Verschärft wird die Situation in vielen südlichen Ländern durch eine große Abhängigkeit von Importprodukten. Billige Lebensmittel aus der EU und den USA haben in den vergangenen Jahren die lokalen Märkte überschwemmt. Die deutsche Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) will auch deshalb die Agrarsubventionen abschaffen, die arme Länder von ihrer landwirtschaftlichen Entwicklung abhalten. Weil landwirtschaftliche Betriebe in der EU zum Teil hohe Subventionen kassieren, können sie ihre Lebensmittel in Afrika, Asien oder Lateinamerika billiger anbieten, als lokale Kleinbauern. Die Folge: Die Kleinbauern haben auf dem Markt schlechte Chancen, viele haben ihre Produktion aufgegeben, landwirtschaftliche Strukturen und Kenntnisse sind in Vergessenheit geraten. Das rächt sich nun: So produziert etwa das westafrikanische Mauretanien nur 30 Prozent seines Lebensmittelbedarfs selbst. Weil es sich so nicht mehr allein versorgen kann, ist das Land abhängig von den steigenden Weltmarktpreisen der letzten Zeit.
Genau hier, schlagen Hilfswerke vor, sollte angesetzt werden, um den Menschen in den Ländern des Südens nachhaltig zu helfen. „Wenn Ernährungsprobleme gelöst werden sollen, muss man mit den Menschen zusammen arbeiten, die die Nahrungsmittel hauptsächlich produzieren“, fordert etwa das katholische Hilfswerk Misereor in einem Statement zur aktuellen Krise. Gemeint sind damit lokale Kleinbauern und Familienbetriebe, die „trotz aller Nachteile und Vernachlässigung in der Mehrzahl der Länder in Afrika, Asien und Lateinamerika das Rückgrat für die nationale Nahrungsmittelproduktion“ bilden.
Hoffnung für Baumwollbauern
Damit liegt das Bischöfliche Hilfswerk auf der Linie der Welthungerhilfe. Anstatt die Nahrungsmittelpreise nun künstlich zu verbilligen, fordert das Hilfswerk, in Beschäftigungs- und Sozialprogramme zu investieren, um die ländliche Infrastruktur zu verbessern. Diese „Hilfe zur Selbsthilfe“ könnte Kleinkredite für benachteiligte Familien zum Erwerb von Land beinhalten. Fortbildungsprogramme, landwirtschaftliche Beratung und Agrarforschung schaffen zusätzlich Arbeitsplätze und erhöhen gleichzeitig die Produktionsfähigkeit der Bauern. „Der Lohn für die Arbeit soll die Bedürftigen dadurch in die Lage versetzen, sich selbst zu ernähren“, heißt es.
Einige wenige, die aus dieser Krise neue Hoffnung schöpfen könnten, sind nach Angaben der Welthungerhilfe die Baumwollbauern in den Entwicklungsländern. Denn: „Die USA werden ihren hoch subventionierten Baumwollanbau zugunsten des Maisanbaus für Agrartreibstoffe reduzieren. Damit könnten die Marktchancen für Baumwolle aus Entwicklungsländern wieder steigen“, hofft das Hilfswerk.
Katharina Schmülling