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Kampf gegen den Hunger

Ackern gegen den Hunger

Ob Reis, Getreide oder Mais - weltweit sind die Preise für Grundnahrungsmittel explodiert. Für Priviligierte ist das ein Ärgernis im Supermarkt, für die Armen der Welt ein existenzielles Problem: Weltweit leben rund 850 Millionen Menschen von einem Dollar am Tag. Gestiegene Lebensmittelpreise bedeuten für die Betroffenen, dass sie für ihr Geld weniger Nahrung bekommen, deshalb weniger essen und hungern müssen. Viele gehen wütend auf die Straße. In mindestens 33 Staaten drohen Hungerrevolten, warnt Robert Zoellick, Präsident der Weltbank

Die Karte der Krise: Klicken Sie auf das Bild und erfahren Sie alles über die Länder, in denen der Kampf gegen den Hunger besonders problematisch ist

"Da betritt ein Ungeheuer die politische Bühne", brachte der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) das globale Problem auf den Punkt. Nachdem sie jahrelang stabil waren, stiegen die Nahrungsmittelpreise in den vergangenen drei Jahren kontinuierlich um 180 Prozent. Dramatisch wurde es in den letzten zwei Monaten: Der Reispreis legte nochmals um 75 Prozent zu, Weizen kostet bis zu 120 Prozent mehr, beim Mais sieht es ähnlich aus. 

Hungerrevolten drohen

Wegen dem Hungerproblem droht auch politische Instabilität. Den Karibikstaat Haiti hat eine Hungerrevolte bereits ins Chaos gestürzt. Ministerpräsidenten Jacques Edouard Alexis musste seinen Stuhl räumen, fünf Menschen kamen bei den Aufständen ums Leben, zahlreiche wurden verletzt. Im Vorjahr kosteten 50 kg Reis in Haiti noch 25 Euro, zurzeit liegt der Preis bei 50 Euro.

Ähnlich sieht es zum Beispiel in Mexiko aus. Tortillas, also Maisfladen, sind Grundnahrungsmittel. Das Angebot an Maismehl wird knapper, die Preise steigen und Tortillas werden immer mehr zu Luxusartikeln. Das nehmen auch die Mexikaner nicht ohne Proteste hin.

Die Welt ist alarmiert: Der Internationale Währungsfond (IWF) und die Weltbank forderten bei ihrer Frühjahrskonferenz Mitte April die Geberländer dazu auf, 500 Millionen Dollar Soforthilfe zur Verfügung zu stellen. Der US-amerikanische Präsident sicherte 200 Millionen Dollar zu, aus Deutschland kommen 10 Millionen Euro. Denn die Befürchtungen sind groß: "Alles, was wir entwicklungspolitisch in den letzten zehn Jahren aufgebaut haben, steht auf dem Spiel“, warnte IWF-Chef Dominique Strauß-Kahn.

Ein Problem mit vielschichtigen Ursachen

Für Hilfswerke ist das Geld im Kampf gegen den Hunger nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn die Ursachen sind vielschichtig. So nimmt zum einen die Weltbevölkerung jährlich um 75 Millionen Menschen zu. Vor allem die Bevölkerung in China und Indien wächst stetig. Parallel zum Reichtum steigt dort die Nachfrage nach Fleisch und Milchprodukten. Immer mehr landwirtschaftliche Nutzfläche wird deshalb zum Anbau von Futternahrung genutzt.

Dass der Ölpreis steigt, macht sich nicht nur an den Tankstellen bemerkbar: Neben klimapolitischen Gründen sorgt dies für eine wachsende Nachfrage nach Biotreibstoffen. Die Umweltorganisation Greenpeace rechnet vor: Für eine Tankfüllung Ethanol wird so viel Getreide verarbeitet, wie ein Mensch in einem Jahr isst. Aber auch der Klimawandel trägt Schuld: Dürren und Fluten haben in der jüngsten Vergangenheit viele Ernten zerstört.

Lokale Märkte liegen brach

Um die Ernährungsprobleme zu lösen, muss man mit den Kleinbauern vor Ort zusammenarbeiten, fordern Experten (Foto: KNA)

Verschärft wird die Situation in vielen südlichen Ländern durch eine große Abhängigkeit von Importprodukten. Billige Lebensmittel aus der EU und den USA haben in den vergangenen Jahren die lokalen Märkte überschwemmt. Die deutsche Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) will auch deshalb die Agrarsubventionen abschaffen, die arme Länder von ihrer landwirtschaftlichen Entwicklung abhalten. Weil landwirtschaftliche Betriebe in der EU zum Teil hohe Subventionen kassieren, können sie ihre Lebensmittel in Afrika, Asien oder Lateinamerika billiger anbieten, als lokale Kleinbauern. Die Folge: Die Kleinbauern haben auf dem Markt schlechte Chancen, viele haben ihre Produktion aufgegeben, landwirtschaftliche Strukturen und Kenntnisse sind in Vergessenheit geraten. Das rächt sich nun: So produziert etwa das westafrikanische Mauretanien nur 30 Prozent seines Lebensmittelbedarfs selbst. Weil es sich so nicht mehr allein versorgen kann, ist das Land abhängig von den steigenden Weltmarktpreisen der letzten Zeit.


Genau hier, schlagen Hilfswerke vor, sollte angesetzt werden, um den Menschen in den Ländern des Südens nachhaltig zu helfen. „Wenn Ernährungsprobleme gelöst werden sollen, muss man mit den Menschen zusammen arbeiten, die die Nahrungsmittel hauptsächlich produzieren“, fordert etwa das katholische Hilfswerk Misereor in einem Statement zur aktuellen Krise. Gemeint sind damit lokale Kleinbauern und Familienbetriebe, die „trotz aller Nachteile und Vernachlässigung in der Mehrzahl der Länder in Afrika, Asien und Lateinamerika das Rückgrat für die nationale Nahrungsmittelproduktion“ bilden.

Hoffnung für Baumwollbauern

Damit liegt das Bischöfliche Hilfswerk auf der Linie der Welthungerhilfe. Anstatt die Nahrungsmittelpreise nun künstlich zu verbilligen, fordert das Hilfswerk, in Beschäftigungs- und Sozialprogramme zu investieren, um die ländliche Infrastruktur zu verbessern. Diese „Hilfe zur Selbsthilfe“ könnte Kleinkredite für benachteiligte Familien zum Erwerb von Land beinhalten. Fortbildungsprogramme, landwirtschaftliche Beratung und Agrarforschung schaffen zusätzlich Arbeitsplätze und erhöhen gleichzeitig die Produktionsfähigkeit der Bauern. „Der Lohn für die Arbeit soll die Bedürftigen dadurch in die Lage versetzen, sich selbst zu ernähren“, heißt es.

Einige wenige, die aus dieser Krise neue Hoffnung schöpfen könnten, sind nach Angaben der Welthungerhilfe die Baumwollbauern in den Entwicklungsländern. Denn: „Die USA werden ihren hoch subventionierten Baumwollanbau zugunsten des Maisanbaus für Agrartreibstoffe reduzieren. Damit könnten die Marktchancen für Baumwolle aus Entwicklungsländern wieder steigen“, hofft das Hilfswerk.

Katharina Schmülling

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