die meisten Amerikaner an Gott als alleinigen Schöpfer des Menschen glauben. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup sind 45 Prozent der Erwachsenen sogar überzeugt, dass der Himmlische Vater sein Ebenbild innerhalb der vergangenen 10.000 Jahre geschaffen hat. Das führt dazu, dass an vielen Schulen fleißig Kreationismus gelehrt wird, oder dass es seit 2007 ein "Creation Museum" in Petersburgh gibt, in dem Dinos neben Homo Sapiens herumspazieren und eine Schlange Adam und Eva verführt.

Erleben wir eine Evolutionskrise?

Rutschen wir nach Banken-, Opel- und Schalke-Krise nun auch in eine Evolutionskrise? Und wenn ja, warum? Vielleicht liegt der weitverbreitete Artenentstehungszweifel daran, dass "die Vorstellung vom Garten Eden bei vielen wegen der Sehnsucht nach einfachen Antwort auf schwierigen Fragen verfängt", spekuliert Reinhold Leinfelder, Direktor des Museums für Naturkunde in Berlin. Vielleicht ist aber auch nur "Unser Charly" schuld. Nein, nicht Charles Darwin, sondern der tierische Hauptdarsteller einer ZDF-Serie mit bislang über 130 Folgen, in der ein Schimpanse namens Charly bei einer Berliner Tierarztfamilie für Turbulenzen sorgt, über Autos turnt, Verbrecher mit Waffen in Schach hält und ansonsten mit lustigen Verkleidungen und Grimassen die etwas dünne Dramaturgie kaschiert. Hat Allensbach schon mal untersucht, wie viele Evolutionisten zwischen 1995 und 2008 – so lange lief Charly - zum Kreationismus konvertiert sind?

Wie froh sind wir da über das Evolutions-Bollwerk Kirche. Sowohl Katholen als auch Evangelen haben nämlich null Probleme mit Charly, äh Charles Darwin. Im Gegenteil: Evolution ist ein Fakt, sagte der Vatikan erst vor kurzem bei einer internationalen Konferenz von Wissenschaftlern, Philosophen und Theologen zum 150. Jahrestag des Erscheinens der Darwinschen Theorie. William Levada, Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation: Es gäbe ausreichend breiten Raum dafür, an Gott als Schöpfer und an die wissenschaftlichen Grundlagen der Lehre Darwins zu glauben. Respekt, Vatikan. Fragt sich nur, was die Evolution in Zukunft noch so alles mit uns vorhat, wenn Gott nicht das alleinige Patent auf uns hat. Einen Vorgeschmack lieferten vielleicht dieser Tage Demonstranten gegen den G20-Gipfel in London. Sie erschienen als Menschenaffen verkleidet in der Downing Street und trugen Plakate mit der Aufschrift "Lacht nur – eines Tages werden wir das Regiment führen!" Ist ja wohl klar, wer dann den Charly spielen würde. Geeignete Kandidaten für die Rolle gäbe es mehr als genug, machen sich schließlich heute schon genügend Leute zum – Verzeihung liebe Gorillas, Schimpansen und Co. – Affen.

 

Klaus Späne




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